Ruf nach Anerkennung wird lauter

Kittel und Co. feiern  deutsche Rekord-Tour

Marcel Kittel
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Marcel Kittel.

Paris - Die deutschen Radprofis haben ihre Rekord-Tour in Paris ausgelassen ausklingen lassen. Der Ruf nach einer größeren öffentlichen Anerkennung und Wahrnehmung war dabei überdeutlich zu vernehmen.

Nach dem furiosen Finale der deutschen Rekord-Tour ließen es Marcel Kittel und John Degenkolb krachen. In einer Pariser Diskothek am Triumphbogen feierten die beiden Top-Sprinter das erfolgreichste Abschneiden in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt und vergaßen die Schindereien und Qualen der vergangenen drei Wochen.

Die Stimmung bei den deutschen Fahrern war ausgelassen. „Das war die beste Tour, die wir je hatten“, schwärmte Top-Sprinter Marcel Kittel, der nach seinem famosen Sprintsieg auf den Champs Elysees am Sonntag Champagnerduschen am Teambus von Giant-Shimano verteilte. Mit sieben Etappenerfolgen hatten Kittel (4), Tony Martin (2) und Andre Greipel (1) den bisherigen Rekord aus den Jahren 1977 und 2013 (6) übertroffen. „Es zeigt, dass der deutsche Radsport Weltspitze ist, das ist beeindruckend“, sagte Kittel.

Dank der Sprintdominanz und Martins Zeitfahr-Qualitäten ging im Schnitt jede dritte Etappe an einen deutschen Fahrer. Mit etwas Glück wären weitere Siege des zweimal zweitplatzierten John Degenkolb hinzugekommen. Die deutschen Radprofis sind erfolgreich wie nie - und ihr Ruf nach öffentlicher Anerkennung in der Heimat wird immer lauter. „Das ist ein großes Signal an alle Fans in Deutschland, an die Medien in Deutschland, ohne jetzt ins Detail zu gehen“, sagte Kittel.

Allen voran wünschen sich die deutschen Fahrer eine Rückkehr der Tour-Live-Berichterstattung in die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten. „Wir können den Radsport in Deutschland ein stückweit revolutionieren. Ich hoffe, dass uns jetzt Vertrauen geschenkt wird, die Schritte auch von der anderen Seite gegangen werden und wir wieder Live-Übertragungen haben“, sagte Degenkolb bei Sky Sport News HD. Dies könne weitere Sponsoren anlocken und möglicherweise sogar zu einer Wiederbelebung der Deutschland-Tour führen.

Die Leistungen der deutschen Fahrer bleiben den Verantwortlichen von ARD und ZDF jedenfalls nicht verborgen. „Auch wir verfolgen die Entwicklungen im Radsport, insbesondere bei der Tour de France, sehr genau und finden es sehr positiv, dass es momentan einen deutschen Nachwuchs gibt, der durch Offenheit und sein klares Bekenntnis zum sauberen Sport und ebenso jüngst durch Erfolge zu überzeugen weiß“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky dem SID: „Vor diesem Hintergrund werden ARD und ZDF nach der Tour de France 2014 in Ruhe über die Zukunft der medialen Präsenz des Radsports in ihren Programmen beraten.“

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ergänzte auf SID-Anfrage, dass „die Erfolge der deutschen Fahrer bei der diesjährigen Tour de France dabei ein wichtiges Thema sein werden“. Bereits vor geraumer Zeit war es zu einem Dialog zwischen Kittel und den Sportchefs der ARD gekommen. „Es war ein gutes Gespräch, ich hatte ein gutes Gefühl“, sagte Kittel. Die Tour 2014 war in Deutschland wie in den Vorjahren nur über den Spartensender Eurosport zu empfangen.

Am späten Sonntagabend blendete Sprintkönig Kittel dann aber doch kurz alle Gedanken an die Zukunft aus. „Ich will den Moment genießen. Das ist der Wahnsinn“, sagte Kittel.

SID

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