Frieren, Frösteln, Football

Im Kühlschrank geht's um die NFL-Krone

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Denver-Quarterback Peyton Manning.

New York - Das gab's noch nie: Der Super Bowl der National Football League wird im kalten amerikanischen Norden ausgetragen - und zwar draußen. In New Jersey stehen sich die Denver Broncos und die Seattle Seahawks gegenüber.

Im Kühlschrank um die Krone: Wer in diesem Jahr Meister der National Football League NFL werden will, muss nicht nur nervenstark, sondern auch wetterfest sein. Erstmals findet das Finale nicht im wärmeren Süden oder einer geschlossenen und beheizten Arena statt, sondern in einem offenen Stadion in New Jersey. Knapp 45 Autominuten von der Manhattaner Skyline entfernt, duellieren sich am Sonntag im MetLife Stadium die Denver Broncos mit den Seattle Seahawks um Amerikas begehrteste Sport-Trophäe. Und der Super Bowl könnte zum Snow Bowl werden.

Zum wichtigsten Spiel der Saison sind Temperaturen um den Gefrierpunkt vorausgesagt. „Ich denke, es kommt trotzdem noch mehr auf den Gegner an als auf das Wetter“, stellt Denvers Peyton Manning klar. Er ist nach Craig Morton und Kurt Warner der dritte NFL-Quarterback, der es mit zwei Teams ins Finale geschafft hat. Und er wäre bei einem Sieg der erste, der die Vince-Lombardy-Trophy mit zwei Mannschaften gewinnen würde. 2007 hatte Manning mit den Indianapolis Colts den Titel geholt.

Auf der anderen Seite steht Russell Wilson. Der 25-jährige Spielmacher der Seahawks hat bereits eindrucksvoll bewiesen, dass man auch als eher kleiner Quarterback (1,80 Meter) groß auftrumpfen kann. Wilson spielt erst seine zweite Saison, ist aber längst zu einem Star aufgestiegen und zeigte sich im Vorfeld so cool wie ein Routinier. Sein Motto: „Hab' ein Lächeln im Gesicht, genieße den Moment und schlage zu, wenn ein entscheidender Spielzug ansteht.“

Die Voraussetzungen für ein Football-Fest scheinen gegeben. Denver, bei den Buchmachern leicht favorisiert, stellt die beste Offensive der Liga, Seattle die stärkste Verteidigung. Manning, der so viele Touchdowns (55) in dieser Saison geworfen hat, wie kein Quarterback zuvor, trifft auf die Seahawks-Defensive, deren Spezialität es ist, das Pass-Spiel des Gegners zu unterbinden.

Seattle wiederum ist laufstark und hat in Marshawn Lynch einen der besten Runningbacks der Liga. Wenn der 1,78 Meter große und 98 Kilo schwere Modellathlet zu seinen unwiderstehlichen Läufen ansetzt, schrien in der Vergangenheit bei Heimspielen die Fans schon mal so euphorisch auf, dass die Messinstrumente im stadionnahen Pazifik-Institut für Seismologie ein leichtes Erdbeben anzeigten.

In beiden Teams gibt es neben den Superstars auch Rollenspieler, die mit ihren Stories in den vergangenen Tagen die Sympathien ihrer Landsleute gewonnen haben. Denvers Cornerback Champ Bailey bespielsweise. Der 35-Jährige steht in seiner 15. NFL-Saison erstmals im Endspiel. „Es gibt viele Spieler bei uns, mich eingeschlossen, die dieses Match für ihn gewinnen wollen“, sagt Manning.

Neben dem Sport bietet der Super Bowl auch immer eine riesige Show. Seit Tagen schon feiern die Menschen mitten in Manhattan auf dem Super-Bowl-Boulevard. Zahlreiche Celebrities haben es sich nicht nehmen lassen, für das Big Game in den Big Apple zu kommen. Frieren, frösteln, Football - diese Kombination ist für viele ohnehin nicht neu. Denn American Football gilt eher als Wintersport.

Und für die Fans haben die niedrigen Temperaturen sogar etwas Gutes: Die Ticketpreise fallen täglich um bis zu 100 Dollar. Am Donnerstag betrug der Durchschnittspreis für eine Finalkarte 2465 Dollar. Das sind laut Wirtschafts-Magazin „Forbes“ 34 Prozent weniger als unmittelbar nach den Halbfinals am 19. Januar.

Roger Goodell braucht natürlich keinen Eintritt zu zahlen. Der NFL-Commissioner musste sich aufgrund des Austragungsortes Kritik gefallen lassen. Nun will er zeigen, dass ein Open-Air-Super Bowl auch im kalten Norden machbar ist. Deshalb wird Goodell das Spiel nicht aus einer Loge oder VIP-Box verfolgen, sondern draußen sitzen. So wie die 79 000 Fans auch.

dpa

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