Hambüchen & Co.

Deutsche Turner bei WM Letzter im Team-Finale

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Andreas Bretschneider verpasste am Reck seine historische Übung.

Nanning - Im Team-Finale der WM reichte es für Deutschland nur zu Platz acht, und auch Bretschneider konnte das schwierigste Element der Turn-Geschichte am Reck nicht zeigen. China gewann umstritten vor Japan.

Andreas Bretschneider erlebte einen kuriosen Blackout, Fabian Hambüchen tröstete die Youngster. Für die deutschen Turner hat sich das erhöhte Risiko nicht ausgezahlt. Im Team-Finale der Weltmeisterschaften von Nanning machten ihnen zu viele Fehler einen Strich die Rechnung, so dass nach Platz sechs im Vorkampf nur der achte Final-Rang heraussprang. Mit 256,160 Punkten mussten die durch Verletzung des Olympia-Zweiten Marcel Nguyen geschwächte Riege das schlechteste Team-Ergebnis seit 13 Jahren verbuchen.

„Wir haben alles versucht. Fehler passieren halt. Das Tollste war doch, dass wir hier überhaupt dabei waren“, sagte Fabian Hambüchen. „Es war doch klar, dass es heute ganz schwer für diese junge Mannschaft wird“, fügte er hinzu. Nach dem Kampf hielten die Deutschen ein Trikot mit der Aufschrift „Gute Besserung Marcel“ in die Kameras und grüßten ihren Gefährten Nguyen, der sich in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und in Nanning schmerzlich vermisst wurde.

Einen kuriosen Moment erlebte Andreas Bretschneider am Reck: Als alle Augen auf ihn gerichtet waren, verpasste der Chemnitzer eine historische Stunde, turnte sein zuvor angekündigtes spektakuläres Flugteil nicht und drehte nur eine statt zwei Schrauben bei seinem gehockten Doppelsalto. Damit geht der von ihm entwickelte und im Training schon praktizierte Flieger noch nicht als schwierigstes Element in das Regelwerk des Weltverbandes FIG ein.

„Auch wenn es mir niemand glaubt: Ich habe gedacht, ich hätte zwei Schrauben geschafft“, sagte der Chemnitzer und zuckte mit den Schultern. „Ich denke, er hatte einen Blackout“, meinte Cheftrainer Andreas Hirsch zu der bizarren Situation. Erst wenige Stunden zuvor hatte das Technische Komitee der FIG Grünes Licht für die Einstufung als erstes H-Teil der Turn-Geschichte gegeben. Da es Bretschneider aber nun nicht bei der WM turnte, muss er bis zu den Titelkämpfen 2015 in Glasgow warten, um dem Element doch noch seinen Namen zu geben. „Das Ding kann ihm bis dahin keiner wegnehmen. Das ist so brutal. Das kann nur der 'Schneider'“, meinte Hambüchen.

Zuvor war dem deutschen Team der Einstieg in das Finale nicht annähernd so gut wie im Vorkampf gelungen. Alle drei Turner mussten an den Ringen Einbußen - vor allem wegen Standfehlern - hinnehmen. Danach landete Lukas Dauser bei seinen Sprung auf dem Hinterteil und auch Hambüchen brachte seinen Satz nicht sauber in den Stand, so dass die Deutschen schon nach zwei Geräten nur den Schlussrang einnahmen.

Am Barren und Reck lief es wesentlich besser, auch Hambüchen turnte seine Übung am Königsgerät stärker als im Vorkampf durch und erhielt mit 15,366 zurecht einen Punkt mehr. Als dann aber Andreas Toba und Bretschneider ihre Bodenübungen verpatzten, war klar, dass das Vorkampfergebnis nicht mehr möglich war.

Im Kampf um Gold setzten die Chinesen ihre seit 2003 anhaltende Siegesserie fort. Unter dem Jubel von 9300 Zuschauern im ausverkauften Guangxi Sports Center bezwangen sie die starken Japaner in einer dramatischen Entscheidung um einen Zehntelpunkt. Erst durch die letzte Reckübung von Zhang Chenglong setzte sich das Team mit 273,369 Punkten vor dem asiatischen Dauerrivalen durch, der über den gesamten Wettkampf die Führung innehatte (273,269). „Ich hätte das anders gesehen, das war schon ein bissel auffällig“, sagte Wolfgang Hambüchen, der Trainer und Vater von Fabian, zu der Entscheidung, bei der wohl auch der Heimvorteil der Chinesen ein Rolle gespielt hatte.

dpa

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