Nestlé-Kündigung nicht akzeptiert

IAAF laufen die Sponsoren davon

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IAAF-Präsident Sebastian Coe will die Nestlé-Kündigung nicht akzeptieren.

Monte Carlo - Sechs Monate vor Olympia in Rio hat der Leichtathletik-Weltverband IAAF alle Hände voll zu tun mit seinem Krisenmanagement. Jetzt hat auch Sponsor Nestlé die Nase voll.

Sponsoren laufen davon, neue Enthüllungen über Doping und Korruption kommen fast täglich ans Tageslicht: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF gerät immer weiter in Misskredit. Doping-Geständnis in China, Schmiergeld-Vorwurf in Kenia, Athleten auf der Anklagebank in Italien und die Nachricht, dass britische Kontrolleure in Russland testen. Hinzu kommt die Ankündigung von IAAF-Sponsor Nestlé, den Vertrag zu kündigen.

Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gerät die IAAF immer stärker unter Druck. Allerdings will die durch die kriminellen Machenschaften des früheren Präsidenten Lamine Diack und die Vertuschung von Doping ins Zwielicht geratene IAAF zumindest Sponsoren nicht ohne Gegenwehr ziehen lassen.

IAAF akzeptiert Kündigung nicht

So hat der Weltverband angekündigt, die sofortige Beendigung des Sponsorenvertrages für das Programm „Kids Athletics“ durch den Nahrungsmittelkonzern Nestlé nicht akzeptieren zu wollen. „Wir sind verärgert und bestürzt über die Ankündigung. Wir werden es nicht akzeptieren“, erklärte Präsident Sebastian Coe laut einer Mitteilung des Weltverbandes am Mittwochabend. „Es sind die Kinder, die darunter leiden.“ Die IAAF sei mit Nestlé über das letzte Jahr der fünfjährigen Partnerschaft für das Kinder-Programm im Gespräch.

Nestlé hatte in einer Stellungnahme erklärt, die Zusammenarbeit mit der IAAF „angesichts der negativen öffentlichen Wahrnehmung bezüglich Korruptionsvorwürfen und Dopings“ mit sofortiger Wirkung zu beenden. „Wir glauben, dass dies eine negative Auswirkung auf unsere Reputation und das Image haben könnte“, hieß es in der Stellungnahme.

Nach IAAF-Angaben haben rund 15 Millionen Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren in 76 Länder an dem „Kids Athletics“-Programm teilgenommen. In diesem Jahr soll es auf weitere 15 Länder ausgedehnt werden. Rund drei Millionen Kinder sollen damit erreicht werden.

Auch Adidas vor dem Absprung?

Bereits Ende Januar war publik geworden, dass Sportartikelhersteller Adidas seine Zusammenarbeit mit der IAAF zu beenden erwägt und vorzeitig aus dem noch vier Jahre laufenden Vertrag aussteigen wolle. Das Unternehmen aus Franken ist neben Canon, Seiko, TDK, Toyota, TBS und Mondo einer der sieben großen Partner der IAAF.

Nach den schockierenden Enthüllungen über ein Doping-System in Russland gerät derweil das Lauf-Wunderland Kenia durch Korruptionsvorwürfe ins Visier. Ein Sportfunktionär soll von zwei suspendierten Leichtathletinnen hohe Dollar-Summen für die Verkürzung ihrer vierjährigen Dopingsperren verlangt haben.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP hätten die Läuferinnen Joy Sakari und Francisca Koki Manunga mitgeteilt, der Geschäftsführer des nationalen Verbandes Athletics Kenya (AK), Isaac Mwangi, habe von jeder Sportlerin 24 000 US-Dollar Schmiergeld gefordert. Mwangi wies die Beschuldigungen strikt zurück. „Das ist doch ein Witz“, sagte er.

Die IAAF teilte mit, dass die Anschuldigungen von Sakari und Manunga von der Ethikkommission des Verbandes untersucht würden. Als „sehr verstörend“ bezeichnete die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA die Vorwürfe der Läuferinnen. Sie „ähneln unheimlich“ jenen, die bei den bisherigen Enthüllungen von Doping-Vertuschung in der Leichtathletik ans Tageslicht gefördert worden seien.

Sollte es weitere Informationen geben, will die WADA entscheiden, ob Untersuchungen in Kenia veranlasst werden. Trotz einer Reihe von Berichten über mögliche Doping-Machenschaften in dem afrikanischen Land hat die WADA Ermittlungen wie in Russland bisher abgelehnt.

Unterdessen haben Kontrolleure der britischen Anti-Doping-Behörde UKAD in Russland die Tests übernommen. Das ist eine Maßnahme, um den Ausschluss der von der IAAF suspendierten Leichtathleten des Landes bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro noch zu vermeiden.

Fairnessgedanke schwindet

Inzwischen ist eine zweite Sportweltmacht mit schweren Vorwürfen konfrontiert: China. So hat die ehemalige Langstreckenläuferin und mehrfache Weltrekordhalterin Wang Junxia in einem Brief offenbar gestanden, während ihrer Karriere systematisch gedopt zu haben. Sie und andere Läufer ihres Teams seien von ihrem Trainer Ma Junren dazu gezwungen worden. Zudem müssen sich in Italien 26 Leichtathleten im ersten Fall vor dem Nationalen Anti-Doping-Gericht wegen mutmaßlicher verbotener Einnahme von verbotenen Mitteln verantworten.

Macht das Mut, dass es bei den olympischen Wettkämpfen mehr Fairness und Gerechtigkeit geben wird? „Ich glaube nicht“, sagte der deutsche Sprint-Rekordler Julian Reus. „Die Frage ist: Wo fängt man an, wo hört man auf?“

dpa

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