Handball-Superstar unter Verdacht

Manipulation? Polizei verhört Karabatic

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Nikola Karabatic spielte mehrere Jahre in der deutschen Handball-Bundesliga für den THW Kiel.

Paris - Im Manipulationsskandal um den französischen Handball-Meister Montpellier HB hat die Polizei am Sonntag zwölf Personen zur Befragung festgehalten, darunter auch Superstar Nikola Karabatic.

Der Wettskandal im französischen Handball hat sich zugespitzt: Der frühere Kieler Star Nikola Karabatic und acht andere Spieler sowie drei weitere Personen wurden am Sonntag in Paris nach einem Spiel noch in der Halle von Beamten festgehalten und verhört. Die Aktion habe am Abend im Anschluss an die Niederlage des Karabatic-Clubs Montpellier AHB bei Paris Saint-Germain (24:38) stattgefunden, berichteten französische Medien unter Berufung auf die Polizei.

Mehrere Spieler des französischen Landesmeisters aus Montpellier, in der Champions League Gruppengegner der SG Flensburg-Handewitt, werden verdächtigt, in der vergangenen Saison ein Spiel der französischen Meisterschaft absichtlich verloren zu haben, um Verwandten der Spieler hohe Wettgewinne von bis zu 250 000 Euro zu ermöglichen. Den betroffenen Spielern drohen wegen Sportkorruption und Betrug bis zu drei Jahre Haft und drastische Geldstrafen.

Unter den Verhörten sind nach den Medienberichten neben Karabatic auch dessen Bruder Luka und der Pariser Nationalspieler Samuel Honrubia, der vergangene Saison noch in Montpellier unter Vertrag stand, sowie unter anderen ein Funktionär von Montpellier und die Partnerin eines Spielers.

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Erst am Mittwoch war bekanntgeworden, dass gegen acht Profis ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdachts eingeleitet wurde. Bei der Affäre geht es um die sensationelle 28:31-Niederlage des französischen Rekordmeisters und Champions-League-Siegers von 2003 am 12. Mai beim abstiegsgefährdeten Cesson-Rennes HB. Montpellier stand damals schon als Meister fest, die späteren Olympiasieger Nikola Karabatic und Honrubia waren wegen Verletzung nicht dabei.

Cesson-Präsident Philippe Barberet versicherte dieser Tage, beim Spiel sei seiner Meinung nach alles mit rechten Dingen zugegangen. Der Wettanbieter Française des Jeux (FDJ) sah es anders. FDJ registrierte „ungewöhnlich hohe Wetteinsätze“ auf das Spiel in Cesson und meldete diese den zuständigen Behörden. Es seien viele und besonders hohe Einsätze auf einen Halbzeitrückstand und auch auf eine Niederlage von MAHB abgegeben worden, hieß es.

Die Polizei fand laut dem Sender „France 3“ inzwischen heraus, dass viele Wetten damals von Frauen, Freundinnen und Angehörigen der Spieler sowie von MAHB nahestehenden Personen getätigt worden seien. Nikola Karabatic, Frankreichs Sportler des Jahres 2011, hüllte sich in Schweigen. Er sei nicht auf dem Laufenden gewesen und über die Nachrichten überrascht, hatte er am Mittwoch über seinen Manager ausrichten lassen.

Der Skandal schlug in der „Grande Nation“ in den vergangenen Tagen hohe Wellen. Der Chef des Nationalverbandes FFH, Joël Delplanque, sagte, er vertraue zwar „den Jungs“, werde aber gegebenenfalls im sportlichen Bereich schwere Strafen verhängen lassen: „Es wird null Toleranz geben“, versicherte er.

dpa/sid

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