Deutscher Rekord

Tour de France: Nibali siegt, Kittel Etappensieger

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Der deutsche Sprinter Marcel Kittel auf der letzten Etappe der Tour de France.

Paris - Der deutsche Top-Sprinter Marcel Kittel hat wie im Vorjahr die prestigereiche Schlussetappe der 101. Tour de France gewonnen. Der Gesamtsieg gehört dennoch dem Italiener Nibali.

Update vom 3. Juli 2015: Nach drei Jahren Pause bringt das Erste wieder Live-Bilder vom wichtigsten Radrennen der Welt, der Tour de France, in die deutschen Wohnzimmer. Wenn Sie aber nicht daheim sind und die Tour de France 2015 lieber im Ticker mitverfolgen wollen, dann sind sie hier bei uns richtig.

Vincenzo Nibali genehmigte sich auf seiner Tour d'Honneur einen Schluck Champagner, Marcel Kittel sprintete auf den Champs Élysées in die Rekordbücher. Nach 3660,5 Kilometern ist bei der 101. Tour de France mit dem ersten italienischen Triumph seit 1998 und einer deutschen Bestmarke am Sonntag der Vorhang gefallen. Beim großen Finale auf dem Pariser Prachtboulevard untermauerte Kittel seinen Ruf als weltbester Sprinter und sorgte für den historischen siebten deutschen Etappensieg. Der Blondschopf aus Arnstadt egalisierte zugleich seine persönliche Bestmarke von vier Tageserfolgen.

Als Kittel nach 137,5 Kilometern den „Sprint Royal“ unter dem Jubel von hunderttausenden Zuschauern vor Alexander Kristoff (Norwegen) und Ramunas Navardauskas (Litauen) gewann, hatte Nibali seine erste kleine Feier auf dem Rad bereits hinter sich. Mit einem Vorsprung von 7:52 Minuten auf den Franzosen Jean-Christophe Peraud und dessen Landsmann Thibaut Pinot (+ 8:24) hatte der Sizilianer den größten Vorsprung seit Jan Ullrich vor 17 Jahren herausgefahren. „Dieser Sieg ist etwas Besonderes für mich. Richtig realisieren werde ich das erst in einigen Tagen“, sagte Nibali, der als siebter Italiener die Frankreich-Rundfahrt gewann und erstmals seit Marco Pantani wieder die italienische Hymne erklingen ließ.

Nibali spielt nach eigenen Regeln - und gewinnt

Tour de France-Sieger Vincenzo Nibali.

Und Nibali gewann die Tour in einer Art und Weise wie selten ein Fahrer in der jüngeren Vergangenheit. Er trumpfte auf jedem Etappenprofil fast nach Belieben auf, bergauf, bergab, sogar auf der berüchtigten Kopfsteinpflaster-Piste von Arenberg. Der 29 Jahre alte Kapitän war der Alleskönner im Peloton, dem aber auch frühzeitig die Konkurrenten durch schwere Stürze ausgegangen waren. Der angedachte Dreikampf war durch das verletzungsbedingte Aus von Vorjahressieger Chris Froome und dem zweimaligen Champion Alberto Contador ausgefallen.

Er habe den Sieg nicht gestohlen, sagte Nibali und verwies darauf, dass er noch vor dem Ausfall Contadors einen stattlichen Vorsprung herausgefahren hatte. Bei allen herausragenden Leistungen fuhren beim „Hai von Messina“ aber auch Zweifel mit. Das hatte vor allem mit seinem höchst umstrittenen Arbeitgeber Astana zu tun, bei dem fast die komplette sportliche Leitung angeführt vom früheren Skandalfahrer Alexander Winokurow eine aktenkundige Doping-Vergangenheit besitzt. Ansonsten wurde die Tour-Ruhe aber gewahrt, wie im Vorjahr gab es bisher keinen Dopingfall.

Nibali drückte der Tour seinen Stempel auf, es war aber auch eine Tour d'Allemagne. Mit den schnellsten Sprintern, dem besten Zeitfahrer, dem ältesten Teilnehmer Jens Voigt und einem kleinen Team, das große Taten vollbrachte, präsentierte sich der deutsche Radsport von seiner strahlendsten Seite. Neben Kittel, der beim stimmungsvollen Auftakt in England auch gleich das Gelbe Trikot erobert hatte, war der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin mit zwei Tageserfolgen der erfolgreichste Deutsche. Dazu steuerte André Greipel einen Sieg bei.

Tony Martin: Deutscher Radsport steht gut da

Martin, der am Samstag den Kampf gegen die Uhr dominiert hatte, sieht die Zeit gekommen, dass nach dem Sommermärchen 2.0 der Radsport-Bann in Deutschland aufgehoben wird. „Wir haben im letzten Jahr schon gezeigt, dass der Radsport wieder gut dasteht. Mit unserer Performance können wir zufrieden sein. Ich hoffe, dass es in Deutschland ankommt.“ Erstklassige Leistungen zeigte auch das aus der zweiten Division stammende NetApp-Team, aus dem Leopold König (Tschechien) auf den siebten Platz fuhr.

Jubeln durften aber auch die Gastgeber, die erstmals seit 30 Jahren wieder zwei Fahrer auf dem Podest hatten. „Gänsehaut“, hatte die Sporttageszeitung „L'Equipe“ entsprechend vor dem Finale getitelt. Pinot sicherte sich mit seinem dritten Platz auch das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Bester Kletterer und ebenfalls ein Aushängeschild der neuen Generation war der Pole Rafal Majka, der eigentlich nur als Wasserträger von Contador dienen sollte. Das Grüne Trikot des Punktbesten gewann Peter Sagan mit elf Top-Ten-Platzierungen, aber ohne einen Tagessieg.

dpa

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