Missbrauchs-Prozess: Berufungs-Verfahren gegen Ex-Schwimmtrainer

Kiel - Rund vier Jahre nach dem ersten Anlauf geht das Missbrauchs-Verfahren gegen einen früheren Schwimmtrainer in die nächste Runde.

Das Kieler Landgericht wird den Fall vom kommenden Montag an in einem Berufungsverfahren neu aufrollen, bestätigte Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Dann muss die 11. Große Strafkammer klären, ob sich der Schwimmtrainer laut Anklage von 2004 bis 2006 in 18 Fällen an einer von ihm betreuten jungen Sportlerin sexuell vergangen und dabei das Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt hat.

Das Kieler Amtsgericht hatte den heute 44-Jährigen im November 2013 freigesprochen. Das Gericht folgte der Argumentation der Verteidigung, die von einem Liebesverhältnis ohne Missbrauch und Ausnutzung ausging. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Sie hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert.

Oberstaatsanwalt Bieler ist überzeugt, dass der damalige Schwimmtrainer, der auch bei den Olympischen Spielen 2012 im Einsatz war, eine Haftstrafe zu erwarten habe: „Inwieweit die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, wird sich zeigen.“ Für das neue Verfahren sind zwölf Verhandlungstage bis zum 22. Dezember vorgesehen.

Laut Anklage war die junge Frau beim ersten Übergriff 16 Jahre alt und sexuell völlig unerfahren. Der Angeklagte trainierte sie demnach seit ihrem zwölften Lebensjahr. Spätestens seit 2003 soll sie sich „in totaler Abhängigkeit“ von ihm befunden haben, 2004 soll es zu ersten Übergriffen gekommen sein. 2009 erstattete die heute 28-Jährige Strafanzeige.

Ein erstes Verfahren platzte 2012, weil das Amtsgericht dem Antrag der Verteidigung auf ein Glaubwürdigkeitsgutachten stattgab. Im zweiten Anlauf meinte das Gericht, es sei nicht auszuschließen, dass die Frau die sexuellen Handlungen im Zuge einer Therapie umgedeutet habe.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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