Spektakel im Olympiapark

Munich Mash: Im Disneyland der Actionsportfans

+
Tollkühne Überflieger: Die Mountainbiker zählen mit ihren waghalsigen Darbietungen zu den Attraktionen beim Munich Mash.

München - Der Münchner Olympiapark lädt erneut zum Drei-Tage-Spektakel, das im letzten Jahr 55.000 Zuschauer anzog.

Im Oktober 2013 lenkte Arno Hartung sein Auto durch die Stadt, als sein Handy zu brummen anfing. „Ich bin auf der Effnerstraße gefahren“, erinnert sich Hartung. „Das war einer dieser Momente, bei dem man nie vergessen wird, wo man war.“ Der Anrufer war Ralph Huber, damals Geschäftsführer des Olympiaparks. Er hatte schlechte Neuigkeiten für seinen Stellvertreter. Der US-Sportgigant ESPN hatte den Münchnern eröffnet, die X- Games zu streichen. Nur drei Monate nachdem das Actionsportspektakel 100 000 meist junge Besucher in den Olympiapark gelockt hatte.

„Als ich das gehört habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen“, sagt Hartung. Die Park-Chefs hatten gerade ihr Lieblingsprojekt verloren. Auf Jahre sollten die X-Games das Sommerprogramm schmücken, die Veranstalter witterten die Chance, den Olympiapark für die vermisste Jugend sexy zu machen. Doch der Disney-Konzern, der ESPN mit Milliarden ausstattet, durchkreuzte die ehrgeizigen Pläne. Hartung vermutet: „Sie haben sich wahrscheinlich etwas übernommen.“

Knapp drei Jahre später erzählt Hartung, inzwischen selbst Olympiapark-Chef, diese Geschichte mit einem Lächeln auf den Lippen. Er trauert der großen Marke X-Games nicht mehr hinterher, denn sein Team hat sich einfach ein eigenes Actionsportfest gebastelt: MASH.

Ab Freitag startet die dritte Ausgabe. Man könnte ironisch sagen: Für drei Tage verwandelte sich der Olympiapark in ein Disneyland für Actionsportfans. Organisationschef Frank Seipp nennt es ein „europäisches Topevent“. 55 000 Zuschauer strömten im letzten Jahr auf das Gelände, Hartung ist überzeugt, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Denn die MASH-Macher tüfteln seit drei Jahren fleißig an ihrem Produkt. Vor allem haben sie gelernt, es zu verkaufen.

Auf der gestrigen Pressekonferenz präsentierte MASH gleich drei seiner Protagonisten: Sam Pilgrim, einen Mountainbiker, der über die Clubs und Mädels in München schwärmt und dessen markante Zahnlücke viel über die Risikobereitschaft in seinem Sport verrät. Cody McEntire, einen Skateboarder, der Fragen nur mit einem Zahnstocher im Mund beantwortet. Und Aaron Gunn, ein Wakeboarder, dem die Kombination aus umgedrehter Cap und australischem Akzent schon unfassbare Coolness verleiht. Solche Typen ziehen einfach. Die eigenen Fernsehbilder verhökert MASH inzwischen weltweit, andere Städte haben sogar angefragt, ob sie das Event adoptieren können.

Die dritte Auflage des Münchner Actionzirkus’ setzt sportlich Maßstäbe. Der Mountainbike-Wettbewerb, der sich den Olympiaberg hinunterschlängelt, gehört der „Diamond Series“ an, weltweit gibt es nur vier dieser Events. Die Skateboarder eröffnen in der Olympia-Eishalle die „Street League“, die Champions League des Sports. Erstmals dabei sind die Wakeboarder, die über eine Riesenrampe im Olympiasee hopsen – acht Meter hoch, 25 Meter weit. Diese Sprünge waren vor zwei Jahren aus Sicherheitsgründen weltweit verboten worden, in München erleben sie ihr Comeback. Das schüchtert selbst den coolen Australier Aaron Gunn etwas ein: „Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gemacht.“

Ein solches Spektakel kostet. 1,1 Millionen Euro stecken in MASH. Das sind zwar keine X-Games-Dimensionen, genügt den Münchnern aber, um hohe Ansprüche zu erfüllen – auch langfristig. „MASH wird es auch ein viertes Mal geben. Und ein fünftes und ein sechstes und ein siebtes Mal“, ist sich Hartung sicher. Durch die Effnerstraße fährt er dieser Tage übrigens wieder gerne.

Christoph Meltzer

auch interessant

Meistgelesen

Dahlmeier siegt, Herrmann glänzt und Gössner erstarkt
Dahlmeier siegt, Herrmann glänzt und Gössner erstarkt
Boris Becker rechnet mit Novak Djokovic ab
Boris Becker rechnet mit Novak Djokovic ab
Boris Becker und Novak Djokovic trennen sich
Boris Becker und Novak Djokovic trennen sich
Formel-1-Weltmeister Rosberg genießt Abschiedstour
Formel-1-Weltmeister Rosberg genießt Abschiedstour

Kommentare