Knifflige WM-Mission für Eishockeystar Ehrhoff

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Christian Ehrhoff hat noch Luft nach oben, was seine Leistung angeht. Foto: Keystone/Georgios Kefalas

NHL-Profi Christian Ehrhoff soll die Defensivschwächen im Eishockey-Nationalteam wettmachen. Motiviert ist er allemal, es geht auch um seine persönliche Zukunft in Nordamerika. Seine Topform erreicht er vor der WM aber noch nicht.

Basel (dpa) - Der deutsche Star-Verteidiger Christian Ehrhoff nimmt die Mission Eishockey-Weltmeisterschaft selbstkritisch in Angriff. Eigentlich soll der erfahrene NHL-Profi der noch fehlende Erfolgsgarant für Deutschlands Viertelfinal-Chance beim WM-Spektakel in Russland sein.

Wenige Tage vor dem Turnier-Auftakt am Freitag läuft aber bei ihm und im deutschen Team noch nicht alles nach Plan. "Ich habe auf jeden Fall noch Luft nach oben. Ich war auch etwas müde heute von den ganzen Strapazen. Also ich bin noch nicht zufrieden", haderte der 33-Jährige nach dem 3:4 nach Verlängerung im letzten WM-Test in der Schweiz am Dienstag. "Ich habe das letzte Mal vor ungefähr drei Wochen gespielt. Das merkt man schon ein bisschen."

Mit der Routine aus mehr als einem Jahrzehnt und 862 Partien in der nordamerikanischen Profiliga NHL soll Ehrhoff den diesmal ungewöhnlich gut, aber auch mit sieben WM-Debütanten besetzten Kader mitreißen. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) erhofft sich viel vom einst besten deutschen Spieler in der stärksten Liga der Welt.

Ehrhoffs beste Zeit scheint vorbei, nach schwierigen Monaten könnte die Aufgabe knifflig werden. "Bei Christian mache ich mir keine Gedanken", sagte Bundestrainer Marco Sturm allerdings und erwartet, dass sich das Abwehr-Ass im Turnierverlauf in Form spielt. "Er ist ein Krieger, der will immer unbedingt das Maximum."

Mit dieser Einstellung hat Ehrhoff schon zu seinen besten NHL-Zeiten stets Begeisterung beim DEB ausgelöst. 2010 führte er das Team mit überragenden Leistungen sensationell ins WM-Halbfinale. Auch 2013, bei seiner bislang letzten WM-Teilnahme, war er mit Abstand bester deutscher Spieler. Doch ein Allheilmittel kann Ehrhoff - gemeinsam mit einer famosen Offensive - auf Anhieb diesmal nicht sein.

In Basel verspielten die Deutschen um den herausragenden Doppel-Torschützen Leon Draisaitl zum zweiten Mal in wenigen Tagen eine 3:0-Führung. Mit Strafzeiten gaben sie vier Tage vor dem wichtigen WM-Auftakt gegen Frankreich die Siegchance gegen den WM-Zweiten von 2013 leichtfertig her. "Es sah ein bisschen aus, als hätte uns am Ende ein bisschen die Kraft gefehlt", meinte Ehrhoff.

Der Routinier musste am Mittwochmorgen für den Flug nach St. Petersburg schon früh aufstehen. Am Abend zuvor spazierte er noch ein wenig erschöpft durch die Stadion-Katakomben. Bescheiden stellte er sich erst einmal als "Christian Ehrhoff" vor.

Für kurze Zeit war er einst der bestbezahlte NHL-Verteidiger, in den vergangenen Monaten erlebte er aber auch die Schattenseiten des Sports. Die Los Angeles Kings schoben ihn nach schwächeren Leistungen im Februar zu ihrem Farmteam in die zweitklassige AHL ab. Kurzfristig wechselte er noch zum Vorjahresmeister Chicago. Doch auch dort blieb dem Mann aus Moers überwiegend nur eine Rolle als Zuschauer.

Ein Ende seiner NHL-Zeit und eine Rückkehr nach Europa oder zu seinem Herzensclub Krefeld Pinguine scheint nicht ausgeschlossen, auch wenn er sich mit einer guten WM unbedingt für einen neuen NHL-Job empfehlen will. "Es wird für ihn in der Zukunft sicherlich auch sehr schwer in der NHL", sagte Sturm.

Seine WM-Teilnahme abzusagen, war für Ehrhoff trotz seiner auch privat schwierigen Situation mit zwei Umzügen binnen eines Jahres keine Alternative. Seine Kinder machte er mit seiner Zusage nicht glücklich, doch Ehrhoff bot sich seinem früheren Teamkollegen Sturm selbst an. Bostons Verteidiger Dennis Seidenberg dagegen sagte auch diesmal verletzt ab. Um seine Zu- oder Absage hatte es 2015 ein großes Hickhack gegeben.

Für Ehrhoff wäre so etwas undenkbar. Wegen seiner Einstellung ist er für DEB-Präsident Franz Reindl ein "Supertyp". Dessen Fähigkeiten hält Reindl für unumstritten, er hebt vor allem "sein Charisma", "seinen Status" und "seine Ausstrahlung" hervor. "Wenn der Christian in die Kabine geht, ist da eine andere Atmosphäre", lobte Reindl. "Der bringt die Mannschaft sicherlich vorwärts."

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