DTB-Berater wettert wegen Absagen

Pilic im tz-Interview: "Würde sie für zwei Jahre sperren"

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Berater des DTB: Niki Pilic hat am Wochenende von seiner kroatischen Heimat aus mit dem deutschen Davis-Cup-Team mitgefiebert.

München - Niki Pilic hat den Klassenverbleib des deutschen Davis-Cup-Teams aus der Ferne beobachtet. Im Interview findet der DTB-Berater klare Worte wegen der zahlreichen Absagen.

In Opatija, Kroatien, regnete es am Montag ähnlich ausgiebig wie in München. Niki Pilic war trotzdem gut gelaunt, als ihn die tz am Telefon erreichte. Der 77-Jährige ist Berater des Deutschen Tennisbundes, beim Davis-Cup-Duell gegen Polen (3:2) fehlte er aus privaten Gründen - und auch, weil er sich ein bisschen über die vielen Absagen geärgert hat. Teamchef Michael Kohlmann hielt sich nach dem Zittersieg mit Kritik zurück und wollte keine Vorwürfe äußern. "Ich kann das nachvollziehen, dass es in die eine oder andere Karriere mal nicht hineinpasst", sagte der 43-Jährige. Pilic, Davis-Cup-Sieger 1988, 1989, 1993, 2005 und 2010, fand deutlichere Worte.

Herr Pilic, warum waren Sie nicht in Berlin?

Pilic: Ich hatte die ganze Familie hier bei mir, ein privater Termin und Sascha Zverev und Philipp Kohlschreiber haben nicht gespielt. Ich fand, es war eine komische Situation. Außerdem dachte ich mir, dass Deutschland auch ohne mich gewinnen müsste, kein Pole ist unter den Top-200. Das Doppel ist gut, deswegen hätte ich ihnen vielleicht einen Punkt zugetraut.

So kann man sich täuschen.

Pilic: Ich freue mich, dass Deutschland weiter in der Weltgruppe ist, der DTB gehört einfach zu den 16 besten Nationen der Welt. Struff hat das im letzten Einzel gut gemacht. Er war klarer Favorit, aber beim Stand von 2:2 kommt die Psyche ins Spiel, der Druck war hoch. Struff (Nr. 87 der Welt, Anm. d. Red.) hat Potenzial, für mich ist er ein Top-50-Spieler.

Er musste die Kohlen aus dem Feuer holen, weil es viele Absagen hagelte.

Dustin Brown.

Pilic: Ich verstehe nicht, dass so viele Leute nicht gespielt haben. Wenn ich ein gutes Image haben will, muss ich im Davis Cup spielen, früher haben die Jungs 200 Prozent gegeben. In Kroatien sind die Spieler heute noch voll motiviert, Cilic und Dodig haben gespielt, obwohl es gegen die zweite Mannschaft von Frankreich ging. Das war Kampf und viel Emotion. Auch Del Potro war für Argentinien im Einsatz.

Dustin Brown, Tobias Kamke und Mischa Zverev sollen ein Jahr nicht berufen werden. Finden Sie das gut?

Pilic: Ich habe mich mit Klaus Eberhard und Hans-Jürgen Pohmann darüber ausgetauscht, bin aber an der Entscheidung nicht beteiligt. Meiner Meinung nach sollte man sie für zwei Jahre sperren. Bei einigen ist es nicht das erste Mal, dass sie absagen. Wenn jemand nicht für Deutschland spielen will, dann rufe ich ihn auch nicht mehr an.

Wie muss man mit Alex Zverev umgehen?

Tobias Kamke.

Pilic: Viel mit ihm reden. Er hat das Potenzial für die Top Ten und ist ein wichtiger Spieler. Aber der DTB muss wissen, was er will und wie die Ziele in den nächsten drei, vier Jahren aussehen. Sascha hat behauptet, mit ihm hätte niemand gesprochen, das war nicht richtig, Michael Kohlmann war in Kontakt mit ihm. Scheinbar wollte er nicht spielen.

Entschuldigt sein Alter ein solches Verhalten?

Pilic: Wenn man jung ist, macht man Fehler, er braucht ein gutes Umfeld, das ihn auf dem richtigen Weg hält. Man muss ihm klarmachen, dass das Leben keine Einbahnstraße ist.

Wie beurteilen Sie den Rücktritt von Florian Mayer?

Pilic: Ich wusste es nicht, aber ich habe es vermutet. Er hätte bis zum Ende des Spiels warten können, andererseits ist er ein verdienter Spieler. Wenn er gebraucht wurde, war er da, so auch diesmal.

Wie sieht Ihre DTB-Zukunft aus?

Pilic: Unsere Vereinbarung läuft bis Ende des Jahres. Ich bin 77 Jahre alt, auf lange Reisen nach Brasilien oder Chile habe ich keine Lust mehr. Dass ich zweifle, liegt in erster Linie an den Reisestrapazen. Zu Kohlmann, Hordorff und den anderen Verantwortlichen habe ich ein gutes Verhältnis.

Interview: Mathias Müller

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