Sommerspiele in Rio

Kommentar zu Olympia 2016: Deutsche Bilanz kann sich sehen lassen

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Turner Fabian Hambüchen hat bei Olympia 2016 eine der deutschen Goldmedaillen geholt.

München - Merkur-Sportredakteur Armin Gibis meint nach Olympia 2016 in seinem Kommentar: Die deutsche Medaillenbilanz kann sich sehen lassen. 

Es ist erst eine gute Woche her, da schienen Deutschlands höchste Verbandsfunktionäre in Rio doch etwas Mühe zu haben, ihre allmählich länglich werdenden Gesichter zu verbergen. Die Operation Olympia 2016 war nur schwerfällig angelaufen, es gab mehr Rückschläge als Erfolgserlebnisse. Doch es liegt im Wesen des Sports, dass oft nur ein schmaler Grat liegt zwischen Glück und Pech, zwischen Triumph und Scheitern. In der zweiten Hälfte der Rio-Spiele hellte sich das Gesamtbild erfreulich auf. Rang 5 im Medaillenspiegel und 16 Mal Gold (fünf Olympiasieger mehr als noch in London 2012) – das war in Ordnung und konnte sich schon sehen lassen. Auch wenn die angepeilte Marke von insgesamt 44 Medaillen nicht ganz erreicht wurde.

Als wesentliche Bereicherung entpuppten sich – nicht unerwartet – die Mannschaften, die sich endlich wieder in größerer Zahl für Olympia qualifiziert hatten. Der deutsche Fußball schaffte es zweimal ins Finale – und erwarb sich viel Sympathien. Für den DFB sollte dies ein klares Zeichen sein, seine olympischen Ambitionen weiter zu fördern. Der hier von den Bundesliga-Profis gezeigte Geist von Rio machte großen Eindruck. Gleiches gilt für die Handballer.

Als eifrigste Medaillensammler betätigten sich zwei oft übersehene Randsportarten: Kanuten (4 x Gold, 8 Medaillen) und die wieder erstarkten Schützen (3 x Gold/5 Medaillen) lieferten hier mit Rekordausbeuten vorzügliche deutsche Wertarbeit.

Doch die Bilanz hatte auch ihre Kehrseite. In der Kernsportart Schwimmen (0 Medaillen, wie in London), herrscht Alarmstufe 1. Ebenso in der deutschen Ex-Domäne Fechten (0 Medaillen, nur 4 qualifizierte Teilnehmer). Aber auch die Königsdisziplin, die Leichtathletik, musste einen schweren Dämpfer hinnehmen. Die Goldmedaillen von Christoph Harting (Diskus) und Thomas Röhler (Speer) konnten nicht verdecken, dass die Enttäuschungen überwogen. Auch die Radfahrer büßten etwas vom Ruf als zuverlässige Medaillenschmiede ein.

Der vom DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann diagnostizierte Handlungsbedarf ist also durchaus vorhanden. Zumal in Rio auch offensichtlich wurde, wie sehr sich der internationale Wettstreit – wohl auch durch die vom IOC immer noch nicht bewältigte Dopingkrise – verschärft hat. Die Entwicklung lässt nur einen Schluss zu: In Tokio 2020 wird es noch schwieriger werden, Medaillen zu erringen.

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