Olympia 2016 ist vorbei

Kommentar: Was bleibt, Rio?

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Matthias Müller berichtete für die tz aus Rio.

Rio de Janeiro - Die Spiele sind tot, es leben die Spiele. Trotz Doping-Skandal und Milliardenkosten ist Olympia 2016 weitgehend reibungslos vorübergegangen. Doch was bleibt? Ein Kommentar.

Brasilien hat es überstanden, Rio hat es überstanden. Gut zwei Wochen blickte die Welt mit großen, aufmerksamen Augen auf die Stadt, die wie keine zweite zwischen Schönheit und Scheußlichkeit schwankt. Europa mag anders denken, aber für Rio-Verhältnisse verlief Olympia ohne größere Zwischenfälle. Am Ende wurden die Carioca, die Bewohner Rios, sogar durch Nationalheld Neymar befriedet. Eigentlich sollte der Fußball beim größten Sportereignis der Welt im Hintergrund stehen, aber wer die eruptive Stimmung im Maracana erlebt hat, muss gestehen: Es war das Highlight! Es war eine epische Schlacht der Kleinen, hinter der stets die brasilianische 1:7-Schlappe bei der WM der Großen lauerte. Fünf WM-Titel hat die Seleçao gesammelt, aber olympisches Gold hatte noch keiner geholt – kein Pelé, kein Romario, kein Ronaldo oder Rivaldo. Neymar gelang es auf so beeindruckende Art und Weise, dass die 80.000 Zuschauer im Stadion und die vielen Millionen an den TV-Bildschirmen ihre Alltagsprobleme zumindest für 120 Minuten vergessen konnten. Wer die jubeltrunkenen Menschen sah, der musste für einen Moment an das Gute im Sport glauben.

Heute blinken Rios Schwierigkeiten dafür umso schneller wieder auf dem Radar. Bürgermeister Eduardo Paes hat den vierten außerplanmäßigen Feiertag während der Spiele ausgerufen, um die Straßen für den Abreiseverkehrhalbwegs frei zu bekommen. Außerdem droht bei den Paralympics aufgrund von Budgetkürzungen eine mittelschwere Blamage. Die Hrubesch-Jungs flogen schon am Sonntag zurück, der Großteil der Medaillengewinner landet heute in Frankfurt und darf sich feiern lassen. Die Goldstatistik aus London wurde übertroffen, die Medaillengesamtzahl fast noch erreicht. Im Medaillenspiegel liegen vor dem DOSB nur Großmächte und Großbritannien, das noch von den 2012er-Investitionen profitiert. Aber: Unter der matt glänzenden Edelmetallschicht sind viele Probleme zu erkennen. Viele Verbände fordern, wie immer nach Olympia, mehr finanzielle Förderung von Politik und Wirtschaft. Die wiederum werden es vermutlich machen wie die Gastgeber: Probleme aussitzen, irgendwann ist alles überstanden.

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