Erfurterin lässt die Sau raus

Gold-Sprinterin Vogel: Verlorener Sattel bekommt Ehrenplatz

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Stolz und glücklich: Kristina Vogel genießt ihre Goldfahrt in Rio de Janeiro.

Rio de Janeiro - In der alles entscheidenden Sekunde verlor Sprinterin Kristina Vogel auf der Olympia-Bahn ihren Sattel. Der hat sich damit einen besonderen Platz erarbeitet.

Gelöst, gewohnt locker und mit sich im Reinen - so präsentierte sich Olympiasiegerin Kristina Vogel auf ihrer Siegesfeier. "Mir fehlt im Moment nichts in meinem Leben, ich bin absolut glücklich", so die schnellste Bahnradsprinterin der Welt. Verhindert hätte dieses Gefühl fast ihr Sattel, denn der flog beim zweiten Finaldurchgang beim Tigersprung ins Ziel einfach ab. "Ich musste schauen, dass ich nicht auf die Fresse falle. Ich habe einfach meinen sch… Sattel verloren. Ich dachte: Okay, das war's. Ich muss jetzt noch eine Stunde seriös sein, dann wird die Sau rausgelassen", sagte die 25-Jährige direkt nach dem Rennen.

Der Sattel.

Gesagt, getan, gönnte sich Vogel im Deutschen Haus ein Bierchen und gestand auf tz-Nachfrage: "Eigentlich kann das in der Form nicht passieren, wir müssen in Ruhe analysieren, wie das sein konnte. Ich kenne auch niemanden, dem das schon einmal passiert ist. Den Sattel stelle ich neben meine Medaillen." Wäre der Sattel 100 Meter früher abgebrochen, Vogel hätte keine Chance gehabt. "Ich weiß gar nicht, ob sie dann auf Wiederholung wegen eines Materialfehlers entschieden hätte, aber so hat es ja gereicht", sagte die Erfurterin, die ihre britische Kollegin Rebecca James mit dem Vorsprung von vier Tausendstelsekunden distanzierte und mit 2:0 besiegte. Damit unterbrach Vogel das Gold-Spektakel der Briten, die auf der Rio-Bahn sechs Goldmedaillen holten, kurzzeitig.

An ihrer Verwunderung über den englischen Leistungssprung hielt sie fest, Doping wolle sie aber niemand unterstellen, vielmehr erklärte sie die Unterschiede im System: "Es ist erstaunlich, wie sich die Briten auf den Vierjahreszyklus fokussieren, Olympia zählt bei ihnen alles. Wir müssen Jahr für Jahr Leistung und Medaillen bringen, um Förderung und Gelder einzufahren, da funktioniert das so nicht." Für ihre 20.000-Euro-Goldprämie findet Vogel sicherlich Verwendung bei ihrem nächsten Projekt. Zusammen mit Freund Michael Seidenbecher, der in Rio mit ihr feierte, baut sie gerade ein Haus. "Das muss jetzt mal fertig werden", stellte Vogel klar, bevor sie in den Sau-Raus-Lass-Modus umschaltete.

In unserem Olympia-Ticker informieren wir Sie über alle Ereignisse in Rio de Janeiro.

Mathias Müller


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