Interview nach erneutem Coup bei Olympia

Freundin von Gold-Reiter: "Stall ausmisten muss er nicht mehr"

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Eine Klasse für sich: Michael Jung ist bei Olympia 2016 die Nummer eins der Vielseitigkeitsreiter.

Rio de Janeiro - Ihr Freund Michael Jung hat Deutschland die erste Goldmedaille bei Olympia 2016 beschert. Im Interview erklärt Faye Füllgraebe, was nun für den Gold-Reiter ansteht.

Der Mann ist einfach ein Medaillengarant: Michael Jung (34) holte mit seinem Pferd Sam, nach London 2012, auch in Rio den Sieg im Vielseitigkeitsreiten. Wie seine Freundin Faye Füllgraebe (26), selbst Springreiterin, die entscheidenden Momente erlebt hat, erzählt sie im tz-Interview.

Frau Füllgraebe, die Nation hat mit Ihrem Freund gebangt. Wie sicher waren Sie sich?

Füllgraebe: Hundertprozentig sicher ist man sich nie, weil im Springen so schnell ein Fehler passieren kann. Das macht unseren Sport auch so interessant, es kommt auf die letzte Disziplin an. Ich darf mir das nicht anmerken lassen, aber meine Nerven liegen da immer ziemlich blank und ich zittere bis zum Schluss.

Gibt es Blickkontakt zwischen Ihnen beiden?

Füllgraebe: Auf jeden Fall, hier in Rio ganz besonders. Denn ich war nicht nur "Freundin", sondern habe das Pferd die komplette Zeit gepflegt und war deshalb den ganzen Tag bei Michi. Ich habe also auch einen kleinen Anteil (lacht).

Das Pferd hat seine Leistung jedenfalls gebracht.

Faye Füllgraebe.

Füllgraebe: Bei Sam kann man sich darauf verlassen, dass er einen nicht im Stich lässt. Ein Fehler kann immer passieren, aber im Gelände und beim Springen ist er äußerst zuverlässig. Es ist toll, wenn man so einen Sportpartner an seiner Seite hat.

Ist es für Michael ein Vorteil eine Fachfrau an seiner Seite zu haben?

Füllgraebe: Es ist bestimmt kein Nachteil. Ich betreibe den Sport selbst, wenn auch nicht auf einem so hohen Niveau wie Michi. ­Außerdem bin ich Pferdephysiotherapeutin, insofern ergänzt sich das, glaube ich, ganz gut.

Aber Sie können ihn kritisieren, weil Sie es erkennen, wenn er einen Fehler macht.

Füllgraebe: Dass Michi Fehler macht, kommt eigentlich nie vor, aber wenn er sich unsicher ist, fragt selbst so ein erfahrener Reiter wie er mich nach meiner Meinung. Den Olympiasieg hat er aber alleine durchgezogen, da musste ich keinen Tipp geben. Da hat ihm mehr das ganze Team im Hintergrund geholfen.

Lange können Sie die Medaillen nicht genießen, Sie fliegen schon bald heim.

Füllgraebe: Das stimmt. Wir sind noch zwei Tage hier, ich noch einen Tag länger, weil ich warte, bis Sam transportiert wird. Der freut sich auf seine heimische Koppel, sein Heu und sein eigenes Wasser. Die Versorgung war hier etwas schwierig. Und zu Hause auf dem Hof gibt's viel zu tun, es geht gleich weiter mit dem nächsten Turnier. Bei anderen Sportarten ist der Saisonhöhepunkt erreicht, bei uns warten im Stall andere Pferde.

Auf den Olympiasieger wartet Stall ausmisten statt Feiern in Rio?

Füllgraebe: Das ist jetzt erstmal nicht sofort für ihn angesagt, aber hin und wieder muss er ran.

Interview: Mathias Müller

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