Heinrich bewertet die TV-Reporter

TV-Kritik: Gold, Gold, Gold! Sogar für KMH

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Überzeugt mit atemberaubenden Haltungsnoten: Katrin Müller-Hohenstein trägt im ZDF-Studio ihre eigenen Olympischen Spiele aus.

Rio de Janeiro - Für Deutschlands Journalisten hagelt es bei Olympia 2016 Goldmedaillen. Zumindest wenn TV-Kritiker Jörg Heinrich das Edelmetall verteilten dürfte.

So, genug geschumpfen! Auch wenn das Olympiakonzept der Öffis so revolutionär modern ist wie eine Ausgabe der ZDF-Hitparade mit Heck und "Hossa" aus dem Jahr 1972, gibt's doch genug Lustiges und Interessantes, von dem wir Ihnen unbedingt was verzählen müssen. Deshalb in dieser TV-Kritik nur Goldmedaillen für unsere Fernsehlieblinge - sogar für KMH und Tom Bartels.

Gold für Katrin Müller-Hohenstein: Die körperliche Beanspruchung der mittelguten Mittelfränkin im ZDF-Studio wird bisher viel zu wenig gewürdigt. Achten Sie drauf: Mal steht KMH vor ihrer Couch, mal dahinter. Mal sitzt sie rechts drauf, mal links, mal lässig auf der Lehne. Nur hinter der Couch oder darunter saß sie noch nie, aber das kommt noch. Elegant flattert die Nadia Comaneci vom Zweiten bei ihrer rhythmischen Wortgymnastik stundenlang durchs Studio. Nur Tina Turner hat noch schöner geturnt als Kati.

Gold für Tibor Meingast: Lieferte beim Pistolenschießen den bisher unterhaltsamsten Rio-Kommentar. Beste Szene: Eine glasnudeldünne Chinesin steht neben einer matterhornartigen Schweizerin - besser haben sich zwei Sportler in der olympischen Geschichte noch nie unterscheiden lassen. Trotzdem geht der ZDF-Reporter mehrfach auf Nummer sicher, damit die Zuschauer bloß nicht durcheinander kommen: "Die Schweizerin rechts, die Chinesin links." Herrlich! Insgesamt war das Schießen eine obskure Veranstaltung, weil die Scheiben nie ins Bild kamen - wie ein Fußballspiel, bei dem die Tore nicht zu sehen sind. Schieß-Tibor versicherte aber, dass die Disziplin früher nicht ganz so mitreißend und fernsehgerecht war wie jetzt. Wir lernen daraus: Früher war Pistolenschießen offenbar so betäubend langweilig, dass es vor schweren Operationen als Vollnarkose eingesetzt wurde.

Gold für Tom Bartels: Pfeif auf Objektivität - Schwimm-Thommy ließ beim Finale der Doping-Russin Julia Efimova seinen Gefühlen freien Lauf und feuerte Gegnerin Lilly King entschlossen an: "Bitte King!" Nach dem Sieg der Amerikanerin jubelte Bartels, als hätte Franzi auf ihre älteren Tage doch noch Gold geholt: "Ja, ja! Ein Sieg für den Sport gegen eine Athletin, die der Konkurrenz schamlos ins Gesicht lacht!" Fein, dass er in Sachen Doping nicht so rumeiert wie das unsägliche ZDF-Duo Kristin Otto/Christian Keller.

Gold für Kristin Otto: Aber nicht für ihre Moderationen, sondern für die beste Tarnung von Rio. Damit Erichs einstige Parade­sportlerin nicht ständig aufs Thema Doping angesprochen wird, hat sie sich aus dem Nachlass des VEB Glas und Optik Schmalkalden eine großformatige Schwimmbrille organisiert, mit der sie jetzt nicht mehr von Silvia Neid zu unterscheiden ist. Nun ist halb Rio verwirrt, ob es sich um Kristin Neid oder Silvia Otto handelt - und die Sachsen-Efimova hat ihre Ruhe. Genial!

Gold für Carsten Sostmeier: Einen Tag nach seinen Flegeleien gegen die arme Reit-"Blondine" Julia Krajewski war der ARD-Reitpoet schon wieder im Livestream-Einsatz, und feierte die deutschen Vielseitigkeits-Medaillen gewohnt wunderbar: "Gold-Michel Jung! Er tanzt an der Copacabana mit seinem Sam Samba!" Tipp: Wenn Reiten im Zweiten läuft - gehen Sie lieber ins Internet, denn dort dichtet der Pferdeflüsterer vom Ersten. Wenn Uli Hoeneß eine zweite Chance verdient hat, dann auch Carsten Sostmeier.

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