Nach der Pleite im Olympia-Finale

Brandt im tz-Interview: "Dafür geben andere ihr Leben!"

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Julian Brandt beim Olympischen Fußball-Finale im Maracana von Rio de Janeiro.

Rio de Janeiro - Julian Brandt (20) konnte sich nach der Niederlage im Fußball-Finale bei Olympia schnell über Silber freuen. Mit der tz sprach er über das Endspiel.

Intensive 120 Minuten lang hatte das DFB-Team dem Gastgeber die Stirn geboten, hatte den Rückstand (Neymar, 27.) durch Max Meyer (59.) ausgeglichen, es schnupperte sogar am Sieg, an der Goldsensation. Aber am Ende fehlten Zentimeter. Drei Lattenschüsse, der vergebene Elfmeter von Nils Petersen – Sportdeutschland litt mit der U21, und die U21 litt an der Niederlage im Maracana. Aber selbst Elfer-Unglücksrabe Petersen gab nach einiger Zeit Entwarnung: „Es wird von Minute zu Minute besser. Es schmerzt, aber zunehmend überwiegt der Stolz.“ Julian Brandt (20) war da schon – als einer der Ersten – aus der Kabine geschlendert, die Medaille um den Hals, die Sektflasche in der Hand und einen fröhlichen Ausdruck im Gesicht – bereit fürs tz-Interview:

Herr Brandt, ist die Niederlage schon verdaut?

Brandt: Einer muss vorangehen. Die Stimmung in der Kabine war noch nicht die beste, aber das ist verständlich, ein Spiel so im Elfmeterschießen zu verlieren ist bitter, wir waren nah dran an der Goldmedaille. Aber die Jungs werden realisieren, was wir in den vergangenen drei Wochen erreicht haben.

Welchen Stellenwert hat diese Medaille für Sie?

Brandt: Olympia ist eigentlich das größte Sportturnier, das es gibt. Bei uns Fußballern genießen EM und WM noch mehr Wertschätzung, aber wir sollten unseren Erfolg weit oben in der Liste ansiedeln. Es gibt nicht viele Fußballer, die von sich behaupten können, dass sie eine olympische Medaille haben.

Der Vorteil bei Olympia: Man ist im Finale nicht der komplette Verlierer.

Brandt: Absolut, wir haben Silber in der Hand! Wenn man ehrlich ist, viele andere Sportler im olympischen Dorf würden dafür ihr Leben geben. Ich finde, so sollten wir auch denken. Die Niederlage ist kein Weltuntergang, auch Nils werden wir wieder aufbauen.

Wie war das, gefühlt gegen ein ganzes Land antreten zu müssen?

Brandt: Es ist schon Wahnsinn, wenn du 80.000 und 18 Spieler gegen dich hast, die hoffen, dass du verschießt. Aber das gehört zum Geschäft dazu. Was Nils angeht: Ich habe letztes Jahr bei der U 20-WM einen Elfmeter verschossen und wir sind rausgeflogen, das verfliegt schnell. Ich kümmere mich persönlich um ihn und muntere ihn auf.

Horst Hrubesch hört auf, wie war die Zeit mit ihm?

Brand: Horst Hrubesch ist ein Typ, den du selten antreffen wirst. Er ist ein ehrlicher Mensch, der dir seine Meinung, positiv wie negativ, geradeaus ins Gesicht sagt. So etwas entwickelt einen Spieler ungemein weiter, weil du weißt, woran du bei ihm bist. Er hat großen Anteil an unserem Erfolg.

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