Kein Gedanke ans Aufhören

Gold-Girls feiern Triumph an Copacabana: "Sind so was von heiß!"

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Überschwängliche Freude: Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst feiern ihren Olympiasieg mit Deutschlandfahne.

Rio de Janeiro - Laura Ludwig und Kira Walkenhorst schreiben bei Olympia 2016 Geschichte. Bei den Gold-Girls fahren die Gefühle Achterbahn. Sie denken auch an ihr Team.

Am Donnerstag um 0.42 Uhr Ortszeit war es vollbracht: Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gewinnen Olympiagold! Das Finale vor 12.000 Zuschauern an der Copacabana gegen die Brasilianerinnen Agatha und Barbara war eine Demonstration ihrer Überlegenheit, als ihnen um 1.04 Uhr die Goldmedaillen umgehängt wurden, waren sie schon in Partystimmung, die große Sause konnte dann schließlich gegen 2.30 Uhr starten, davor mussten sie noch die offiziellen Termine absolvieren - aber wahrscheinlich feiern Laura und Kira dafür jetzt immer noch…

"Ey, Olympiasieger! Das ist unwirklich, unglaublich - einfach unbeschreiblich", sagte Ludwig und dachte in den frühen Morgenstunden mit leuchtenden Augen zurück an die Siegerehrung: "Ich hatte Gänsehaut." Dann enterte sie eine Hotel-Dachterrasse, sprang in voller Montur mit dem Betreuerteam in den Pool - und machte der Konkurrenz ein bisschen Angst.

"Ich bin so was von heiß, weil wir gerade in diesem Jahr gezeigt haben, dass wir so fit sind wie noch nie", erklärte Ludwig (30). "Es wäre dumm zu sagen, ich höre jetzt auf. Ich will es einfach noch mal machen." Und ihre Partnerin Walkenhorst verkündete mit einer HSV-Fahne und einem Caipirinha in der Hand zu weiteren Olympia-Anläufen: "Einer geht auf jeden Fall noch."

Ludwig: "Emotionen gingen erst mal hoch"

Ludwig (l.) und Walkenhorst bei der Siegerehrung.

Die beiden sind zusammengewachsen, das wurde Ludwig auf dem Stockerl noch mal so richtig klar, sagte sie: "Man hat da oben gestanden und wusste: Man singt jetzt seine Hymne und es geht um dich, um uns, um das Team. Das war unbeschreiblich. Die Emotionen gingen da erst mal hoch."

Noch nie hatte ein europäisches Damenteam eine Medaille bei Olympia gewonnen, gegen das Heimteam standen sie zudem extrem unter Druck - "aber je größer der Druck war, umso besser haben wir gespielt", sagte die 25-jährige Walkenhorst danach. Selbst die vielen Buhrufe brachten sie nicht aus der Ruhe. "Wir hatten das besprochen und sind mit unserer Psychologin durchgegangen, wie man das ausblenden kann", sagte Ludwig und ergänzte: "Ohne unser Team im Rücken hätten wir es nicht geschafft, sie waren das A und O und haben uns immer wieder den Weg und die Vision gezeigt."

Durch Verletzungen dichter zusammengerückt

Durch Walkenhorsts Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber im Juli 2014 und ihre Knieverletzung kurz vor der Olympia-Qualifikation war dieser Weg, der vor vier Jahren begann, gefährdet. "Das Drüsenfieber war hart und die Knieverletzung vor der Quali hat reingehauen, aber wir sind dadurch noch dichter zusammengerückt", erklärt Ludwig, die 2004 selbst einen gesundheitlichen Schockmoment erlebte - sie hatte auf dem Feld einen kleinen Schlaganfall.

Heute ist davon nichts mehr zu spüren, sie fühle sich so fit wie nie. "Deswegen wäre es auch dumm aufzuhören, ich liebe die Tour und ­ Beachvolleyball, das ist mein Leben." Angesprochen auf ihr Flughafen-Treffen mit der tz bei der Anreise bemerkte die 30-Jährige: "Wir hatten damals schon das Ziel, eine Medaille zu holen. Aber wir mussten unsere Leistung auf den Court bringen, die Kopfarbeit war hier das schwierigste." Sie haben sie mit Bravour gelöst - diese Kopfarbeit.

Das Fünfer-Team der Gold-Girls

Gold für Ludwig/Walkenhorst! Und Gold für ihre Betreuer. Die tz stellt das Team hinter dem Team vor.

Helke Claasen: Die Ex-Spielerin ist Co-Trainerin und hatte schon beim Einschlagen "ein gutes Grundgefühl". Sie wohnte in der ersten Rio-WG mit Walkenhorst, Anett Szigeti und dem Duo Borger/Büthe.

R on Gödde: Der Video-Spion. "Eigentlich waren wir auf das US-Duo eingestellt, nach dem Halbfinale habe ich dann rund acht Stunden lang bis sechs Uhr morgens Videos analysiert und eine Strategie entworfen." Die hat hingehauen - und wie!

Jochen Dirksmeyer: Trainer Wagner bezeichnet ihn als seinen "Physiogott". Schon 2012 bei Brink/Reckermann dabei. In Rio kümmerte er sich insbesondere um Walkenhorsts Schulter. "Ob wir in der Gruppe zwei oder drei Rädchen sind, ist egal, jeder hat seinen Teil beigetragen", sagt er, und greift zum ersten Caipirinha seit der WM 2003 in Brasilien.

Jürgen Wagner: Nach Brink/Reckermann 2012 führte der Coach die Damen zu Gold. In Rio bildete er das zweite Appartement mit Laura Ludwig und Jochen Dirksmeyer.

Anett Szigeti: Die Frau fürs Mentale. "Für mich war das Viertelfinale gegen Kanada der Knackpunkt", sagt sie der tz. "Danach waren Kira und Laura im Kopf ihrer Gegnerinnen."

In unserem Olympia-Ticker halten wir Sie über alle Ereignisse aus Rio de Janeiro auf dem Laufenden.

Mathias Müller

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