tz-Interview

Kaymers Caddie: "Man verbringt mehr Zeit miteinander als mit dem Partner"

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Der Mann hinter Martin Kaymer: Craig Francois Connelly ist als Caddie des deutschen Golfstars unterwegs.

Rio de Janeiro - Auf ihn kann sich Martin Kaymer verlassen: Caddie Craig Francois Connelly hält dem deutschen Golfstar den Rücken frei. Im Interview spricht er über die Zusammenarbeit.

Früher nannte man sie "Beasts of Burden", heute "Bag Men" - die Rede ist von den Golf-Caddies. Craig Francois Connelly ist der Mann hinter Martin Kaymer. Von 2010 bis April 2011 arbeiteten die beiden erstmals zusammen. Nach einer Trennung kehrte der Schotte 2012 an Kaymers Seite zurück. Wenn jemand über die deutsche Nr. 1 Bescheid weiß, dann Connelly. Die tz traf ihn in Rio.

Herr Connelly, wie viele Interviewanfragen haben Sie bisher bekommen?

Connelly (lacht): Sie sind der erste und einzige, aber das Turnier beginnt ja erst.

Wie gut sprechen Sie Deutsch?

Connelly: Kein Wort, nichts, nicht mal von der deutschen Nationalhymne, aber ich kann sie summen. Vielleicht lerne ich ein paar Worte, wenn Martin in Medaillennähe kommen sollte.

Wie gefällt ihnen das deutsche Outfit?

Connelly: Es ist fantastisch ein Teil der deutschen Mannschaft zu sein, aber in erster Linie repräsentiere ich Martin. Da ist es egal, ob ich deutsche, schottische oder irische Klamotten trage. Außerdem ich bin ja nicht der einzige britische Caddie, der mit einem Nicht-Briten arbeitet.

Gibt es eine typische deutsche Eigenschaft, die Sie von Martin übernommen haben?

Connelly: Selbstdisziplin.

Stimmt, darin sind wir gut.

Connelly: Ja, das seid ihr wirklich. Selbstdisziplin und effizientes Arbeiten, das ist wohl das wichtigste, das ich mir abgeschaut habe.

Wie ist es, der Kaymer-Caddie zu sein?

Connelly im Gespräch mit tz-Redakteur Mathias Müller.

Connelly: Ich bin glücklich, mit ihm zu arbeiten. Martin ist sehr umgänglich, er übernimmt die Verantwortung für seine Entscheidungen und sein Handeln und er versucht nicht, mir die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zudem respektieren wir uns, das ist enorm wichtig.

Ist ihre Partnerschaft ein bisschen wie eine Ehe?

Connelly: Ich war noch nie verheiratet, aber ich hatte zwei Langzeitpartnerinnen. Als Spieler-Caddie-Team verbringt man mehr Zeit miteinander als mit einem Partner, am Tag sind es zwischen sieben und zehn Stunden, da kommt man sich nahe.

Nur um das klarzustellen: Sie haben getrennte Zimmer.

Connelly: Ja, und definitiv getrennte Betten. Einer der wichtigsten Aufgaben eines Caddies ist, sich an den Charakter seines Spielers anzupassen. Man muss ihn unterstützen und im richtigen Moment die richtigen Worte finden, die Psychologie spielt eine große Rolle. Wenn das nicht gelingt, kann es schnell zur Scheidung kommen.

In Deutschland gibt es den Spruch, dass in einer Beziehung einer die Hosen anhat.

Connelly: Den Spruch haben wir in Großbritannien auch. Bei uns ist das definitiv Martin, er ist der Boss (lacht).

Trifft er die Entscheidungen oder diskutieren Sie?

Connelly: Wir diskutieren vieles. Grundsätzlich hat er eine Vorstellung davon, wie und was er spielen will. Aber wenn er Zweifel hat, fragt er mich. Ich mache dann einen Vorschlag.

Hätten Sie die Chance Ihren "Chef" zu schlagen?

Connelly: Mein bestes Handicap war vier. Das war als 16-Jähriger, ich dachte damals, dass ich der Beste wäre und ein gottgegebenes Talent hätte. Dann habe ich ein paar Juniorenturniere in den USA gespielt und musste mir eingestehen, dass es nicht so war. Außerdem hätte ich nie das Durchhaltevermögen gehabt, so hart zu trainieren wie Martin. Er könnte mir 18 Schläge Vorsprung geben und würde mich besiegen.

Vor ein paar Wochen waren Sie mit einer Gruppe Caddies in einem gehoben Restaurant beim Abendessen. Sie haben beim Kreditkarten-Roulette verloren und mussten die Zeche zahlen. Wie viel war es und treffen sie sich auch in Rio?

Connelly: Es war halb so wild. Wir hatten Korkgeld gezahlt, ein paar Weinflaschen stammten also aus unserem Fundus. Wir werden sicher mal ausgehen, ich habe mich noch nicht erkundigt, ob es hier teuer ist. Wenn ja, teilen wir die Rechnung auf.

Interview: Mathias Müller

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