Welche Spielerin macht wann was?

Matchplan beim Volleyball: Wenn der Spion beim Gewinnen hilft

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Laura Ludwig und Kira Walkenhorst.

Rio de Janeiro - Die weiblichen Beachvolleyballerinnen haben in Rio Historisches geleistet: Noch nie stand ein Damenteam bei Olympia unter den letzten Vier. Zu verdanken haben sie das auch ihrem Spion.

Durch den Viertelfinal-Sieg über Kanada (21:14, 21:14) haben Laura Ludwig und Kira Walkenhorst bereits vor ihrem Halbfinale Dienstagnacht (2.00 Uhr MESZ) gegen die Top-Brasilianerinnen Larissa und Talita Historisches geleistet. Noch nie stand ein weibliches europäisches Beachvolleyball-Team bei Olympia unter den letzten vier. Zu verdanken haben sie das auch ihrem Spion.

Ergebnisse fließen in "Beachviewer" ein

Zweite Ebene, erste Reihe, das Spielfeld längs vor sich – dort, an seinem Stammplatz, sitzt Ron Gödde jeden Tag mit seiner Kamera und analysiert die Konkurrenz. In Rio hat er alle Damenspiele gesehen, bei den Herren fehlen ihm nur eins oder zwei. Ex-Hallenspieler Gödde macht das seit 2008 für den Deutschen Volleyball-Verband, vor Rio besuchte er rund 25 Turniere und bearbeitete etwa 3000 Videos. Seine Ergebnisse fließen in den „Beachviewer“ ein. Das ist eine Computer-Software, die Ex-Spieler Jörg Ahmann zusammen mit der TU München entworfen hat und die den Matchplan aus der Matrix entwirft.

„Wir wissen, wie und wo die Spielerinnen zu welchem Zeitpunkt im Spiel hinschlagen oder wo sie beispielsweise ihre Schwächen in der Annahme haben“, erklärt Gödde der tz. Das Beachvolleyball-Feld wird dafür in mehrere Teilfelder aufgeteilt, keine Bewegung bleibt unerkannt. „Das System gibt mir wichtige Details für den Matchplan. Wir sind den anderen Nationen damit ein Stück weit voraus“, sagt Trainer Jürgen Wagner, der mit dem Beachviewer 2012 schon Julius Brink und Jonas Reckermann auf den Olympia-Thron hob. Seitdem habe sich die Software aber enorm weiterentwickelt, betont der Goldschmied.

Strategien aus den Daten ziehen

Walkenhorst (25) und Ludwig (30) vertrauen den Plänen des Trainers (60): „Die Basistaktik wird vorgegeben, die müssen wir an die einzelnen Situationen anpassen. Wir müssen immer in Handlung bleiben“, sagt Ludwig. „Das wurde uns in den vier Jahren eingebläut. Das mussten wir lernen.“ Den Ursprung haben die Handlungen im Beachviewer und Göddes Aufnahmen. „Je mehr Daten wir haben, desto mehr können wir rausziehen und Strategien erkennen“, sagt der Spion. Einziges Manko für ihn: Zum Genuss kann der 35-Jährige kein Spiel mehr anschauen. „Ich sehe die Fehler oder schüttle den Kopf, weil ich mich wundere, warum sie plötzlich beim Matchball die Taktik wechselt. Aber der Kopf spielt eben eine wichtige Rolle“, sagt Gödde.

Nur wer psychisch stark ist, kann die Handlungen durchziehen. An Selbstvertrauen mangelt es den Deutschen, die mit Anett Szegeti eine persönliche Mentaltrainerin im Team haben, derzeit nicht. „Wir können noch eine Schippe drauflegen“, versprach Walkenhorst. Der Finaleinzug wäre die nächste historische Leistung.

Wann steht in Rio welcher Wettkampf an? Das können Sie in unserem Sendeplan nachlesen.

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