Comeback der Mega-Stars

Schwimmen bei Olympia 2016: Das müssen Sie wissen

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Paul Biedermann hofft bei Olympia 2016 in Rio auf seine erste olympische Medaille.

Rio - Schon seit den allerersten Olympischen Spielen 1896 wird bei Olympia geschwommen. Der Schwimmsport gehört also zu Olympia wie Michael Phelps ins Wasser - und genau dieser Phelps feiert dieses Jahr in Rio sein Comeback.

Schwimmen gehört zu den traditionellen Sportarten der Olympischen Spiele, die am Freitag, 5. August, in Rio de Janeiro eröffnet werden. Und dementsprechend lange ist Schwimmen auch schon olympisch. Seit den aller ersten Spielen 1896 in Athen gehört es zum Programm - allerdings damals mit nur vier Entscheidungen.

Aus den vier Entscheidung sind seit 1896 mittlerweile 34 geworden, bei denen Schwimmer aus aller Welt um olympisches Edelmetall kämpfen. Während Europa- und Weltmeisterschaften jeweils auf der Kurzbahn (25 Meter) und der Langbahn (50 Meter) abgehalten werden, spielen sich die Schwimmwettkämpfe der Olympischen Spiele lediglich im 50-Meter-Becken ab. Eine "Ausnahme" gibt es allerdings: das Freiwasserschwimmen.

2008 gab das Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer sein Olympia-Debüt. Diese Entscheidung wird, wie der Name des Wettkampfes schon verrät, nicht in der Schwimmhalle abgehalten, sondern im Freiwasser. In Rio werden die zwei Freiwassertitel über zehn Kilometer, jeweils für Frauen und Männer, in einer unverwechselbaren Kulisse stattfinden: Die Freiwasserschwimmer schwimmen nämlich an keinem geringeren Ort als dem weltberühmten Copacabana-Strand. Fernab vom Salzwasser werden die restlichen 32 Entscheidungen im Olympic Aquatics Stadium abgehalten.

Olympia 2016: Diese Schwimmer gehen für Deutschland an den Start

Bei der Deutschen Meisterschaft im Mai in Berlin hatten die Deutschen Schwimmer die Chance, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wer es beim ersten Anlauf noch nicht geschafft hatte, bekam bei der Mare Nostrum Tour im Juni oder den German Open im Juli im zweiten Teil der Olympia-Qualifikation einen weiteren Versuch.

Die Regelungen, wer bei Olympia als Schimmer für Deutschland antreten darf, werden einerseits vom Deutschen-Schwimmverband und andererseits von den Qualifikationskriterien des Weltschwimmverbandes FINA festgelegt. Jede Nation kann maximal 26 Frauen und 26 Männer mit nach Rio nehmen. Der Schwimmer muss dafür eine bestimmte Normzeit nachweisen können, das heißt, diese Zeit schon einmal in einem Wettkampf geschwommen sein. Dazu werden von der FINA A- und B-Normzeiten veröffentlicht, die es von den Schwimmern zu unterbieten gilt. Aber auch der Deutsche-Schwimmverband hat ein Mitspracherecht, welche Schwimmer er mit nach Rio nehmen möchte. Jeder nationale Verband darf zu den FINA-Normen noch eigene Normen festlegen. Ein Land kann bis zu zwei Athleten pro Wettkampfstrecke an den Start bringen. Beide Athleten müssen dazu die A-Normzeiten und die Norm des nationalen Verbands unterboten haben. Entscheidet das Land sich dazu, nur einen Schwimmer über eine Strecke starten zu lassen, muss dieser "nur" die B-Normzeit unterbieten.

Letztendlich haben es 16 deutsche Beckenschwimmer und zwei deutsche Freiwasserschwimmer in die Nationalmannschaft geschafft und dürfen in Rio bei den Olympischen Spielen an den Start gehen. Neben den bekannten Namen und Medaillenkandidaten Marco Koch (200m Brust), Paul Biedermann (200m Freistil) und Franziska Hentke (200m Schmetterling, 400m Lagen) gehen folgende Athleten an den Start:

Frauen

Strecke

Schwimmer

50m Freistil

Dorothea Brandt

100m Freistil

200m Freistil

Annika Bruhn

400m Freistil

Sarah Köhler

800m Freistil

Sarah Köhler

Leonie Beck

100m Brust

200m Brust

100m Rücken

Jenny Mensing

200m Rücken

Lisa Graf

100m Schmetterling

Alexandra Wenk

200m Schmetterling

Franziska Hentke

200m Lagen

Alexandra Wenk

400m Lagen

Franziska Hentke

4x100m Lagen Staffel

Vanessa Grimberg

Alexandra Wenk

Jenny Mensing

Annika Bruhn

4x100m Freistil Staffel

4x200m Freistil Staffel

Annika Bruhn

Sarah Köhler

Leonie Kullmann

Paulina Schmiedel

Männer

Strecke

Schwimmer

50m Freistil

Damian Wierling

100m Freistil

Damian Wierling

Björn Hornikel

200m Freistil

Paul Biedermann

Christoph Fildebrandt

400m Freistil

Florian Vogel

Clemens Rapp

1500m Freistil

Florian Wellbrock

100m Brust

Christian vom Lehn

200m Brust

Marco Koch

100m Rücken

Jan-Philip Glania

200m Rücken

Jan-Philip Glania

Christian Diener

100m Schmetterling

Steffen Deibler

200m Schmetterling

200m Lagen

Philip Heintz

400m Lagen

Jacob Heidtmann

Johannes Hintze

4x100m Lagen Staffel

Steffen Deibler

Jan-Philip Glania

Christian vom Lehn

Damian Wierling

4x100m Freistil Staffel

Philipp Wolf

Damian Wierling

Steffen Deibler

Björn Hornikel

4x200m Freistil Staffel

Paul Biedermann

Christoph Fildebrandt

Clemens Rapp

Florian Vogel

Und auch zwei Deutsche wagen sich ins Freiwasser, um zehn Kilometer hinter sich zu lasen. Schon seit dem vergangenen Jahr hat Team-Weltmeisterin Isabelle Härle als WM-Siebte im Freiwasser ihr Rio-Ticket. Christian Reichert sicherte sich beim Weltcup in Portugal den letzten Olympiaplatz.

Schwimmen bei Olympia 2016: Wie stehen die deutschen Medaillenchancen?

Die besten Aussichten auf eine Medaille aus deutscher Sicht hat Weltmeister Marco Koch. Der 26-jährige Schwimmer aus Darmstadt ist über seine Pa­ra­de­dis­zi­p­lin 200m Brust sogar Goldfavorit. Zu seinen größten Erfolgen zählen wohl seine Europa- und Weltmeistertitel über 200m Brust von 2014 und 2015. Nachdem er bei den Olympischen Spielen 2012 in London im Halbfinale ausschied, ist Rio jetzt seine Chance auf ein olympisches Finale und eine Medaille. Weitere Medaillenkandidaten sind Weltrekordler Paul Biedermann über 200m Freistil und Europameisterin Franziska Hentke über 200m Schmetterling.

Paul Biedermann feierte schon so einige Erfolge. Der 29 Jahre alte Freistil-Schwimmer aus Halle hält bis zum heutigen Tage den Weltrekord über 200m Freistil, den er 2009 in Rom bei den Weltmeisterschaften mit 1,42,00 Minuten aufstellte. Und nicht nur das: Mit seinem neuen Weltrekord löste er keinen geringeren als Michael Phelps als schnellsten Mann der Welt über die 200m Freistil ab. Der Weltrekordhalter blieb bei den Olympischen Spielen 2012 in London wie auch schon bei den Spielen in Peking vier Jahre zuvor aber ohne Medaille. Biedermann hat für die Olympischen Spiele 2016 also ein klares Ziel vor Augen: Olympisches Edelmetall.

Top-Schwimmer bei Olympia 2016: Michael Phelps ist zurück!

Ja, ihn gibt es immer noch. Bei den Männern wird die Rückkehr des Schwimm-Stars Michael Phelps im Mittelpunkt stehen. Der Rekord-Olympiasieger will vier Jahre nach seinem Rücktritt zu seinen 18 olympischen Goldmedaillen (von insgesamt 22), die er bereits bei sich zu Hause hängen hat, noch die ein oder andere hinzufügen. Sein wohl größter und auch längster Konkurrent kommt aus dem eigenen Land. Ryan Lochte (11 Olympische Medaillen, davon 5 Mal Gold) gehört ebenfalls zum US-Team. Phelps und Lochte sind nicht nur gleich alt (sie sind beide 31) und gingen beide das erste Mal 2004 in Athen bei Olympischen Spielen an den Start, sie schwimmen auch regelmäßig Kopf an Kopf um die größten Titel. So auch wieder bei Olympia in Rio. Nervenkitzel ist bei den Finals, in denen die beiden Ausnahmetalente um den Sieg schwimmen, also vorprogrammiert.

Ebenfalls aus den USA kommt eine 19-jährige Schwimmerin, die bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio mächtig abräumen könnte. US-Star Katie Ledecky setzt ihr erstes Zeichen bei der Weltmeisterschaft 2015 mit drei Weltrekorden und einer Erfolgsserie, die vor ihr noch niemand vorweisen konnte. Sie ist die erste, die alle vier Freistil-Einzeltitel (100m, 200m, 400m, 800m) gewann. Mal sehen, ob sie diese Erfolgsserien bei den Olympischen Spielen wiederholen kann.

Wenn man an Schwimmen denkt, hat man die Chinesen nicht immer gleich auf dem Schirm. Doch China geht mit einem Superstar an den Star, der besonders Paul Biedermann auf seiner Jagd nach einer Medaille sehr gefährlich werden könnte. Die Paradedisziplin des 21-jährigen Sun Yang sind nämlich, genau wie bei Biedermann, die 200m Freistil. In London holte er 2012 Silber über diese Strecke und liebäugelt dieses Jahr mit dem ersten Platz.

Aber auch Europa hat seine Top-Schwimmer, die dieses Jahr auf Medaillen-Jagd gehen. Katinka Hosszu aus Ungarn hält bislang die Jahresbestzeiten auf 200m und 400m Lagen. Sie selbst nennt sich "Iron Lady" und will bei den Olympischen Spielen mit ihrer Härte überzeugen. Der zweifachen Weltmeisterin von 2015 fehlen noch olympische Medaillen, die sie dieses Jahr ergattern möchte.

Großbritannien geht mit vielen jungen Talenten an den Start und eins von ihnen gilt als ganz heißer Medaillen-Kandidat über die Bruststrecken. 2015 holte er bei der Schwimmweltmeisterschaften satte 3 Mal Gold. Außerdem ist er ebenfalls seit 2015 Weltrekordhalter über 50m Brust und 100m Brust. Leider sind 50m Brust nicht olympisch - aber 100m schon und genau über diese Disziplin will er mit einer Medaille nach Hause gehen.

Nach Null-Medaillen-Debakel 2012: Wird Rio besser?

Unter Bundestrainer Henning Lambertz haben sich die deutschen Beckenschwimmer nach dem historischen Null-Medaillen-Debakel 2012 in London langsam wieder nach oben gearbeitet. Bei der WM 2015 in Kasan (Russland) holten Koch und Co. drei Medaillen, erreichten neun Einzelfinals und verbesserten zu 52 Prozent ihre Zeiten gegenüber der Deutschen Meisterschaft. "Wir rutschen näher ran", meinte Lambertz.

Die Offizielle Zielvorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist es, 2 bis 5 Medaillen einzuheimsen und 10 bis 12 Schwimmer unter den besten 8 Schwimmern der Welt zu haben, also ein Finale bei Olympia zu erreichen.

Schwimmen Olympia 2016: Zu diesen Zeiten sehen Sie die Wettkämpfe im TV

Die Schwimmwettkämpfe starten am 6. August mit den Vorläufen und ersten Finals und enden am 13. August. Allerdings ist der Zeitplan der Olympischen spiele in Rio nicht nur für die Athleten eine Herausforderung. Auch für die schwimmbegeisterten Zuschauer aus Deutschland sind die Übertragungszeiten eher etwas für Nachtaktive. Die Finalläufe in Brasilien gehen um 22 Uhr Ortszeit los, später als bei jedem anderen Event. Für die Athleten heißt es also, so spät am Abend nochmal alle Kräfte mobilisieren und in den Finals abliefern. Für die Übertragung im deutschen Fernsehen bedeuten das, dass die Endläufe täglich erst um 3 Uhr in der Nacht beginnen. Die Vorläufe allerdings können Sie dann von voraussichtlich 18 bis 20:30 Uhr mitverfolgen (13-15:30 Uhr Ortszeit).

Im Anschluss an das Beckenschwimmen finden dann am 15. und 16. August die beiden Freiwasserwettkämpfe statt und beenden die Olypmischen Spiele 2016 in Rio für die deutschen Schwimmer.

Wer könnte für Deutschland die Fahne tragen? Das lesen Sie hier.

Olympia 2016: Alle Infos zu den Wettkämpfen, Zeitplan, Sendeplan und Themenseite

Hier finden Sie alle Informationen zu den Wettkämpfen in Rio de Janeiro 2016 im Überblick und erfahren in unserem Sendeplan, wann welche Disziplin live im TV und im Stream zu sehen ist. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche neuen Disziplinen es bei den Olympischen Spielen gibt und warum die Fußball-Mannschaft statt des DFB-Logos den Bundesadler auf den Trikots trägt. Wie Sie noch an Tickets für Olympia 2016 kommen können, erfahren Sie hier. Damit Sie immer besten informiert sind: Alle Infos und News rund um die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro bekommen Sie auf unserer Themenseite zu Olympia 2016.

mpa

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