"Fotoapparate ablegen"

Sigurdsson und Hanning schwören Handballer auf Medaillen-Mission ein

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Dagur Sigurdsson.

Rio de Janeiro - Dagur Sigurdsson und Bob Hanning haben den deutschen Handball in Rekordzeit auf Vordermann gebracht. In Rio geht das DHB-Team seit langer Zeit wieder als aussichtsreicher Medaillenkandidat an den Start.

Dagur Sigurdsson blickte wild entschlossen. "Die Jungs sind heiß auf den Start. Nun geht es endlich mal los", sagte der Bundestrainer der deutschen Handballer und erntete von Bob Hanning ein zustimmendes Kopfnicken.

"Wir müssen jetzt zeigen, dass wir in der Lage sind, die Fotoapparate abzulegen", sagte der DHB-Sportchef über den Turnierauftakt gegen Rekord-Europameister Schweden am Sonntag (11.30 OZ/16.30 Uhr MESZ/ZDF). Viertelfinale heißt das bescheidene Minimalziel des Europameisters - doch in den Augen der Konkurrenz gehört das deutsche Team zu den Medaillen-Favoriten.

"Es ist uns völlig egal, was andere denken", sagte Hanning und erinnerte daran, dass noch kein Spieler Olympia-Erfahrung besitzt. Für Sigurdsson kein Problem. "Ich habe die Jungs darauf vorbereitet, was da kommt, aber kein riesiges Drama draus gemacht", sagte der 43-Jährige: "Es geht jetzt gegen Schweden, die Rahmenbedingungen sind wie bei einer EM."

Vom Außenseiter zum Mitfavorit

Fast. Innerhalb von nur sieben Monaten haben sich die Vorzeichen für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) komplett verändert. Ging die Mannschaft bei der EM zu Jahresbeginn in Polen noch als krasser Außenseiter an den Start, ist die Erwartungshaltung an Keeper Andreas Wolff und Co. nun riesig. "Wir würden uns sehr über eine Handball-Medaille freuen", sagte Chef de Mission Michael Vesper: "Hoffen darf und muss man."

Diese neuen Hoffnungen sind vor allem dem ungleichen Duo an der Spitze zu verdanken - Hanning, dem wortgewandten Antreiber und nimmermüden "Hans Dampf in allen Gassen", und Sigurdsson, dem akribischen Tüftler und unaufgeregten Mastermind an der Seitenlinie. Als Hanning vor drei Jahren das Ruder im Verband übernahm, lag die Nationalmannschaft förmlich am Boden. Nach den verpassten Sommerspielen 2012, der EM 2014 ohne deutsche Beteiligung sowie der verspielten WM-Teilnahme 2015 zog er im Sommer 2014 die Notbremse und hievte Sigurdsson ins Amt. Der Mann, mit dem Hanning zuvor die Füchse Berlin in Europas Spitze geführt hatte, ist ein Glücksgriff.

Nach Platz sieben bei der WM in Katar machte Sigurdsson im Januar sein Meisterstück: Mit stoischer Ruhe und Liebe zum Detail formte der Isländer aus einer ersatzgeschwächten No-Name-Truppe die gefürchteten "Bad Boys" - und schrieb mit dem sensationellen EM-Titel deutsche Sportgeschichte.

"Jetzt zählt nur noch Schweden"

Satt ist Sigurdsson noch lange nicht. Ob er sich seit dem Coup von Polen verändert hat? "Ein klares Nein", sagte Hanning: "Er ist genauso fokussiert und konzentriert wie vorher. Er ist mit der gleichen Akribie dabei und brennt wie wir alle auf die Spiele."

Dieses Feuer überträgt sich auf seine Spieler, die die wechselhaften Testspiel-Auftritte schon beim Turnierstart vergessen machen wollen. "Das ist jetzt abgehakt", sagte Abwehrchef Finn Lemke: "Jetzt zählt nur noch Schweden, Schweden, Schweden!"

Nach dem Auftakt gegen die Skandinavier geht es in der Vorrunde noch gegen Polen (9. August), Gastgeber Brasilien (11. August), Slowenien (13. August) und Ägypten (15. August) - der Platz in der Runde der letzten Acht dürfte damit sicher sein. Und dann, das sagte nicht nur Hanning, "ist alles möglich".

SID

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