Olympia 2016

TV-Kritik: Sostmeier & das Pommel Horse

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Max Whitlock auf seinem Pommel Horse.

Rio de Janeiro - Olympia 2016 neigt sich dem Ende zu. Zum vorletzten Mal schreibt Jörg Heinrich in seiner TV-Kritik über die Spiele in Rio - und das Leben nach Delling und Co.

Olympia neigt sich dem Ende zu, und viele Menschen fragen sich: Wie soll ich künftig leben, wenn mir nicht mehr Gerhard Delling den Fahrplan durch den Tag liefert? Wir wissen, dass das schwer wird – und wollen den Schmerz zumindest ein bisserl lindern, mit den vorletzten Notizen zu unseren TV-Granaten.

Leben ohne Delling: Zwei Wochen lang haben uns Delle, Cerne & Co. die Hand gehalten und uns durch den Tag geführt, wenn wir vor lauter Desorientierung nicht mehr wussten, ob wir jetzt ins Bett gehen müssen, oder ins Büro. „Wir liefern Ihnen den Fahrplan für den Tag“, versicherte Delling, „wir strukturieren den Tag für Sie“, fügte Bommes hinzu. Das war schön. Nun müssen wir bald wieder ganz allein entscheiden, ob wir „einen Wischer rüber in die Küche machen“, wie Delling sagen würde. Unter Umständen wären wir ab Montag sogar für Alex Bommes dankbar, der für eines der großen Probleme von Rio sorgte: Laura und Kira haben während der gesamten Spiele nur einen Satz abgegeben, Bommes aber leider viel mehr.

Olympia ohne Packing: Beim Handball-Halbfinale fiel gestern nochmal was Komisches auf. Bei der EM haben uns die Öffis mit Analysen bis aufs Blut drangsaliert, wir erinnern an Scholls Lieblingshobby „Packing“. Bei Olympia fehlt Analyse dagegen komplett. Wie gut hat Kira Walkenhorst geblockt? Warum läuft Usain Bolt nicht mehr so schnell? Ist doch wurscht, rufen uns die Öffis zu. Was bei der großen Sportseifenoper zählt, erklärt Rudi Cerne: „Emotionen!“ Aber bei ARD und ZDF zählen nicht nur Emotionen, sondern auch Gefühle, Empfindungen, Seelenregungen, Stimmungen, Gemütsbewegungen und Wallungen. Wenigstens Rudi liefert handfeste Infos und verkündete gestern: „Die Springreiter sind mit ihren Pferden unterwegs. Einer nach dem anderen logischerweise.“

Sostmeier ohne Hüa: Carsten Sostmeier, das beste Pferd im Stall der ARD, hat die Sportart gewechselt. Im vielleicht lustigsten Video von Rio kommentiert er die Turn-Kür von Olympiasieger Max Whitlock – natürlich am Pauschenpferd, das auf Englisch Pommel Horse heißt. Und das Ganze ist zum Wiehern. „Der Brite Max Whitlock mit seinem Pommel Horse. Ein herrlich anzusehender Fuchs mit seinen bunten Beinen“, schwärmt der Sostmeister, und bewundert die stoische Ruhe des allerdings etwas hölzern wirkenden Tieres. Der sprechende Vierbeiner vom Ersten bleibt unübertrefflich, müssense gucken: bit.ly/sostmeister.

Béla ohne Orientierung: Eines der letzten großen Highlights von Rio bot gestern Fußballliebling Béla Réthy als Co-Kommentator beim Bronze der Hockeyfrauen gegen Neuseeland. Wobei wir relativieren müssen: Eigentlich sollte Béla als Kommentator wirken, gestand sich aber irgendwann ein, dass sein exzellenter Experte Philipp Crone mehr Ahnung von der Materie hat. Das Ergebnis klang wie folgt. Crone: „Wieder lange Ecke.“ Réthy: „Lange Ecke.“ Der Münchner Ex-Nationalspieler war sozusagen als Blindenhund für Béla unterwegs, und man muss sagen: Hat sich bewährt, sollte man auch beim Fußball probieren. Réthy haderte derweil mit der defekten Zeiteinblendung („Geschmolzene Software“). Und er fragte sich, ob es die Hockeyfrauen genauso massiv krachen lassen können wie die Männer, die nach Gold in London ein Schiff versenkten. Wir vermuten: Sie können. Die Mädels haben in Rio garantiert einen kompletten Douglas zerlegt.

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