Olympia absagen? Wer bleibt zuhause? Was ist Zika überhaupt?

Zika und die Olympischen Spiele: Alle Fragen und Antworten

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Rio im Januar: Helfer kämpfen gegen die Ausbreitung des Zikavirus in der Stadt

München - Bis zu 500.000 Besucher werden sich bei den Olympischen Spielen in Rio tummeln, in der Metropole leben fast 7 Millionen Menschen. Und dann ist da noch: das Zika-Virus. Sollte man die Spiele lieber absagen?

Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro stehen vor der Tür. Die (Sport-)Welt freut sich auf ein Sportfest der Superlative. Ein Virus aber wirft seinen Schatten auf die Spiele: Zika. 

Weltweit warnen Experten, Athleten bleiben zuhause - die Zika-Furcht geht um. 

Kürzlich wurde bekannt, dass der britische Prinz William mit seiner Frau Herzogin Kate nicht an die Copacabana reisen werden. Wie das Magazin Hello berichtet, soll nach Prinz George (3) und Prinzessen Charlotte (1) der Wunsch nach einem weiteren Kind der Grund sein. Dass Kate Middleton schwanger sein soll, wird nicht zum ersten Mal spekuliert.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Zikavirus:

Müsste Olympia abgesagt werden?

Die Olympischen Spiele in Brasilien müssen wegen des Zikavirus aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht verlegt oder verschoben werden. Zu diesem Schluss kam das Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Juni. "Das Risiko einer weiteren internationalen Ausbreitung ist sehr gering", sagte der Chef des Gremiums, David Heymann. Die bisher diskutierten Ratschläge für Vorsichtsmaßnahmen würden ausreichen, um die Spiele abzuhalten.

Speziell im südamerikanischen Winter, also zum Zeitpunkt der Spiele im August, sei die Intensität der Verbreitung schwach. Zwar könnten Massenveranstaltungen wie die Olympischen Spiele bei der Übertragung von Krankheiten eine Rolle spielen. Bei Zika treffe dies aber nicht zu, sagte Heymann. "Das Risiko in Verbreitungsgebieten ist mit oder ohne Massenveranstaltungen gleich", heißt es.

Erst Ende Juli haben Berechnungen der Yale-Universität zudem gezeigt: Nur drei bis 37 Menschen von 500.000 möglichen Besuchern der Olympischen Spiele würden Zika in ihre Heimat tragen.

Haben Sportler ihre Teilnahme an Olympia wegen Zika abgesagt?

Sagte seine Olympia-Teilnahme ab: Wimbledon-Finalist Milos Raonic.

Beispiele von Sportlern, die zu den Olympischen Spielen in Rio gar nicht anreisen werden, gibt es inzwischen genug. Die internationale Golfspitze verzichtet auf einen Start in Rio, auch eine ganze Reihe von bekannten Tennisspielern hat abgesagt, darunter Wimbledon-Finalist Milos Raonic.

Mario Andrada, der Sprecher des Olympia-Organisationskomitees, kann sich laut Deutschlandfunk einen deutlichen Seitenhieb auf die Top-Golfer nicht verwehren. Derzeit sei das Risiko, auf noblen Golfplätzen in Florida mit Zika infiziert zu werden, deutlich größer als in Rio. Denn in der Olympia-Stadt herrschen aufgrund des Winters eher milde Temperaturen.

Ein Top-Golfer allerdings wird dabei sein: Nach den Absagen zahlreicher Konkurrenten steht ein Olympia-Start für Martin Kaymer trotz möglicher Gefahren durch das in Brasilien grassierende Zikavirus nicht zur Debatte.

Manche Sportler versuchen die Zika-Hysterie mit Humor zu nehmen: So Hope Solo, Torhüterin der US-Fußballmannschaft.

Was ist das Zikavirus?

Einen guten Überblick über das Zikavirus bietet das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite. Das Zikavirus wird meist von Mücken übertragen, vor allem vermutlich von der Gattung Aedes. Das Virus wurde 1947 erstmals bei einem Affen im Zikawald in Uganda, Afrika, isoliert. Es zirkuliert offenbar auch in Asien. Größere Ausbrüche beim Menschen wurden 2007 in Mikronesien und ab 2013 in anderen Inselstaaten im pazifischen Raum beobachtet. Aktuell breitet sich das Virus vor allem in Mittel- und Südamerika aus. 

Was sind die Symptome?

Die Symptome einer Zikavirus-Infektion ähneln denen anderer mückenübertragender Infektionen (z.B. Denguefieber), werden aber als deutlich milder beschrieben. Am häufigsten sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Die Symptome treten in einem Zeitraum von drei bis 12 Tagen (meist drei bis sieben Tage) nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an. Eine Behandlung im Krankenhaus ist meist nicht erforderlich. 

Einzelne Todesfälle, die bei Zikavirus-Infektionen beschrieben wurden, traten offenbar bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen auf. Ein großer Anteil der Infektionen verläuft vermutlich asymptomatisch, das heißt, die Betroffenen haben keinerlei Symptome. 

Ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Zikavirusinfektion in der Schwangerschaft und Hirnfehlbildungen beim ungeborenen Kind wird inzwischen als gegeben angesehen (siehe "Ist das Zikavirus für Hirnfehlbildungen bei Kindern im Mutterleib verantwortlich?"). In einigen seltenen Fällen kann es nach einer Zikavirus-Infektion, wie auch nach anderen Infektionen, wahrscheinlich auch zu einem Guillain-Barré-Syndrom kommen, einer Erkrankung der peripheren Nerven.

Wie verbreitet sich das Zikavirus?

Die Organisation European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zeigt, wo das Zika-Virus grassiert (Karte: Stand August 2016).

Zikaviren werden in den meisten Fällen durch den Stich infizierter Mücken, z.B. die in den Tropen und Teilen der Subtropen weit verbreiteten Gelbfiebermücken (Aedes aegypti), übertragen. Eventuell verbreiten auch andere Mücken, z.B. die asiatische Tigermücke das Zikavirus, die vereinzelt auch in Deutschland vorkommt. 

In einigen Fällen ist das Virus von Männern auch auf sexuellem Weg übertragen worden. Teilweise fanden die Übertragungen auch dann noch statt, nachdem beim Mann die Symptome einer akuten Zikavirus-Infektion abgeklungen waren. Vermutlich gelingt es den Viren im gegenüber dem Immunsystem stark abgeschirmten Bereich der Hoden länger zu überleben. Es ist aber noch nicht geklärt, wie lange das Virus im Sperma überdauern kann. 

Deutliche Kritik an der Weltgesundheitsorganisation übte unterdessen der Virologe Alexander S. Kekulé, weil er vor allem Sportlerinnen vor Zika warnte. „Männer sind viel stärker betroffen. Die Geschlechtsorgane sind, zumindest beim Mann, vermutlich eine Art Versteck für das Virus, wo es lange Zeit überdauern kann“, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Wenn ein junger Mann noch Kinder haben will, dann steht er nach der Rückkehr aus Brasilien vor dem Problem, dass er unter Umständen sehr lange nur geschützten Sex haben darf, um seine Partnerin nicht anzustecken.“ Er selbst würde nicht nach Brasilien fahren, wenn er noch planen würde, Kinder zu zeugen, betonte Kekulé.

Zika-Furcht: Warum lässt ein Basketball-Star vor Olympia sein Sperma einfrieren?

Einen spanischen Basketball-Star hat die Zika-Furcht gepackt: Vor einer Abreise zu den Olympischen Spielen nach Brasilien werde Paul Gasol möglicherweise sein Sperma einfrieren lassen, hieß es.

Zuletzt wurde in den USA auch ein Fall einer sexuellen Übertragung von einer Frau auf einen Mann beschrieben. Die Frau war zum Übertragungszeitpunkt akut infiziert. Ein Mechanismus, der bei Frauen eine sexuelle Übertragung von Zikavirus auch noch lange nach Abklingen der akuten Phase ermöglichen würde, ist nicht bekannt. 

Zur Sicherheit haben die Organisatoren von Olympia 450.000 Kondome im Olympischen Dorf verteilt.

Genetisches Material von Zikaviren wurde zudem im Urin und Speichel von symptomatischen Patienten nachgewiesen. Ob die Zikaviren auch durch Urin und Speichel übertragen werden können – und wenn ja, welche Rolle das für die aktuellen Ausbruchsgeschehen spielt –, ist noch nicht bekannt.

Warum gibt es bisher keinen Impfstoff?

Bis zum aktuellen Ausbruchsgeschehen auf dem amerikanischen Kontinent war nur bekannt, dass Infizierte meist nicht sehr schwer erkranken. Daher war das Zikavirus bislang kein Kandidat für die Impfstoffentwicklung. Jetzt werfen die Olympischen Spiele in Rio ein Schlaglicht auf das Virus. 

Neue Hoffnung gibt unterdessen eine Meldung von Anfang August: Die US-Gesundheitsbehörde NIH testet einen Zika-Impfstoff erstmals an Menschen. Mindestens 80 Menschen zwischen 18 und 35 Jahren würden an drei US-Standorten an der Studie teilnehmen, teilte das NIH am Mittwoch (Ortszeit) mit. Jetzt haben Forscher offenbar drei Mittel gegen das Zikavirus erfolgreich an Affen getestet. 

Wie gefährlich ist das Virus für Schwangere?

In Abstimmung mit dem RKI empfehlen das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, von vermeidbaren Reisen in Zikavirus-Ausbruchsgebiete abzusehen, da das Risiko frühkindlicher Fehlbildungen besteht. Bei unvermeidbaren Reisen sollte auf ganztägigen konsequenten Mückenschutz geachtet werden.

Schwangere und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten sich vor der Abreise - natürlich auch zu Olympia - dringend von einem Tropen- oder Reisemediziner mit Kenntnis der jeweiligen aktuellen Situation beraten lassen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine ähnliche Empfehlung herausgegeben.

Weitere Informationen zur Zikavirus-Infektion finden Sie auf dem Merkblatt des Gesundheitsdienstes des Auswärtigen Amts.

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Olympia 2016: Alle Infos zu den Wettkämpfen, Zeitplan, Sendeplan und Themenseite

Hier finden Sie alle Informationen zu den Wettkämpfen in Rio de Janeiro 2016 im Überblick und erfahren in unserem Sendeplan, wann welche Disziplin live im TV und im Stream zu sehen ist. Damit Sie immer besten informiert sind: Alle Infos und News rund um die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro bekommen Sie auf unserer Themenseite zu Olympia 2016.

mm/tz

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