Die Spiele bei ARD und ZDF

TV-Kritik zu Olympia 2016: Franzi dramatisch erblondet

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Küss die Hand! Gerhard Delling mit Franzi van Almsick.

München - Jörg Heinrich nimmt in seiner TV-Kritik den Start der Olympischen Spiele in Rio bei ARD und ZDF aufs Korn. Sein erstes Fazit: Das Öffi-Olympia bleibt altmodisch wie eh und je, macht aber irgendwie trotzdem Spaß.

Da haben die Brasilianer nicht lange gefackelt! Seit Samstagfrüh brennt in Rio das Olympische Feuer, die ersten Goldmedaillen sind da. Und für alle, die nur Blech geholt haben, hat Franzi van Almsick einen guten Rat parat: „Nicht den Sand in den Kopf stecken!“ Das gilt auch für die ARD-Zuschauer, die statt Andrea Petkovic das Wort zum Sonntag bestaunen durften, in dem es um Apostel Paulus ging, den „alten Sportsfreund“. Fazit nach dem ersten Wochenende mit Sportapostel Delling: Das Öffi-Olympia bleibt altmodisch wie eh und je, macht aber irgendwie trotzdem Spaß.

Auslaufmodelle: Wenn 2018 Eurosport übernimmt, braucht niemand mehr Ansager wie Alex Bommes. Bommes-Olympia funktioniert ja so: Die ARD zeigt erst schießen, und dann Radfahren, was die meisten Zuschauer auch ganz von allein kapieren würden. Dazwischen muss aber immer Bommes ins Bild, der dann erklärt: „Das war jetzt fei Schießen, und jetzt kommt fei Radfahren.“ Das ist so überflüssig wie Ketchup zur Weißwurst. Apropos überflüssig: Gerhard Delling weiß auch, dass seine Tage gezählt sind. Deshalb ist ihm in Rio alles egal. Der Spezialist für Vielseitigkeits-Heiterei haut nachts, wenn eh keiner zuschaut, einen Klopfer nach dem anderen raus, zum Beispiel „Besser arm dran als Arm ab“ oder „Was machst denn du so? Judo?“ Genauso irre: Entscheidung beim Petkovic-Spiel – doch die ARD geht raus und zeigt lieber die Tagesthemen mit der Eröffnungsfeier aus der Nacht zuvor. Bei Eurosport gibt’s keine Tagesthemen. Dafür aber jede Menge Reklame…

Experten: Schwimm-Franziska ist dramatisch erblondet. Franzis Blond-Wunder funktioniert aber nur im ARD-Studio, wo das Licht extrem gülden ist, damit Delling jung rüberkommt. Am Beckenrand schaut die Schwimm-Barbie wieder ganz normal aus und schwimmt auch ganz normal bei den Namen der vielen Schwimmer, die sie nicht kennt. Doping-Russen und IOC-Sumpf nennt Franzi übrigens nur „Blöde Dinge“, die nun aber endlich vorbei sind. Einen Top-Experten hat sich das Erste dagegen mit Beachvolleyballer Julius Brink angelacht, der Klartext redet: „Wer einmal dopt, hat sein Mitwirken in dieser Wertegemeinschaft des Sports verwirkt. Ich finde es fürchterlich, gegen jemanden zu spielen, der mich betrogen hat.“

Patriotismus: Hier kommt Tom Bartels ins Spiel, der immer aufblüht, wenn es um Deutsches geht – zum Beispiel, wenn sein Schiri-Idol Felix Brych pfeift. Diesen Fetisch lebte Schwarz-Rot-Gold-Thommy bei der Eröffnungsfeier ungehemmt aus. Sicher, es gab auch schöne internationale Themen: Die Lederhosen der als Gabalier verkleideten Österreicher waren aus Ziegenvelours, in Swasiland hat die Polygamie Tradition, und Brunei hat die Steinigung wieder eingeführt – was aber fürs IOC kein Problem darstellt, so lange die Steinewerfer nicht gedopt sind. Vor allem aber sucht Bartels immer und überall nach dem deutschen Aspekt. „Der Fahnenträger von Benin hat sein erstes Gefecht gegen einen Deutschen“ und „Die nigerianische Fahnenträgerin stammt vom SC Poppenbüttel“. Als bei den Serben Ana Schweinsteiger nicht im Bild erschien, herzkasperlte Bartels beinahe vor lauter Deutschland-Entzug. Zum Ausgleich durfte er aber über die deutsche Ex-Kolonie Mikronesien plaudern und über die Mongolen, deren Sportidol Dschinghis Khan ja bekanntlich vom Münchner Tonsetzer Ralph Siegel erfunden wurde.

Jörg Heinrich

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