Olympia 2016

TV-Kritik: Suppenhühner und Hilfs-Brasi Simon

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360-Grad-Test: KMH im ZDF-Studio.

Rio de Janeiro - Olympia 2016 hat bei der Fernsehübertragung wieder einige Glanzlichter geboten. Unsere TV-Kritik zu ARD und ZDF bei den Spielen in Rio.

Schade, Rio, alles ist vorbei! Olympia ist Geschichte, Poschi ist in Rente, und die Öffis feiern Abschied. Denn ab 2018 übernimmt Eurosport. Was bleibt, sind tolle Bilder: Hambüchen, dieser großartige Reckskerl! Das Sand-Strahlen von Laura und Kira! Und am Schluss, trotz Niederlage, der herrliche Hrubesch, der Toll-Horst vom Maracanã! Jetzt haben wir viel Zeit, uns von Dellings unrhythmischer Wortgymnastik zu erholen. Wir haben die letzten Tief- und Höhepunkte, und ein paar Wünsche an Eurosport.

Sportfreunde, stiller: Am Wochenende wurde ein letztes Mal kampfgequasselt. ZDF-Kamerakind Katrin Egner-Hohenstein führte ihr finales Dingsda-Interview, und erkundigte sich bei den Hockeyspielerinnen: „Kann mir mal jemand sagen, ist Hockey immer so spannend?“ Diese Frage war beinahe so bahnbrechend wie ihr legendäres „Sind Pferde musikalisch?“ Kati war zwar der freundlichste Mensch von Rio, gab ab zur „lieben Kristin“ und zum „lieben Nils“, bedankte sich beim „lieben Michael“ – doch fehlen wird die Sinnlos-Else vom Zuckerhut nicht. Wenn uns die liebe Katrin nach einem spektakulären Wettkampf erklärte, dass wir gerade einen spektakulären Wettkampf gesehen haben, war sie das Gesicht des sinnfreien Dauerredens als olympische Kerndisziplin, die es bei Eurosport hoffentlich nicht mehr geben wird. Motto: Raus, raus aus dem Plausch! Sportfreunde, stiller!

Gerhard Delling beim Sportgymnastinnen-Dissen.

Mordversuch an Delling: Am Samstag turnte der von sich selbst begeisterte ARD-Altstar bei den Olympischen Dellingspielen mit Bändchen durchs Studio, und disste die Sportgymnastinnen: „Wir schauen uns besser richtigen Sport an.“ Moderatoren, die sich für wichtiger halten als den Sport, den sie präsentieren, gibt’s bei Eurosport hoffentlich nicht. Weil die Sport-Jobs bei den Öffis nun knapper werden, versuchte Alex Bommes sicherheitshalber, Delling mit einem mitgebrachten Caipi zu vergiften, doch der clevere Delle verweigerte den Schierlingsbecher: „Die Eiswürfel hier sind nicht wirklich zu empfehlen.“ Sehen Sie bald bei XY-Cerne: „Mordversuch in Rio! Doch es war Notwehr!“

Vier Menschen, ein Boot: Kanu-Reporter Jörg Klawitter lieferte einen der großen Rio-Momente, als sein Kommentar beim deutschen Vierer völlig aus dem Ruder lief. „Sie sind jetzt nicht mehr vier Menschen – sie sind jetzt ein Boot!!!“, eskalierte der Mann vom Ersten – herrlich! Solche irren Typen heuert hoffentlich auch Eurosport an. Auch eine tolle Öffi-Idee darf der Privatsender gern übernehmen: Der Zuschauer kann sich seinen Reporter aussuchen. Beim Frauenfußball am Freitag kommentierten zum Beispiel Claudia Neumann (ZDF) und Bernd Schmelzer (ARD-Livestream) gegeneinander an. Das ist zwar Verschwendung, war aber eine Wohltat, weil man auf diese Weise Sprachschänderin Neumann entkam. Die ZDF-Frau bewies erneut, dass sie zum Kommentieren so geeignet ist wie ein Suppenhuhn zum Stepptanzen. Beim 1:0 träumte sie vor sich hin, erzählte gerade das Leben von Silvia Neid (ab Einschulung) nach, und verpennte prompt die Torschützin: „Jetzt kommt Däbritz recht unverhofft an den Ball und schafft das 1:0, es ist Marozsán.“ Wie herrlich dagegen Internet-Schmelzer. „Wo ist der Ball? Such’s Balli im deutschen Strafraum“, spöttelte der BR-Reporter. Er war: Freu-Mann statt Neumann.

Simon vs. Réthy: Rätselhafte Öffi-Verschwendung auch beim Hrubesch-Krimi – mit Steffen Simon (ARD) vs. Béla Réthy (ZDF-Internet). Ein Duell wie 12 Uhr mittags, nur am Abend, und ohne John Wayne. Offenbar hatte Delle, der Hundling, seinen verseuchten Bommes-Caipi an Simon weitergegeben, der beschwipst wie nie kommentierte. Der ulkige Steffen hatte sich schon vor dem Spiel vorgenommen, dass er bei einem deutschen Tor eine Aktion startet, die ihm endlich den ersehnten Fernsehpreis einbringt. Beim 1:1 war’s dann so weit. Hilfsbrasilianer ­Simon nahm Anlauf – und röhrte „Gooooooooooool“, wenn auch hölzern wie ein einbeiniger Sambatänzer. Alle paar Minuten konnte man sich beim Umschalten zu Nüchtern-Béla von Caipi-Simon erholen, und umgekehrt. Feine Sache, auch für Eurosport. Wobei: Wir brauchen gar keine zwei Reporter. Eine Quasselfrei-Option, nur mit Stadionton, würde schon genügen. Traut Euch, Eurosport!

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