Berlin oder Hamburg?

Olympia 2024: Umfrage verspricht enges Rennen

Olympia 2024 Austragung Berlin Hamburg
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Die Städte Berlin und Hamburg kämpfen um die Austragung der Olympischen Spiele 2024.

Frankfurt - Das Olympia-Rennen zwischen Berlin und Hamburg um die Austragung für die Spiele 2024 bleibt weiterhin spannend.

Die mit Spannung erwartete Stimmungsumfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes brachte kein eindeutiges Ergebnis zugunsten einer Stadt. Auch die zuletzt leicht favorisierten Hamburger hofften elf Tage vor der endgültigen Auswahl vergeblich auf ein vorentscheidendes Votum.

Die Berliner signalisierten 55 Prozent Zustimmung für Spiele vor der eigenen Haustür, die Hamburger 64 Prozent. Im Vergleich zur ersten DOSB-Umfrage im September legten beide Städte zu: Damals lag Hamburg bei 53, Berlin nur bei 48 Prozent Zustimmung. Der Zuwachs ist in Hamburg also größer.

Dennoch darf sich weder Hamburg noch der DOSB in Sicherheit wiegen. Berlin besitzt weltweit die größere Strahlkraft und hat zudem starke Unterstützer in den Reihen der Sportverbände. Und auch der DOSB ist gewarnt: Vor der letztlich per Bürgervotum gekippten Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2022 hatten dort in einer Stimmungsumfrage 65 Prozent der Bürger vorab "ja" gesagt - bevor beim entscheidenden Votum in allen betroffenen Gemeinden die Bewerbung krachend scheiterte.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann meinte trotzdem: "Wir freuen uns über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen und vor allem auch darüber, dass es in beiden Städten Zuwächse bei der konkreten Bewerberfrage gab." Man habe "vor Ort gespürt", dass sich das Meinungsklima positiv entwickelt habe, sagte Hörmann: "Nun haben wir eine gute Grundlage für den weiteren Entscheidungsprozess."

Bei der neuen Erhebung hatte der DOSB in den vergangenen Tagen in beiden Städten jeweils 1500 repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger durch die Forsa befragen lassen.

Am kommenden Montag gibt das Präsidium des Dachverbandes eine Empfehlung an seine Mitglieder, die dann am 21. März in der Frankfurter Paulskirche in einer Art Krönungsmesse die Siegerstadt bestätigen sollen. Die Delegierten der nicht empfohlenen Stadt werden gar nicht mehr nach Frankfurt reisen, das Abnicken der DOSB-Mitglieder gilt als Formalie.

Hörmann hatte zuvor keine Zweifel daran gelassen, wie wichtig dem DOSB die Zustimmung der Menschen in beiden Städten ist: "Das Ergebnis der Befragung wird eine der ganz entscheidenden Fragen sein. Spiele gegen die Bevölkerung der jeweiligen Stadt funktionieren nicht." Seit Donnerstag lagen den DOSB-Bossen die Ergebnisse der Umfrage vor, alle hatten sich strengste Verschwiegenheit auferlegt. Wie genau die Ergebnisse aber nun gewichtet werden, ist noch immer unklar.

Die Krönung Hamburgs oder Berlins wäre erst der Anfang eines Marathons, an dessen Ziel die IOC-Mitglieder im Sommer 2017 im fernen Lima/Peru zum vierten Mal Olympische Spiele nach Deutschland vergeben sollen - nach Berlin und Garmisch-Partenkirchen 1936 sowie München 1972.

Schon im September dieses Jahres kann dem DOSB-Wahlsieger aber das vorzeitige Aus ereilen. Sowohl Berlin als auch Hamburg wollen im Falle des Zuschlags zu diesem Zeitpunkt ihre Bürger befragen. Sollten nicht mindestens 50 Prozent "ja" zu Olympia vor der Haustür und zu den dann konkreter vorliegenden Kosten und Verpflichtungen sagen, wird der DOSB beim Internationalen Olympischen Komitee keine Bewerbung einreichen.

Nachdem genau dieses Schicksal 2013 schon München ereilt hatte, stünde der deutsche Sport (mit Ausnahme des Fußballs) dann wohl endgültig vor einer riesigen Depression, von der er sich jahrelang nicht erholen dürfte. Nichts würde es dann werden mit dem von den DOSB-Bossen unverblümt herbeigesehnten olympischen Konjunkturprogramm, das den auf breiter Front kriselnden und klammen Verbänden neues Leben einhauchen soll.

Entsprechende Prioritäten setzt der DOSB: "Die Frage ist: Wo haben wir die größere Sicherheit, dass uns nicht ein zweites München passiert", sagt Hörmann: "Sport-Deutschland braucht und will die Spiele. Wir müssen uns in der geistigen Einstellung in Richtung Gewinnen aufmachen."

Im Herbst 2015 muss der DOSB seine Bereitschaft, Olympische Spiele 2024 ausrichten zu wollen, beim IOC hinterlegen. Bis spätestens 8. Januar 2016 müssen Bewerbungsunterlagen und eine Finanz-Garantieerklärung beim IOC eingereicht werden.

Die internationale Konkurrenz ist riesig. Einige Experten halten Hamburg oder Berlin für 2024 angesichts der US-Bewerbung mit Boston sogar für chancenlos. Als weiterer Bewerber steht Rom fest. Paris, Istanbul, Baku/Aserbaidschan und Doha/Katar stehen in den Startlöchern. Nicht umsonst haben Berlin und Hamburg dem DOSB schon zugesichert, notfalls auch für 2028 den Hut in den Ring zu werfen.

Stimmen zum Ergebnis der Forsa-Umfrage zu Olympia 2024

Michael Müller (Regierender Bürgermeister von Berlin): "Die Zahlen belegen, was in den letzten Wochen immer stärker an Rückenwind für das Projekt Olympia und Paralympics in Berlin zu spüren war: eine klare Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner will die Spiele. Das Rennen um Olympia zwischen Hamburg und Berlin ist noch nicht entschieden. Im nächsten Schritt wird es nun darum gehen, die Spitzenvertreter des deutschen Sports von den Qualitäten Berlins als olympischer Austragungsort in Deutschland zu überzeugen. Entscheidend ist, welche Stadt im internationalen Vergleich mithalten kann. Berlin hat hier als weltoffene, internationale Metropole sehr gute Chancen."

Olaf Scholz (Erster Bürgermeister von Hamburg): "Zwei Drittel der Hamburgerinnen und Hamburger befürworten Olympische Spiele in ihrer Stadt. Kompakte Spiele, nachhaltige Planung und transparente Verfahren könnten auch Beispiel gebend für Spiele im Sinne der Olympischen Idee sein. Die traditionsreiche Stadtrepublik Hamburg, deren Geschicke seit Jahrhunderten von ihren Bürgerinnen und Bürgern bestimmt werden, steht für solche Spiele. Die heute vorgelegten Zahlen sind ein Schritt hin zu einer deutschen Olympiabewerbung."

Alfons Hörmann (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes): "Es scheint für Sport-Deutschland ein guter Tag zu sein. Es ist sehr schön, dass die Zahlen zeigen, dass die grundsätzliche Zustimmung gegeben ist. Wir kommen zu dem Fazit, dass in beiden Städten das Projekt Olympische Spiele und Paralympics gesellschaftlich angekommen ist."

Frank Henkel (Innen- und Sportsenator von Berlin): "Der olympische Funke ist auf Berlin übergesprungen. Das Rennen ist offen, und wir werden auch auf den letzten Metern alles geben. Wir werden zeigen, dass Berlin die Spiele will und kann. Die mehrheitliche Zustimmung zeigt, dass wir mit unseren Ideen für Olympische und Paralympische Spiele in Berlin auf dem richtigen Weg sind. Ich bin überzeugt, dass es Berlin mit anderen Metropolen in der Welt aufnehmen kann, wenn es um die Ausrichtung Olympischer Spiele geht."

Reinhard Wolf (Olympiabeauftragter der Handelskammer Hamburg): "Das klare Ja der Hamburger kann dem Deutschen Olympischen Sportbund die Sicherheit geben, dass auch in einem Referendum im Herbst eine Olympia-Bewerbung der Hansestadt bestätigt wird. Nun kommt es darauf an, das DOSB-Präsidium und die deutschen Sportfachverbände in den bevorstehenden Sitzungen davon zu überzeugen, dass das Hamburger Konzept der kompakten Spiele im Herzen der Stadt auch international durchsetzungsfähig ist."

SID

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