Aus München-Debakel gelernt

Olympia-Bewerbung: Begeisterung entscheidend

+
Steigt nach der Leichtathletik-WM 2009 im Sommer 2024 im Berliner Olympiastadion das nächste Großereignis?

Frankfurt/Main - Der DOSB hat aus dem München-Debakel gelernt. Bei der Wahl des deutschen Bewerbers für die Sommerspiele 2024 wird die Olympia-Begeisterung in den Städten eine zentrale Rolle spielen.

Die Einwohner von Berlin und Hamburg könnten im Wettlauf der beiden Kandidatenstädte um eine deutsche Bewerbung für Olympia 2024 zum Zünglein an der Waage werden. Bei der Kür der Bewerberstadt am 21. März werde die Zustimmung in der Bevölkerung für eine Ausrichtung Olympischer Spiele eine „sehr entscheidende Bedeutung“ haben, betonte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbund Alfons Hörmann am Dienstag nach einer dreitägigen Klausurtagung der Dachorganisation des deutschen Sports in Frankfurt.

Nach dem Fiasko mit München, wo die Bevölkerung die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 zu Fall brachte, will der DOSB bei der Wahl des Kandidaten für die Sommerspiele 2024 auf Nummer sicher gehen. Im Vorfeld wird das Meinungsforschungsinstitut Forsa daher Ende Februar in Berlin und Hamburg eine Umfrage zum Thema Olympia durchführen. Es müsse umfangreich analysiert werden, ob es eine positive Grundstimmung für die Ausrichtung des Großereignisses gebe, so Hörmann. „Dies wird auch bei der Entscheidungsfindung auf internationaler Ebene ein entscheidender Punkt sein“, betonte er.

DOSB gibt Empfehlung am 16. März ab

Hörmann wies jedoch mit Nachdruck daraufhin, dass dem Bürgervotum bei der Bewertung durch das DOSB-Präsidium nur im Falle gravierender Unterschiede elementare Bedeutung zukomme. „Wenn beide nahe beieinander liegen und exzellente Werte haben, wird das nicht das entscheidende Kriterium sein und nur eine untergeordnete Rolle spiele. Je größer der Abstand, umso eher wird es Auswirkungen haben“, sagte Hörmann.

Am 16. März wird das DOSB-Präsidium seine Empfehlung für eine Stadt abgeben. „Das wird eine hochspannende Geschichte“, prophezeite Hörmann. Zuvor wird sich das Gremium in Frankfurt mit den Spitzensportverbänden und einer Reihe von Experten unter anderem aus der Zivilgesellschaft treffen.

Nach der Kandidatenkür auf einer Mitgliederversammlung am 21. März in der Frankfurter Paulskirche wird es im Spätsommer dann noch einmal zu einer offiziellen Volksbefragung in der Bewerberstadt kommen. Berlin hat diese im Falle der Wahl für den 13. September terminiert. Einen entsprechenden Gesetzentwurf beschloss der Senat am Dienstag. Auch Hamburg zieht den September als Termin in Erwägung.

Umfrage: Nur die Hälfte der Berliner steht hinter der Olympia-Bewerbung

Bis zum 15. September muss die deutsche Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) offiziell eingereicht werden. Der Ausrichter der Spiele wird im Sommer 2017 gewählt. „Nur wenn wir eine Mehrheit in der Bevölkerung erreichen, sind wir in der Lage, für 2024 an den Start zu gehen“, sagte Hörmann und fügte hinzu: „Für uns geht es also darum: Wo haben wir die größere Sicherheit, dass uns nicht ein zweites München passiert. Denn das wäre das Ende des aktuellen Bewerbungsprozesses.“

In den Kandidatenstädten ist man sich der Bedeutung einer mehrheitlichen Olympia-Begeisterung unter den Einwohnern bewusst. „Wir brauchen unbedingt die breite Rückendeckung, den breiten Rückhalt der Bevölkerung“, betonte Berlins Innensenator Frank Henkel. Laut Umfragen hält nur die Hälfte der Berliner eine Olympia-Bewerbung derzeit für richtig.

In Hamburg stieg die Zustimmung einer NDR-Umfrage zufolge zuletzt auf 62 Prozent an. Laut SPD-Fraktionschef Andreas Dressel seien sich in der Hansestadt alle Fraktionen „einig, dass die Hamburgerinnen und Hamburger am Schluss das letzte Wort haben sollen, ob Hamburg sich bewirbt oder nicht. Das haben wir gerade im Verfassungsausschuss noch einmal miteinander klargestellt“.

dpa

auch interessant

Meistgelesen

Ryder Cup 2016: So sehen Sie das Golfturnier live im TV und Live-Stream
Ryder Cup 2016: So sehen Sie das Golfturnier live im TV und Live-Stream
Bundesliga-Spielerinnen als Opfer einer gemeinen Porno-Attacke
Bundesliga-Spielerinnen als Opfer einer gemeinen Porno-Attacke
Kerber im tz-Interview: "Ich wollte den Druck - jetzt habe ich ihn"
Kerber im tz-Interview: "Ich wollte den Druck - jetzt habe ich ihn"
Tyson Fury positiv auf Kokain getestet
Tyson Fury positiv auf Kokain getestet

Kommentare