Interview mit Turnierchef Kühnen

BMW Open bei Winter-Wetter - Verlegung aber kein Thema

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So eisig war's am Aumeister noch nie.

München - Schneetreiben während der BMW Open. So eisig ging's am Aumeister noch nie zu, wenn die Tennis-Stars aufschlugen. Turnierchef Patrik Kühnen bleibt optimistisch.

Eiszeit am Aumeister. Schneeschauer bei vier Grad an den ersten drei Tagen der BMW Open, nie war es kälter in der 101-jährigen Geschichte der Internationalen Tennismeisterschaften von Bayern. Auch Patrik Kühnen (50), im neunten Jahr Turnierchef in München, fröstelt es gewaltig. Der Ex-Profi und ehemalige Teamkapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft hat aber "die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es in den kommenden Tagen besser wird". Das tz-Eis-Interview:

Befürchten Sie negative Auswirkungen auf das Zuschauer-Interesse auch für die nächsten Jahre?

Kühnen: Nein. Ich weiß, dass wir ein sehr treues und fachkundiges Publikum haben, das auch mit den Wetterkapriolen gut umzugehen weiß. Und die Prognosen für die nächsten Tage sind ja sehr positiv.

Wird's schwieriger ob der Wetterbedingungen künftig Spieler nach München zu lotsen?

Kühnen: Nein. Weil ich weiß, dass wir von der Qualität her eines der besten 250er Turniere auf der ATP-Tour sind. Wir haben eine Top-Organisation, wir werden auch in den kommenden Jahren ein Spitzenfeld präsentieren können. Die Spieler gehen mit der Situation alle total professionell und entspannt um.

Wäre eine Verlegung des Turniers eine Lösung?

Kühnen: Das ist kein Thema. Denn wir haben im Zyklus der Sandplatzturniere im Vorfeld der French Open unseren festen Platz und sind grundsätzlich mit dem Termin sehr glücklich.

Gibt's eigentlich eine Temperatur-Untergrenze beim Tennis?

Patrik Kühnen.

Kühnen: Da ist mir nichts bekannt. Im Vordergrund steht natürlich die Gesundheit der Spieler. Da geht es vor allem um die Beschaffenheit des Platzes, dass sie einen festen Stand haben. Aber wir haben fantastische Plätze. Außerdem waren die Spieler alle gut vorbereitet auf die Temperaturen, kommen gut damit zurecht. Sie müssen sich intensiver warmmachen vor den Matches, dann besteht auch kein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Letztes Jahr viel Regen, nun der Kälteeinbruch - die Wiesn-Wirte stiften im Wallfahrtsort Maria Eich vor dem Oktoberfest immer eine Kerze für schönes Wetter…

Kühnen: Echt? Darum haben die meist Glück. Schau ma mal, wie sich das Wetter bis zum Wochenende entwickelt. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit.

Zum Sport: Philipp Kohlschreiber fühlt sich mit 32 Jahren noch topfit, traut sich den Sprung in die Top-Fünf zu. Sie ihm auch?

Kühnen: Erstmal ist wichtig, dass er Ziele definiert, weiß, wo er hinarbeitet. Sicher hat Philipp noch Potenzial, sich weiter zu verbessern. Er ist ein sehr erfahrener Spieler, hatte in seiner Karriere wenig Verletzungen. Das kommt ihm zugute. Ich würde es ihm gönnen.

Alexander Zverev wird als Toptalent gefeiert. Wohin geht seine Reise im Tennis-Business?

Kühnen: Alex hat alles, was man braucht, um in die Top Ten zu kommen. Abgesehen vom spielerischen Potenzial muss er aber auch seine körperliche Konstitution weiter verbessern, weil die Belastungen bei Top-Turnieren größer werden. Er hat ein fantastisches Umfeld durch seine Familie. Vater, Mutter und der Bruder sind gute Tennisspieler, kennen sich aus im Geschäft. Aber er ist gerade 19 geworden, braucht Zeit für seine Entwicklung, die sollte man ihm geben. Aber ich bin überzeugt, dass er eines Tages sehr weit oben sein wird.

Interview: Franz Meier

Alex Zverev siegt, Brown verliert, Monfils sagt ab

Die Revanche ist geglückt. In der Vorwoche in Barcelona musste sich Alexander Zverev (19) Malek Jaziri noch geschlagen geben (6:7, 4:6), bei den BMW Open besiegte Deutschlands Toptalent den Tunesier am Mittwoch mit 4:6, 6:3, 6:2, hat das Achtelfinale gegen Lukas Rosol (Tschechien) erreicht. "Ich habe mein Spiel zur letzten Woche etwas umgestellt, versucht, mehr über die Vorhand zu gehen", meinte Zverev. "Das Ergebnis zeigt, dass es funktioniert hat."

Zwei neue Glücksbringer hat Zverev. "Seit Monte Carlo spiele ich ein neues Schlägermodel, das besonders auf junge Spieler zugeschnitten ist", erzählt Alex. Und am Handgelenk trägt er erstmals eine Mega-Uhr der französischen Nobel-Marke Richard Mille. 20 Gramm leicht, Titangehäuse, Kautschukband, limitiert auf 50 Stück - und rund 800.000 Euro teuer. Rafael Nadal besitzt dasselbe Prunkstück. "Ich spüre sie kaum, das einzige, das ich ein bisschen merke, ist das Band", so Zverev zur tz. "Die Uhr bringt anscheinend Glück."

Pech hatte Dustin Brown. Der Deutsch-Jamaikaner unterlag Juan Martin del Potro 6:7, 4:6. Gar nicht aufschlagen wird Gael Monfils. Der Franzose, an zwei gesetzt, zog sich am Mittwoch beim Training eine Adduktoren-Zerrung zu. War's ihm einfach zu kalt? Monfils: "Ich hatte mich gut aufgewärmt, verspürte plötzlich Schmerzen. Ich weiß nicht, ob ich nächste Woche in Madrid spielen kann." Zumindest versprach der Rasta-Man: "Ich komme auf jeden Fall wieder, weil's ein tolles Turnier hier ist."

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