Vor der Heim-EM

Biedermann: "Bin eine kleine Wundertüte"

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Ob Paul Biedermann bei der Heim-EM Chancen auf eine Medaille hat, ist nicht absehbar.

Cagliari - Weltrekordler Paul Biedermann sieht sich selbst nicht mehr als „Leitwolf“ im deutschen Schwimm-Team, dennoch werden sich bei der Heim-EM alle Augen auf ihn richten. Sein Leistungsvermögen ist nur schwer einzuschätzen.

Kuchen und Kacheln zählen: Auch an seinem 28. Geburtstag gab es für Schwimmstar Paul Biedermann im Trainingslager auf Sardinien keine Verschnaufpause. „Wir haben ihm gratuliert und eine Geburtstagstorte auf den Tisch gestellt, aber im Trainingsplan wurde nichts geändert“, sagte Bundestrainer Henning Lambertz am Donnerstag: „Das hätte Paul auch nicht gewollt. Er ist voll motiviert und will seinen Rückstand weiter aufholen.“

Die Zeit drängt. Bei der am kommenden Mittwoch in Berlin beginnenden Heim-EM in Berlin (bis 24. August) will sich Biedermann bei seinem ersten internationalen Wettkampf auf der Langbahn seit Olympia 2012 in der Weltspitze zurückmelden. Gestört wurde die Vorbereitung aber durch eine Krankheit, die dem Weltrekordler „zweieinhalb Wochen die Füße weggehauen“ hat. „Von daher bin ich eine kleine Wundertüte“, sagte Biedermann im SID-Interview.

Bundestrainer Lambertz bescheinigte seinem Ausnahmeschwimmer im Trainingslager jedoch einen erfreulichen Ehrgeiz, „er hat sich hier von Tag zu Tag gesteigert“. Der Doppel-Weltmeister von 2009 dürfte in Berlin also wieder vorne landen. Aber reicht es für ganz vorne? Lambertz hat die Messlatte hochgelegt, als er zuletzt erklärte, Biedermann könne im Idealfall vier der insgesamt angepeilten sechs bis acht Medaillen bei den Beckenschwimmern holen.

Auf diese Zahlenspiele will sich Biedermann nicht einlassen: „Ich respektiere Henning Lambertz sehr und auch die Arbeit, die er bislang verrichtet hat. Aber so etwas habe ich mir noch nie angenommen. Mit Medaillenvorgaben kann ich überhaupt nicht arbeiten. `

Der Olympia-Fünfte sieht sich ohnehin nicht mehr als `Leitwolf“ im deutschen Team. „In Marco Koch und Steffen Deibler haben wir zwei absolute Vorschwimmer, die international zuletzt immer ihre Leistungen gebracht haben“, sagt der Hallenser, der die WM-Saison wegen eines Infekts ausgelassen hatte: „Ich stelle mich erstmal hinten an.“

Angestachelt wird der Heavy-Metal-Fan eher durch die internationale Konkurrenz, allen voran vom französischen Olympiasieger und Weltmeister Yannick Agnel. Das Duell der beiden Freunde über 200 m Freistil könnte das Highlight der Titelkämpfe werden. „Ich werfe nicht vorher schon die Flinte ins Korn. Aber ich werde sehr kämpfen müssen“, sagt Biedermann.

In der bereinigten Rangliste ist Biedermann mit seinen starken Zeiten von den deutschen Meisterschaften im Mai sowohl über 100 und 200 als auch über 400 m Freistil gut platziert. Auf welchen Strecken er aber in Berlin tatsächlich an den Start geht, sei noch offen: „Wir müssen sehen, ob ich fit genug bin, um alle Strecken zu schwimmen, oder ob ich vielleicht das ein oder andere weglassen muss.“ Die Vorläufe und Finals über 400 m und 4x100 m finden zum Beispiel am selben Tag statt.

An mangelnder Unterstützung dürfte Biedermanns EM-Mission nicht scheitern. Bei den bislang letzten kontinentalen Titelkämpfen in Berlin vor zwölf Jahren saß Biedermann selbst noch als Zuschauer im Publikum. Noch immer schwärmt er von der damaligen Stimmung, „die einen mitgerissen“ habe.

Auch Lebensgefährtin Britta Steffen wird bei ihrer Rückkehr in ihre alte Heimatstadt auf der Tribüne die Daumen drücken. Den Absprung vom Leistungssport hat die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 scheinbar problemlos geschafft, die 30-Jährige studiert inzwischen Human Resources Management in Halle/Saale.

„Britta ist in der Hinsicht ein fantastisches Vorbild, sie ist da genauso ehrgeizig wie in ihrer Sportkarriere“, verrät ihr Freund Paul Biedermann: „Da kann ich mir eine Scheibe von abschneiden.“ Sein vor vielen Jahren begonnenes Projekt „Führerschein“ liegt zum Beispiel weiterhin auf Eis.

SID

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