Schwimm-EM in Berlin

Biedermann und Heintz knapp an Gold vorbei

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Freute sich anfangs noch eher verhalten über die Silbermedaille über 200 Meter Freistil.

Diese Rennen waren nichts für schwache Nerven - und leider auch nichts für deutsche Siege. Um Hundertstelsekunden schwammen Paul Biedermann und überraschend auch Philip Heintz am EM-Gold vorbei.

Die ersten Emotionen von Paul Biedermann und Philip Heintz hätten unterschiedlicher kaum sein können. Weltrekordler Biedermann spürte auf den dramatischen letzten Metern „nur noch Schmerzen“, sein Trainer Frank Embacher schlug nach dem so knapp verpassten Sieg bei der Schwimm-EM in Berlin die Hände vors Gesicht. Um gerade einmal zwei Hundertstelsekunden verpasste Biedermann am Mittwoch bei der Heim-EM in Berlin das vierte EM-Gold nacheinander über die Spezialstrecke 200 Meter Freistil. Heintz schlug nach 200 Metern Lagen nur sieben Hundertstelsekunden hinter Ungarns Schwimm-Legende Laszlo Cseh an und hatte trotz des knapp verpassten Gold-Coups „ziemlich Spaß“.

Biedermanns Lächeln bei der Siegerehrung auf dem Podest neben Serbiens Doppel-Europameister Velimir Stjepanovic wirkte noch etwas gequält. Die deutsche Gold-Hoffnung brauchte etwas, bis er sich angesichts des Handicaps einer dreiwöchigen Trainingspause dank der sehr guten Zeit von 1:45,80 Minuten mit dem Krimi ohne Happy End anfreunden konnte.

„Je länger das Rennen weg ist, umso mehr freue ich mich über Silber“, sagte Biedermann, der mit dem sieben Jahre jüngeren Sieger noch über den gleichen Geburtstag am 7. August scherzen konnte. „Das hat er mir gesagt vor dem Rennen, da hab' ich gesagt: da sind wir ja beide glückliche Menschen.“

Die ursprünglich geplanten 100 Meter Freistil lässt Biedermann aufgrund der langsamen Regeneration aus. Priorität hat für ihn die Staffel über 4 x 200 Meter. „Die Regenerationsprozesse nach dem Rennen über 200 Meter Freistil sind langsamer verlaufen als gehofft und erhofft. Paul war stehend K.o. Das Team hat für ihn Vorrang“, erklärte Chef-Bundestrainer Henning Lambertz. Biedermann hatte kurz vor der Heim-EM eine dreiwöchige Trainingspause nach Krankheit einlegen müssen.

Freundin Britta Steffen („Zwei Hundertstel tun schon weh“) herzte ihren Lebensgefährten und war stolz auf ihn. „Ich bewundere ihn, dass er unter Druck nicht bricht, sondern stärker wird. Das habe ich so nicht hinbekommen“, sagte die voriges Jahr zurückgetretene Doppel-Olympiasigerin. „Die sind ein Hammer-Rennen geschwommen, alle drei. Wenn der Olympiasieger Dritter wird, braucht man sich als Zweiter nicht zu verstecken“, erklärte sie in der ARD mit Blick auf Weltmeister und Olympiasieger Yannick Agnel aus Frankreich.

Mitreißend war auch das Rennen über die 200 Meter Lagen. Kurzbahn- Europameister Heintz schlug nach 1:58,17 Minuten an - der mehrmalige Olympia-Medaillengewinner und Dauer-Europameister Laszlo Cseh war nur um eine Winzigkeit schneller. „Es hat ziemlich Spaß gemacht, gegen Laszlo so ein Rennen zu haben, die sieben Hundertstel sind schon ärgerlich. Ich habe nach 150 Metern gemerkt, dass ich schon sehr blau bin, und bin froh, dass ich es ins Ziel gerettet hab“, erklärte Heintz.

Markus Deibler war das Rennen mutig angegangen und hatte bei der letzen Wende geführt, verpasste aber in 1:58,29 Minuten als Vierter ebenfalls um sieben Hundertstelsekunden den Bronze-Rang des Briten Roberto Pavoni. Die letzte deutsche EM-Medaille in dieser Disziplin hatte Christian Keller als Zweiter bei den Titelkämpfen 2000 gewonnen.

Der Italiener Gregorio Paltrinieri hatte zum Final-Auftakt in 14:39,93 Minuten über 1500 Meter Freistil einen Europarekord geschwommen. Die anderen Goldmedaillen gingen an Sarah Sjöström (Schweden) über 100 Meter Freistil in 52,67 Sekunden und an die Dänin Rikke Moeller Pedersen in 1:06,23 Minuten über 100 Meter Brust.

dpa/SID

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