Neuer Hoffnungsträger

Polizist aus Bayern wird neuer WADA-Chefermittler

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Günter Younger wird neuer WADA-Chefermittler.

Rio de Janeiro - Günter Younger ist der neue Hoffnungsträger für eine saubere Sportwelt. Der Polizist aus Bayern wird Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Verhöre, Spurensuche, Beweisaufnahme - und das im Doping-Milieu. Die Welt des Sports wird immer mehr zum Tummelplatz von Polizei-Ermittlern. An ihrer Spitze: Günter Younger. Der Polizist aus Bayern steigt Anfang Oktober zum Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf und will den weltweiten Kampf gegen Doper endlich zu einer Erfolgsgeschichte machen.

"Ganz wichtig ist Vertrauensbildung. Das heißt, dass die Athleten zu einem kommen. Ein Ermittler ist nur so gut wie seine Zeugen", erklärte Younger im Interview mit dem SID: "Ich will den Athleten zeigen, wendet euch an mich, ich kümmere mich um euer Problem. Die Athleten sind die, die vor Ort alles sehen. Sie haben die Infos."

Schon 2009 war die WADA an den passionierten Hobby-Sportler herangetreten. "Sie wollten die Polizei mehr für den Bereich Doping sensibilisieren", berichtete der 48-Jährige. Die Doping-Jäger haben gemerkt, dass sie ohne Ermittlungen und Investigation nicht weiter- und vor allem nicht an die Hintermänner kommen, die den Sport mit Dopingmitteln füttern.

Younger war Teil der Kommission zur Aufdeckung des russischen Staatsdopings

Younger war genau der richtige Mann. "Ich habe fast 30 Jahre für das Landeskriminalamt München gearbeitet, in fast allen Bereichen. Rauschgift, Organisierte Kriminalität, Staatsschutz", berichtet der kahlköpfige Ermittler, der sich als Mitglied der Dreier-Kommission zur Aufdeckung des russischen Dopings im vergangenen Jahr einen Namen gemacht hat. "Die Arbeit der unabhängigen WADA-Kommission zu Russland hatte gezeigt, dass da mehr Potenzial ist", sagte Younger.

Younger stellte in den Gesprächen mit den Athleten großen Frust fest. "Frust darüber, dass sich nichts tat, obwohl manche ausgesagt hatten", berichtete der Polizist. Aber es gab auch arrogante Athleten und Funktionäre, dich nicht aussagen wollten. "Und das ist etwas, was Polizisten besonders ärgert. Wenn manche glauben, sie stehen über dem Gesetz", sagte Younger, der feststellte, dass er sich immer mehr für den Bereich interessierte.

Younger, der Seibold hieß, bis er den Namen seiner neuseeländischen Frau annahm, sieht sich in der Kette der Ermittler ganz am Anfang. "Man kann Zeugen vernehmen, man kann Beweismittel wie Videos ansehen. Es gibt dann so ein Gefühl, bei dem man sagt, jetzt sind die Vorermittlungen soweit, dass ein Verdacht besteht", erklärt der Fan des Fußball-Rekordmeisters Bayern München.

Younger von Whistleblowerin Julia Stepanowa beeindruckt

Begeistert zeigte sich Younger von Whistleblowerin Julia Stepanowa, die mit ihren Aussagen zum Doping-System in ihrer Heimat den Stein ins Rollen brachte. "Julia Stepanowa hat mich beeindruckt. Ich habe viel mit ihr gesprochen. Sie liebt den Sport über alles und ist mit ihrem Mann eine überzeugte Nicht-Doperin geworden", sagte Younger über die 800-m-Läuferin, die zunächst selbst als Doperin erwischt worden war.

Stepanowa, die kein Startrecht vom IOC bei den Spielen in Rio erhielt, habe eine positive Wandlung vollzogen. "Sie hat sich entschieden, nicht nur drogenfrei zu bleiben, sondern hat sich gegen ein komplettes System aufgelehnt und ihr Heimatland samt Familie verlassen, um den Sport sauberer zu machen. Das finde ich beachtlich", sagte Younger.

SID

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