Radsport-Renaissance in Deutschland - Team vorgestellt

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Das Radsport-Team "Giant-Alpecin" stellte sich in der französischen Botschaft in Berlin vor. Foto: Lukas Schulze

Berlin (dpa) - Das neue deutsche Eliteteam Giant-Alpecin lud zum Radsport-Gipfel nach Berlin und die Prominenz stand Schlange.

Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme, Weltverbands-Präsident Brian Cookson und Justizminister Heiko Maas, Mitinitiator des deutschen Anti-Doping-Gesetzes, waren Gast in der Französischen Botschaft. Erinnerungen an große Radsportzeiten des Teams Telekom und T-Mobile - jedenfalls in Bezug auf die Außenwirkung - wurden wach. 

"Nach schwierigen Jahren erleben wir heute so etwas wie die Morgendämmerung des deutschen Radsports", sagte Cookson der Deutschen Presse-Agentur und verwies in diesem Zusammenhang auch auf den am Mittwoch offiziell verkündeten Wiedereinstieg der ARD in die Live-Berichterstattung von der Tour für die kommenden zwei Jahre.

Ähnlich sah es Prudhomme. "Das Puzzle setzt sich allmählich zusammen. Deutschland hat große Champions wie Marcel Kittel. Nun ein deutsches Team und der TV-Einstieg der ARD: Das ist sehr wichtig für den Radsport", sagte der Tour-Chef. Kittel und Geburtstagskind John Degenkolb waren ob des Massenandrangs hin und weg. "Das war heute ein krasser Start ins neue Radsport-Jahr mit dieser Präsentation und dem neuen Engagement. Ich fühle eine Aufbruchstimmung", erklärte der achtmalige Tour-Etappengewinner Kittel. Degenkolb ergänzte: "Heute ist nicht nur mein Geburtstag, sondern auch eine Art Grundsteinlegung für die Zukunft." 

Maas zeigte sich als Fan des neuerdings wieder salonfähigen Radsports. "Wir müssen gemeinsam dafür kämpfen, dass der Generalverdacht gegenüber dem Radsport verschwindet. Es lohnt sich, verlorenes Vertrauen für diese faszinierende Sportart wiederzugewinnen", sagte der Minister. Degenkolb und Kittel stünden "mit einigen anderen zusammen für eine neue Generation im Deutschen Radsport. Ich danke Ihnen sehr für ihre Unterstützung für das Anti-Doping-Gesetz".

Mit den beiden Topsprintern an der Spitze präsentierte sich das 27-köpfige Team mit dem neuen deutschen Sponsor aus Bielefeld im Schatten des Brandenburger Tores. "Giant-Alpecin ist ein international ausgerichtetes Team mit einem deutschen Herzen", sagte der Hausherr, der französische Botschafter Philippe Etienne. Teamchef Iwan Spekenbrink lobte seine Branche für das "größte und effektivste Anti-Doping-Programm" und propagierte saubere und transparente Leistungen. Für vier Jahre hat sich der Shampoohersteller mit dem markanten Werbespruch ("Doping für die Haare") verpflichtet, das Gesamtvolumen soll sich auf 16 Millionen Euro belaufen.

Seit dem Ausstieg von Milram im Jahr 2010 hat es kein deutsches Team mehr in der World Tour gegeben - der Radsport erlebte fürchterliche Zeiten mit nicht enden wollenden Dopingskandalen. "Es ist eine Fassade zusammengebrochen. Nun macht es mich stolz, dass wir das Vertrauen zurückgewonnen haben", sagte Degenkolb.

Es ist ein Vertrauensvorschuss, den Kittel und Co. bestätigen wollen. "Unsere Botschaft ist klar: Wir stehen für sauberen und transparenten Radsport." Parallelen zum einstigen Telekom-Hype in den 90er Jahren wollte Kittel nicht geltenlassen: "Wir wollen unseren eigenen Weg gehen und den Ball flach halten."

Ausgeklammert wurde das Thema Doping in Berlin jedenfalls nicht. Denn das Problem ist weiter existent, wie die fünf Dopingfälle beim Skandal-Rennstall Astana innerhalb von drei Monaten zeigten. Trotzdem hatte das kasachische Team die Lizenz erhalten. "Ich bin mit der Entscheidung nicht einverstanden. Es gibt immer noch schwarze Schafe", sagte Degenkolb. Cookson betonte, dass dem Weltverband UCI in diesem Fall wegen des Regelwerks die Hände gebunden waren. "Das war sehr frustrierend und ein Rückschlag", betonte Cookson.

Prudhomme wollte dazu nichts sagen - viel lieber sprach der Tour-Chef von der "Wiederauferstehung" des Radsports im Nachbarland. "Von 2006 bis 2014 hatten wir nur eine Anfrage aus Deutschland, eine Tour-Etappe auszutragen, jetzt sind es seit Ende Oktober schon vier", sagte der Franzose. Münster und Städte aus dem Saarland, wie etwa St. Wendel sollen dazugehören. Aber frühestens 2017 könnte es soweit sein.

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