Teamgeist

Der Traum von Olympia: Sportliche Zwillinge und Drillinge 

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tz-Reporter Mathias Müller mit den estnischen Marathon-Drillingen Leila (30), Lily und Liina (v. li.).

Rio - Dass bei Olympia der Teamgeist besonders gefragt ist, ist bekannt. Doch was, wenn sich das Team schon ein Leben lang kennt? Unser Olympia-Reporter hat die deutschen Marathon-Zwillinge und Drillinge aus Estland getroffen.

tz-Reporter Mathias Müller mit den Marathon-Zwillingen Lisa (r.) und Anna Hahner.

Anna, Lisa, Leila, ­Liina, Lily, blonde Damen, wohin ich auch blicke. Ich muss zugeben: Ich bin überfordert. Die deutschen Marathon-Zwillinge Lisa (26) und Anna Hahner auseinanderzuhalten, ist schwer genug, wenn man nicht regelmäßig mit ihnen zu tun hat, aber in Kombination mit den Drillingen Leila (30), ­Liina (30) und Lily Luik aus Estland verliere ich kurz den Überblick. „Wenn wir die drei länger nicht gesehen haben, brauchen ich auch kurz, bis ich es wieder weiß“, gesteht mir Anna. Was die fünf eint: Sie starten beim olympischen Marathon am 14. August.

Dass Drillinge zusammen bei Olympia antreten, ist ein Novum. Pro Land dürfen drei Athleten laufen, in Estland ist das Familie Luik. Bis vor sechs Jahren waren sie professionelle Hiphop- und Showtänzerinnen, gaben Tanzunterricht und arbeiteten als Leibwächterinnen. Dann begannen sie ernsthaft Marathon zu laufen.

Hahner-Twins und estnische Drillinge

Die Vorbereitung verbrachten sie gemeinsam mit den Hahner-Twins im Trainingslager in Kenia. Bei den Bestzeiten haben die deutschen Mädels die Nase vorne. Anna (2,26 Stunden) liegt vor Lisa (2,28). Bei den Drillingen ist Leila (2,37 Stunden) die Schnellste, danach folgen Liina (2,39) und Lily (2,40). Prognosen abzugeben, sei aufgrund der äußeren Bedingungen schwierig. Aber alleine hier zu sein, sei ein großer Erfolg. „Für uns geht ein Traum in Erfüllung. Vor vier Jahren waren wir in London bei der Eröffnungsfeier und haben uns gesagt, dass wir das auch einmal erleben wollen“, erzählt Lisa, die als deutsche Meisterin als erste die Qualifikation gepackt hat. Im letzten Moment sprang auch Anna auf den Zug auf. „Ich hätte mich auch gefreut, wenn es nur eine von uns geschafft hätte. Aber natürlich wollte ich selbst laufen“ so Anna. Böse Zungen behaupten, die beiden würden sich mehr auf die Vermarktung als auf ihre sportlichen Leistungen konzentrieren. Lisa sieht das gelassen: „Kritiker gibt es immer, aber die Entscheidung, wie man sich aufstellt, ist jedem selbst überlassen. Wir machen das, was wir für richtig halten und sind zufrieden, so wie es läuft.“

Auch bei den Drillingen ist ein gewisses Maß an Vermarktung nicht zu verleugnen. Wer will es den Fünf verdenken, von selbst laufen die Sponsoren nicht zu Marathonläufern. „Das wichtigste ist, das Ziel mit einem Lächeln auf unseren Gesichtern zu erreichen und unser Land gut zu präsentieren“, sagt Leila. Die rund 1,3 Millionen Einwohner ihrer Heimat werden es ihnen danken. „Dort kennen uns alle“, sagt Lily. Ich jetzt auch.

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