TV-Kritik

Olympia im TV: Bei welchen Moderatoren sich das Einschalten lohnt

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Voll den Durchblick: Mörder-Rudi in Rio.

München - Kalt ist es am Zuckerhut. Jörg Heinrich nimmt sich deshalb die ZDF-Olympia-Moderatoren zur Brust und prüft, wer uns kalt lässt und wer das Zeug zum Glutofen hat. 

Der frühe, der mittlere und der späte Vogel fangen den Wurm. Egal, wann man derzeit den Fernseher einschaltet – Olympia ist schon da, und die TV-Quoten steigen täglich. Als die „Bogenschießerin“ (Einblendung im „Heute-Journal“) Lisa Unruh Silber holte, traf auch das ZDF ins Schwarze (s. TV-Spitzenreiter). Wir verraten, wem Sie in der zweiten Woche unbedingt zuschauen sollten, und warnen dringend vor gesundheitsgefährdenden Olympiafernsehen am Vormittag.

Gerhard Delling und Alexander Bommes 

Wir haben einen kompletten Olympiatag mitgestoppt, also 16 Stunden lang. Erschütterndes Ergebnis: Delling und Bommes, das Schwafelgeschwader vom Ersten, kommt insgesamt 57 Mal ins Bild, und erzählt Zeug. Das heißt rein rechnerisch: Exakt alle 15 Minuten ist Schluss mit Sport, und es wird schon wieder Zeit für Delle, der „den langen Olympiatag zurechtfrickelt“, und der übers Turnen verrät: „Wer da gewinnt, der bekommt Gold, der Zweite Silber, der Dritte Bronze.“ Das, so hört man, wird auch in anderen Sportarten ganz ähnlich gehandhabt. Plapperbilanz: 42,5 Minuten eines ARD-Tages bestehen aus Delling, und weitere 22,5 Minuten aus Bommes. Was könnte man da alles für schönen Sport zeigen. Und noch eine erstaunliche Zahl: Nur 46 Prozent bestehen aus Live-Sport. Dafür hat sich die ARD (beim ZDF ist es kaum anders) keine Goldmedaille verdient.

Tom Bartels 

Pfeif auf Objektivität – der ARD-Kommentator ließ beim Schwimmfinale der Doping-Russin Julia Efimova seinen Gefühlen freien Lauf und feuerte Gegnerin Lilly King entschlossen an: „Bitte King!“ Nach dem Sieg der Amerikanerin jubelte Bartels, als hätte Franzi van Almsick auf ihre älteren Tage doch noch Gold geholt: „Ja, ja! Ein Sieg für den Sport gegen eine Athletin, die der Konkurrenz schamlos ins Gesicht lacht!“ Prima, dass er in Sachen Doping nicht so rumeiert wie Honeckers einstige Paradeschwimmerin Kristin Otto, die beim ZDF als Expertin für Staatsdoping am Beckenrand steht. Eine interessante Idee vom Zweiten, allerdings muss man zugeben: Endlich eine Fernseh-Fachkraft, die weiß, wovon sie spricht.

Vormittags-Olympia 

Morgens um neun, wenn die Welt nicht mehr in Ordnung ist, starten die Öffentlich-Rechtlichen mopsfidel in den Tag, und bedrohen arglose Sportfans mit den Highleids der Nacht. Pardon, mit den Highlights. Das Motto lautet: „Guten Morgen, Deutschland! Bleiben Sie lieber im Bett!“ Das gilt vor allem, wenn die ARD sendet. Denn hier veranstalten Michael Antwerpes und Jessy Wellmer eine Art Sport-Fernsehgarten, bei dem sie als Cindy und Bert von der Copacabana fungieren. Die beiden wechseln sich beim Sprechen innerhalb eines Satzes ab, wie man das sonst nur von Tick, Trick und Track kennt. Das klingt dann wie folgt. Er: „Bronze für die Judoka Laura Vargas-Koch.“ Sie: „...und zwar in der Gewichtsklasse bis 70 Kilo.“ Sie: „Da schauen wir doch mal eben hin.“ Er: „...auf die Tabelle.“ Hier wird der Interviewpartner gefragt: „Wenn Sie eine Pizza wären – welche?“ Am Ende stehen Olympia-Cindy und Rio-Bert vor einem echten Spiegel (Medaillenspiegel, höhö!), auf den sie deutsche Medaillen nach Männlein und Weiblein getrennt malen. Das Morgen-Olympia taugt höchstens zur Sitcom. Titel: The Big Plemplem Theory.

Rudi Cerne und Katrin Müller-Hohenstein

Über ZDF-Moderator Cerne sagen viele zu Recht: „Den Cerne aus Herne seh ich gerne, wenn er sendet aus der Ferne.“ Kein Wunder: Eiskunst-Rudi ist wohltuend normal geblieben. Und wenn’s sein muss, rohrspatzelt er wie ein Fan vor dem Fernseher: „Blech, das ist wirklich beschissen.“ Kollegin Müller-Hohenstein glänzt vor allem turnerisch. Mal steht KMH vor ihrer Couch, mal dahinter. Mal sitzt sie rechts drauf, mal links, mal lümmelt sie lässig auf der Lehne. Nur unter der Couch saß sie noch nie, aber das kommt noch. Elegant flattert die Nadia Comaneci vom Zweiten bei ihrer rhythmischen Wortgymnastik durchs Studio, bewegt sich viel und informiert wenig. Nur Tina Turner hat noch schöner geturnt als Katrin.

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