Euro-Gold in Zürich

Harting: Darum blieb sein Trikot heil

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Oberkörperfrei, aber mit intaktem Trikot: Robert Harting feierte seinen EM-Titel in Zürich ausgelassen.

Zürich - Robert Harting hat auch bei der Europameisterschaft 2014 in Zürich alle Erwartungen erfüllt. Und diesmal bleib sogar sein Trikot heil. Schuld daran: Seine Oma.

Robert Harting ist und bleibt der unumstrittene „King im Ring“. Nach dem Olympiasieg von London und dem WM-Triple verteidigte der Berliner auch seinen Titel bei der Leichtathletik-EM in Zürich souverän. Der 29-Jährige warf im Letzigrund-Stadion 66,07 m und sicherte sich damit den fünften großen Titel in Serie - eine im Diskuswurf einzigartige Leistung. Am Ende kniete Harting nieder und küsste den Ring.

„So schlecht und gleichzeitig so gut war ich noch nie“, sagte Harting: „Die Bedingungen waren sehr schwierig, der Ring unheimlich glatt - ich bin happy. Der Titel rangiert für mich dicht hinter dem Olympiasieg.“

Harting: Seit 1464 Tagen ungeschlagen

Silber ging an den Ex-Weltmeister Gerd Kanter aus Estland mit 64, 75 m, Bronze gewann der Pole Robert Urbanek (63,81). Dessen Landsmann und Hartings Dauerrivale Piotr Malachowski musste sich überraschend mit Rang vier begnügen (63,54). Der WM-Vierte Martin Wierig (60,82/Magdeburg) kam nicht über Platz elf hinaus, Daniel Jasinski aus Wattenscheid wurde mit 62,04 m Siebter.

Harting ist damit seit 1464 Tagen bei großen Meisterschaften ungeschlagen. Letztmals musste sich der 2,01-m-Hüne bei der EM 2010 geschlagen geben, als ihm Malachowski Gold weggeschnappt hatte. In Zürich warf Harting mit neuen Schuhen und verzichtete deshalb auf Socken. „Um ein besseres Gefühl zu haben“, wie er sagte. Den angestrebten Meisterschaftsrekord verpasste er aber.

Zudem verzichtete Harting nach dem letzten Wurf auf seinen weltberühmten Jubel und ließ sein Trikot heil. Er zerriss es nicht, weil seiner Oma Renate diese Geste nicht gefalle. „Und diesen Wunsch werde ich ihr erfüllen“, hatte Harting in der Bild-Zeitung angekündigt und hielt Wort. Stattdessen kuschelte er mit seinem Trikot.

„Big Harting“, der in dieser Saison endlich seine chronischen Knieprobleme in den Griff bekommen hatte, erzielte seine Siegesweite im dritten Versuch. Malachowski, Weltjahresbester in dieser Saison mit 69,28 m, und Co. konnten nicht mehr kontern.

Von Anfang bis Ende dominant

Hartings Triumph bescherte dem deutschen Leichtathletik-Verband nach dem souveränen Titelgewinn von Kugel-Koloss David Storl zum EM-Auftakt am Dienstag das zweite Gold in der Schweiz.

Schon in der Qualifikation hatte der alte und neue Europameister den besten Eindruck hinterlassen. Mit nur einem einzigen Wurf auf 67,01 m war er ins große Finale eingezogen und sparte so wichtige Kräfte. Das hat sich am Ende ausgezahlt. Harting ist und bleibt der „King im Ring“.

Dabei kümmert sich Harting schon längst nicht mehr nur um den perfekten Abwurf. Neben dem Sport treibt er noch sein Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation voran und ist zudem das Aushängeschild der von ihm mitinitiierten Deutschen Sportlotterie. Deshalb hat es mit dem ganz großen Wurf über die 70-Meter-Marke in diesem Jahr bisher auch nicht geklappt. „Es ist viel nebenbei passiert“, hatte Harting vorher gesagt: „Wenn man ganz ehrlich ist, war ich diese Saison ja gar nicht so richtig gut.“ Für den Titel reichte es trotzdem.

SID

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