Schatten des Verdachts: Die Macher des WM-Sommers 2006

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Die Mitglieder des DFB-Bewerbungskommitees für die Fußball-WM 2006 (v.l.n.r.): Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, Fedor Radmann und Wolfgang Niersbach. Foto (2000): Rolf Haid Foto: Rolf Haid

Nach den Enthüllungen des "Spiegel" um angebliche schwarze Kassen und mutmaßliche Bestechung vor der Wahl des WM-Gastgebers 2006 setzt sich der DFB heftig zur Wehr. Doch wer sind die zentralen Figuren in der delikaten Angelegenheit?

Berlin (dpa) - Die hochbrisanten Vorwürfe zu einem angeblichen Kauf von Stimmen bei der Vergabe der WM 2006 beschäftigen den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Der Verband weist die vom "Spiegel" erhobenen Anschuldigungen mit Macht zurück und droht mit juristischen Gegenmaßnahmen. Sowohl beim DFB als auch bei der FIFA werden sich dennoch interne Ermittler der Aufklärung der Sache annehmen. Im Fokus dürften dabei auch die Macher des Sommermärchens stehen - und ein ehemaliger Adidas-Chef.

Franz BECKENBAUER: Seine Weltreisen als Chef der deutschen WM-Bewerbung sind längst legendär. Der Fußball-Kaiser jettete schier unermüdlich um den Globus und warb sogar in der Südsee charmant für eine Weltmeisterschaft in Deutschland. Vor allem wegen dieser perfekt inszenierten PR-Tournee gilt Beckenbauer als der Mann, der die WM in seine Heimat holte. Es war seine Krönung als Sportfunktionär. Nach der WM war der Weltmeister von 1974 noch vier Jahre Mitglied der FIFA-Exekutive. Im Sommer 2014 war er dann kurz von der FIFA gesperrt, weil er den Ermittlern zunächst keine Auskunft zur umstrittenen Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 an Russland und Katar gab. Heute hat der 70-Jährige kein Spitzenamt mehr.

Wolfgang NIERSBACH: Als Mediendirektor und Vizepräsident des Organisationskomitees machte Niersbach Karriere beim DFB. "Von der ersten Minute an" sei er bei der WM-Bewerbung dabei gewesen, versicherte der heutige Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt gern. Niersbach koordinierte damals die Öffentlichkeitsarbeit, prägte also das Bild von der WM 2006 entscheidend mit. Ein Skandal um die Vergabe des Turniers käme Niersbach heute mindestens genauso ungelegen wie damals. Der DFB-Chef wäre damit wohl auch aus dem Rennen um die Chefposten bei FIFA und UEFA. Sein Verband bezeichnet die Enthüllungen des "Spiegel" als haltlos.

Fedor RADMANN: Wo Beckenbauer auf seiner WM-Werbetour auftauchte, war Radmann zumeist nicht weit. Der umtriebige Berater war hinter den Kulissen als Strippenzieher wohl eine entscheidende Figur vor der WM-Vergabe an Deutschland. Danach gehörte der gebürtige Berchtesgadener dem WM-Organisationskomitee zunächst als Vizepräsident an, musste aber wegen seiner diversen Beraterverträge das Amt aufgeben. Mit wenig Glück engagierte er sich später als Geschäftsführer der Salzburger Bewerbung um Winter-Olympia 2014 und Australiens Kandidatur um die WM 2022. Beide Anläufe scheiterten.

Theo ZWANZIGER: Der spätere DFB-Chef rückte für Radmann als Vizepräsident ins Organisationskomitee nach. Dort war der Jurist für Finanzen, Personal und Recht verantwortlich. 2011 übernahm Zwanziger den Platz von Beckenbauer in der FIFA-Regierung. Mit seinem Nachfolger Niersbach hat Zwanziger sich inzwischen überworfen. Auch den Weltverband und dessen skandalumwitterten Präsidenten Joseph Blatter griff Zwanziger zuletzt vehement an. Dabei kritisierte der 70-Jährige auch die dubiose Vergabe der WM 2022 an Katar.

Horst R. SCHMIDT: Der damalige DFB-Generalsekretär war eine der zentralen Figuren für WM-Bewerbung und Organisation. Er galt als rechte Hand Beckenbauers, als Hirn der deutschen Weltmeisterschaft. Schon 1974 hatte er die WM in Deutschland mitorganisiert, vor der WM 2010 holte ihn die FIFA als Nothelfer nach Südafrika. Als Ehrenmitglied des DFB wurde er 2013 in den Ruhestand verabschiedet. Zur Vergabe der WM 2006 sagte er bei Sky: "Mir war von einer schwarzen Kasse nichts bekannt. Die Stimmen sind nicht gekauft worden."

Robert LOUIS-DREYFUS: Der frühere Adidas-Chef galt bis zu seinem Tod im Juli 2009 als eine der schillerndsten Figuren der europäischen Sportszene. Der Franzose entstammt einer milliardenschweren Unternehmer-Familie und bezeichnete sich als "fußballverrückt". Der "Spiegel" berichtet nun, Louis-Dreyfus habe dem deutschen Bewerbungskomitee privat 13 Millionen Mark geliehen. Dieses Geld könne möglicherweise dafür eingesetzt worden sein, entscheidende Stimmen in der FIFA-Regierung für die Wahl des Gastgebers der WM 2006 zu kaufen. Der DFB räumt zwar Ungereimtheiten um eine Summe in der vergleichbaren Höhe von 6,7 Millionen Euro ein, bestreitet aber schwarze Kassen und den Kauf von Voten. Adidas äußerte sich nicht.

DFB-Mitteilung

Erklärung des DFB

Bericht auf spiegel.de

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