Jubel inzwischen der Ernüchterung gewichen

Der Schatten über Rios Olympia-Spektakel

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Im Fußballtempel Maracanã sollen Eröffnungs-und Schlussfeier der Olympischen Spiele 2016 ausgetragen werden.

Rio de Janeiro - 2016 gibt es die ersten Olympischen Spiele in Südamerika - doch der Jubel bei der Vergabe ist Ernüchterung gewichen.

Die Sportstätten werden zwar wohl fertig, aber ein Korruptionsskandal und Geldprobleme machen zu schaffen - und die Kosten bergen neues Protestpotenzial.

Eduardo Paes humpelt derzeit auf Krücken zu Terminen, Rios Bürgermeister hat sich ausgerechnet beim Tanzen auf der Weihnachtsfeier seiner Stadtverwaltung den Fuß gebrochen. Als hätte er nicht schon genug Theater. Eine akute Versorgungskrise in den Krankenhäusern der Stadt sorgt für Proteste. Und auch die Vorbereitungen für die Olympischen Spieler kommen derzeit eher an Krücken daher, statt Vorfreude ein ganzes Bündel an Problemen.

220 Tage noch bis zu den ersten Olympischen Spielen in Südamerika. Und anders als in Athen, als das Olympiastadion 2004 erst kurz vor der Eröffnung fertig wurde, sind es gar nicht so die Sportstätten, die Sorgen bereiten. Im Olympiapark in Barra, knapp 40 Kilometer von der Copacabana entfernt, sind die Sportstätten zu 95 Prozent fertiggestellt. Lediglich beim Velodrom könnte es etwas knapp werden.

Es sind vor allem externe Faktoren, die Paes zu einem Krisenmanager machen. Die Landeswährung Real hat an Wert gegenüber dem US-Dollar und dem Euro verloren. Da viele Rechnungen in Dollar beglichen werden müssen, muss heftig gespart werden. Das Budget der Organisatoren ist auf 7,4 Milliarden Real begrenzt, vor ein paar Monaten waren das noch über zwei Milliarden Euro, jetzt sind es nur noch 1,7 Mrd. Euro.

Die fünf Krisen vor Olympia 2016

Das Budget beinhaltet nicht den Bau von Stadien, sondern Kosten für Eröffnungs- und Schlussfeier, Unterkunft, Transport und Verwaltung. Kommunikationschef Mario Andrade brachte ins Spiel, dass die Athleten die Kosten für Klimaanlagen selbst tragen sollen. Auch bei der Zahl der Fernseher im Olympischen Dorf könnte gespart werden, auch die Eröffnungsfeier dürfte weniger opulent als die in London 2012 ausfallen, bei der James Bond ein spektakuläres Gastspiel hatte.

Die Klimaanlagen-Idee bracht viel Kritik. Auf Anfrage betont Sprecher Lucas Dantas nun: „Wir werden in allen Apartments Klimaanlagen einbauen. Kein Sportler muss dafür zahlen.“ Auch die Zahl von 70 000 Freiwilligen bleibe bestehen. Paes betont, er wolle nachhaltige Spiele. Sein Vorbild lautet Barcelona 1992: Spiele der Herzen mit vertretbaren Kosten und einem anschließenden Touristenboom.

Die meisten Wettbewerbe - darunter Schwimmen, Radfahren, Handball, Basketball, Turnen und Tennis - finden draußen in Barra statt. Jetzt schon eine eigene Stadt, wird die Ausdehnung der 6,5-Millionen-Stadt Rio so vorangetrieben. Viel neuer Wohnraum soll entstehen - und eine der drei Carioca-Hallen nach den Spielen zu einer Schule umgebaut werden. Aber: Die Bewohner der angrenzenden Favela Vila Autódromo beklagen Repression und Verdrängung durch die Militärpolizei.

Hohe Kosten aber kein Olympiastadion

Die Gesamtkosten mit Stadienbauten und Infrastrukturmaßnahmen liegen derzeit laut Paes bei 38,7 Milliarden Real (8,9 Mrd. Euro), davon sollen 57 Prozent aus privaten Mitteln kommen. Es soll keine „weißen Elefanten“, geben, Bauten, die danach vergammeln. Eine Lehre aus der Fußball-WM. So gibt es auch kein „echtes Olympiastadion“. Im Stadion des Fußballvereins Botafogo finden die Leichtathletikwettbewerbe mit Superstar Usain Bolt statt, es bietet aber nur 60 000 Zuschauern Platz. Eröffnungs- und Schlussfeier finden im Fußballtempel Maracanã statt. Die Spiele werden in der ganzen Stadt verteilt stattfinden.

Es gibt vor allem fünf Risiken, die die Organisatoren umtreiben: Die ökonomische Krise des Landes, ein Korruptionsskandal, der seit 2014 die Justiz beschäftigt. Dazu kommen eher bescheidene sportliche Aussichten der Gastgeber und das Umweltproblem in der berühmten Guanabara-Bucht, wo die Segler ihre Entscheidungen haben werden. Zudem droht die Metro-Linie zum Olympiapark als größtes Infrastrukturprojekt nicht rechtzeitig fertig zu werden.

Leiter Bartelt erwartet nichts Gutes

Dawid Danilo Bartelt, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio, hat sich ausführlich mit den sportlichen Großereignissen Fußball-WM und Olympia beschäftigt. Er erwartet nichts Gutes. „Die hochfliegenden Versprechen, welche Verbesserungen die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2014 den Menschen in Brasilien bringen sollte, sind nicht eingehalten worden“, schreibt er einer neuen Analyse. „Im Gegenteil: Die teuerste WM aller Zeiten hat dem Land nicht nur eine bittere sportliche Enttäuschung beschert; auch die ökonomischen und sozialen Kosten werden das Land noch langfristig beschäftigen“, so Bartelt.

Sicher, es würden nun neue Metro- und Schnellbuslinien gebaut, aber letztlich würden einige wenige Investoren und Baufirmen profitieren, und tausende sozial schwache Bürger würden aus ihren Stadtteilen verdrängt. Das berge sozialen Sprengstoff. „Was bereits vor der WM begann, geht nun weiter“, kritisiert Bartelt eine zunehmende Repression in Rio. „Die Polizei „sammelt“ Straßenkinder und andere Obdachlose verstärkt ein, und mehr Jugendliche kommen in Haft.“

85 000 Sicherheitskräfte werden vor und während Olympia im Einsatz sein, schon jetzt ist die Präsenz spürbar erhöht. Oft schaffen es die Brasilianer ja mit ihrem „Tudo-Bem“-Optimismus, Dinge die schlecht aussehen, positiv zu wenden. Bürgermeister Paes jedenfalls ist Mr. Optimismus. Und jenseits aller Risiken, eines ist sicher: Rio de Janeiro 2016 wird der Welt großartige, einmalige Bilder bescheren.

dpa

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