Lurz doch über fünf Kilometer dabei

Schwimm-EM in Berlin: Deutsche mit großen Zielen

Thomas Lurz
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Thomas Lurz.

Berlin - Das DSV-Team will bei der Schwimm-EM in Berlin eine ähnliche Stimmung erzeugen wie bei den berauschenden Titelkämpfen im Jahr 2002.

Zwölf Jahre nach der traumhaften Heim-EM in Berlin hofft der deutsche Schwimmsport an selber Stelle auf ein neues Sportfest der Extraklasse. „Wir wollen den Schwung von damals mitnehmen. Wenn man im eigenen Wohnzimmer eine Fete feiert, dann will man, dass alle zufrieden sind. Und dafür müssen auch die Ergebnisse stimmen“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow vor dem Startschuss der Schwimm-EM am Mittwoch.

Waren die bislang letzten Titelkämpfe auf deutschem Boden mit stimmungsvollen Wettkämpfen und insgesamt 36 Medaillen ein Riesenerfolg für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) gewesen, wäre man jetzt bereits mit 14- bis 19-mal Edelmetall zufrieden. „Die Ziele sind ambitioniert, aber auch zu erreichen“, sagte Buschkow.

Die Erfolgswelle sollen zum Auftakt die Freiwasserschwimmer um Rekordweltmeister Thomas Lurz auslösen, während die Beckenschwimmer in der zweiten EM-Woche ein erneutes Debakel nach Olympia 2012 und der WM 2013 verhindern wollen. Große Hoffnungen ruhen auf den erfolgsverwöhnten Wasserspringern, die Synchronschwimmerinnen haben sich dagegen die Finalteilnahme in allen drei Disziplinen auf die Fahnen geschrieben.

Dominator Lurz will viel mehr - und das auch schon im Fünf-Kilometer-Rennen am Mittwoch. Auf den olympischen zehn Kilometern keine 20 Stunden später geht der Würzburger ohnehin als Top-Favorit an den Start. Die Idee des Startverzichts über die kürzere Distanz hat der erfolgsbesessene Lurz wieder verworfen: „Wenn man so viele Medaillen wie möglich gewinnen will, muss man in den sauren Apfel beißen.“

Der Ausnahmeschwimmer hatte im Vorfeld für mächtig Wirbel gesorgt, weil er den Austragungsort auf der Regattastrecke in Berlin-Grünau kritisiert hatte. „In Grünau schauen uns vielleicht ein paar Wölfe zu. Wir müssen dahin, wo die Zuschauer sind“, hatte Lurz gesagt.

Die Beckenschwimmer sind dagegen voll des Lobes über das mit viel Aufwand und hohen Kosten im Velodrom eingebaute mobile Becken. „Ich kenne die Halle von Rammstein-Konzerten. Das wird ein Hexenkessel“, sagte Weltrekordler Paul Biedermann. Die Euphorie soll dabei helfen, dass ein erneutes internationales Debakel nach Olympia 2012 (ohne Medaillen) und der WM 2013 (eine Medaille) ausbleibt.

Sechs bis acht Medaillen sollen laut Zielvereinbarung her - und wieder müssen es die „Alten“ Biedermann, Marco Koch, Steffen Deibler und und Dorothea Brandt richten. Das Perspektivteam sucht noch nach dem Anschluss, Bundestrainer Henning Lambertz bittet um Geduld: „Wir können innerhalb kurzer Zeit aus Kohle keine Diamanten machen.“

Biedermann sieht sich selbst nach einer zweiwöchiger Zwangspause wegen einer Erkrankung als „kleine Wundertüte“, im mit Spannung erwarteten Duell gegen den französischen Olympiasieger Yannick Agnel hält sich der 28-Jährige aber nicht für chancenlos: „Ich werfe nicht vorher schon die Flinte ins Korn. Aber ich werde sehr kämpfen müssen.“ Freundin Britta Steffen, die vor einem Jahr ihren Rücktritt erklärt hatte, wird auf der Tribüne die Daumen drücken.

Bei den Wasserspringern sind die Synchron-Weltmeister Patrick Hausding und Sascha Klein die Medaillengaranten. Im Wettbewerb vom Turm will das Weltklasse-Duo seine Rekordserie ausbauen und den siebten EM-Titel in Folge gewinnen.

Doch nicht nur sportlich, auch atmosphärisch will der EM-Gastgeber überzeugen. „Ich habe die EM 2002 noch immer vor Augen, ich erhoffe mir wieder so eine großartige Stimmung unter den Athleten und Zuschauern“, sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel.

sid

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