"The Blind Side"

Super Bowl 2016: Footballer Oher hasst den Film über sein Leben

Michael Oher von den Carolina Panthers
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Der Film "The Blind Side" erzählt die Geschichte von Michael Oher - der Football-Spieler ist von dem Streifen nicht sonderlich begeistert.

Santa Clara -  So mancher NFL-Profi hätte gern sein Leben verfilmt. Michael Oher sehnte sich nie danach. Dennoch kam die Story des Left Tackles der Carolina Panthers vor einigen Jahren in die Kinos - und wurde ein Kassenknüller.

Er ist schüchtern, zurückhaltend und fällt in der Menge kaum auf. Dennoch hat Michael Oher etwas Besonderes, etwas, das keiner der anderen Profis vorweisen kann, die am Sonntag bei der 50. Auflage des Super Bowl zwischen den Carolina Panthers und den Denver Broncos dabei sind. Viele von ihnen bieten zwar reichlich Stoff für interessante Stories - doch nur Oher den für Hollywood. Die Geschichte von Carolinas Left Tackle wurde 2009 verfilmt und kam als „The Blind Side“ in die Kinos. Oher war nie ganz glücklich damit, er fand den Film nicht gut. Dennoch: Der Streifen spielte gut 300 Millionen Dollar ein und brachte Sandra Bullock einen Oscar und einen Golden Globe als beste Schauspielerin ein.

Von der Jugend im Ghetto bis zum Gewinn des Super Bowls 

Der Film zeigt Ohers Werdegang, als eines von zwölf Kindern in einer der düsteren Ecken von Memphis geboren. Die Mutter Alkohol- und Cracksüchtig, der Vater sitzt regelmäßig im Gefängnis. Der junge Michael wechselt elf mal die Schule - in neun Jahren.

Als er 18 Jahre alt ist, bemerken Sean Tuohy und Leigh Anne Tuohy sein sportliches Talent. Sie laden ihn zu sich nach Hause ein, geben ihm Nachhilfe-Unterricht und adoptieren Michael schließlich. Seine Noten verbessern sich so enorm, dass er ein Stipendium an der Ole Miss, der University of Mississippi, erhält und in den folgenden vier Jahren dort spielt.

„The Blind Side“ ist eine dieser typisch amerikanischen feel-good-stories a la „Rocky Balboa“ oder „Miracle on Ice“, in denen der scheinbar chancenlose Underdog am Ende doch gewinnt. Im Fall von Oher müsste eigentlich längst eine zweite Folge gedreht werden. Die erste endet mit der Draft 2009. Bei dieser alljährlichen Verteilung der Nachwuchstalente auf die 32 NFL-Teams wurde der Modellathlet als 23. von den Baltimore Ravens verpflichtet.

Ohers Geschichte ging aber weiter. 2013 krönte er seinen steinigen Weg mit dem Super-Bowl-Sieg. Als Baltimore im Endspiel von New Orleans die San Francisco 49ers 34:31 besiegte, saßen unter den 71.024 Zuschauern auch seine Adoptiveltern Sean und Leigh Ann Tuohy mit ihren beiden Kindern.

„The Blind Side“ hat Oher seit der Erstaustrahlung ständig begleitet. Die Mitspieler in Baltimore riefen ihn oft „Big Mike“ - so wie im Film Bullock, die die Rolle von Leigh Ann Tuohy spielt. Doch Oher hasste den Spitznamen. Er konnte sich ohnehin nie für den Streifen begeistern. Er reflektiere sein Leben als Mensch und Sportler nicht richtig. „Was außerhalb des Feldes passiert, das ist eine andere Geschichte. Deshalb finde ich den Film nicht gut“, hatte er einmal gesagt. Die Produktionsfirma habe nie mit ihm gesprochen, vieles, sagt er, sei frei erfunden. „Hollywood eben.“

Der Film suggeriert unter anderem, das seine zierliche Adoptivmutter ihm beibrachte, wie man richtig blockt. Dabei musste ihm, der schon immer um einiges größer war als seine Teamkollegen, niemand zeigen, wie man dem Quarterback die Gegner vom Leib hält. Er fühlt sich ein bisschen unter Wert verkauft, seine harte Arbeit auf und abseits des Feldes wird kaum gewürdigt. Besonders stört Oher sich aber an den Szenen, die ihn wie einen Idioten wirken lassen.

Schlechtes Jahr in Tennessee und erneuter Einzug in den Super Bowl 2016

Auf seine Zeit in Baltimore folgte ein schwaches Jahr bei den Tennessee Titans, so dass ihn der Club nach nur einer Saison entließ. Einige sprachen bereits von einem möglichen Karriere-Ende.

Dass der 29-Jährige nun dennoch im Super Bowl 2016 steht und eine Chance auf seinen zweiten Meistertitel hat, liegt an Cam Newton. Der Panthers-Quarterback war in der Saisonpause auf der Suche nach jemandem, der zuverlässig seine linke Seite bewacht. Bruder Cecil erinnerte sich an Oher, den er aus gemeinsamen Ravens-Zeiten kannte und lobte ihn in den höchsten Tönen. Newton schickte umgehend eine SMS an Oher. „Ich brauche dich. Ich will dich nicht. Ich BRAUCHE dich.“ Diese klaren Worte wirkten. „Du bekommst eine SMS von Cam Newton, und er sagt dir, dass er dich braucht. Das hat mir viel bedeutet“, sagte Oher.

Er unterschrieb für zwei Jahre und spielt - statistisch gesehen - die beste Saison seiner Karriere. Nur viermal gelang es einem Gegner, sich an ihm vorbei zu wühlen und Newton zu Boden zu reißen. Der Spielmacher bezeichnet seinen Bodyguard als „Stützpfeiler“. Dass der „seinen“ eigenen Film hat, ist natürlich auch in Carolina bekannt. Einige Mitspieler zitieren gerne schmunzelnd Sequenzen, und Right Tackle Mike Remmers schickt Oher immer sofort eine SMS, wenn es „The Blind Side“ im Fernsehen gibt. Geht es nach Oher, läuft der Streifen dort viel zu oft.

Wenn Sie noch nicht ganz vertraut sind mit dieser Sportart, erfahren Sie hier die wichtigsten Regeln des American Football.

Tobias Roth/dpa

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