Turn-DM

38 Titel - Hambüchen scheffelt weiter Gold

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Fabian Hambüchen.

Gießen - Angefeuert von Familie und Freunden und gefeiert vom Publikum hat Fabian Hambüchen der nationalen Konkurrenz wieder mal ein Turnlektion erteilt.

Er hat binnen elf Jahren nun schon 38 Goldmedaillen erturnt.

Seinem neunten Mehrkampftitel ließ der Wetzlarer bei den deutschen Meisterschaften in Gießen am Sonntag zwei erste Plätze am Boden und am Reck folgen. Am „Königsgerät“ ließ er im Finale seinen samstäglichen Sturz vergessen, erntete von den Kampfrichtern die DM-Höchstnote von 15,900 Punkten und stieß einen Urschrei der Erleichterung aus.

„Ich fühle mich derzeit pudelwohl, Richtung WM passt einfach alles. Vor allem das Selbstvertrauen ist da“, sagte der ehemalige Reck-Weltmeister, der sich im Mehrkampf nicht einmal von einem Sturz am Reck aus der Ruhe bringen. Nach einer „Hammerübung“ am Boden war der einzige ernsthafte Rivale Andreas Toba (Hannover) wieder in die Schranken verwiesen.

Aber auch mit einem Hambüchen in Top-Verfassung ist Rang acht und damit die direkte Olympia-Qualifikation bei den Welttitelkämpfen Ende Oktober in Glasgow kein Selbstläufer. Denn der männliche Nachwuchs übte vor 2200 Zuschauern in der ausverkauften Sporthalle Ost keinen Druck aus, etablierte Athleten wie der Hallenser Matthias Fahrig und Sebastian Krimmer aus Stuttgart suchen noch nach ihrer Form.

So muss man beim Deutschen Turner-Bund (DTB) viele Hoffnungen auf den noch nicht vollständig genesenen Marcel Nguyen setzen. Ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss kann der Unterhachinger am Boden und beim Sprung noch nicht turnen, durfte sich aber zumindest über eine erfolgreiche Titelverteidigung an den Ringen und einen Sieg am Barren freuen.

„Es war eine schwierige Zeit, ich gehe halt noch mit einem gewissen Respekt auf die Turnfläche“, sagte der ehemalige Barren-Europameister. Doch egal an wievielen Geräten der 28-Jährige in der schottischen Metropole turnt, Hambüchen freut sich über das Comeback Nguyens: „Marcel ist sehr wichtig für uns, ich freue mich einfach, dass er wieder da ist.“

Cheftrainerin Ulla Koch konnte sich darüber freuen, dass ihre Topturnerin Elisabeth Seitz wieder da ist. Der Last-Minute-Sieg im Mehrkampf war Balsam für die zarte Seele der Neu-Stuttgarterin, die so ganz nebenbei mit ihrem fünften Triumph im Vierkampf deutsche Turn-Geschichte schrieb und zu ihren drei Vorgängerinnen Irma Walther, Charlotte Scholz und Karin Büttner-Janz aufschloss.

„Ich werde zwar nicht jünger und habe immer noch zwei Schrauben im Fuß, aber ansonsten geht es mir blendend“, scherzte die 21 Jahre alte Sportsoldatin, nachdem sie die jüngere Konkurrenz mit einer Weltklasseübung am Stufenbarren doch noch einmal hinter sich gelassen hatte. Auch im Gerätefinale ließ sie am Doppelreck alle Konkurrentinnen hinter sich.

Teamchefin Koch lobte Seitz nach kurzem Zögern unverblümt als „Wettkampfsau“, ihr waren aber auch die Schwächen am Schwebebalken, den auch „Eli“ vorzeitig verlassen musste, nicht verborgen geblieben: „Das ist unser WM-Startgerät, da müssen wir weiter an unserer Stabilität arbeiten.“ Denn sogar eine WM-Teamstütze wie die Chemnitzerin Sophie Scheder fiel gleich zweimal vom „Zitterbalken“.

Die Ausnahme von der unschönen Regel war Pauline Schäfer, die nach ihrem Sieg beim Sprung auch am Balken triumphierte. Ihr gelang dort im Finale mit 15,466 Punkten eine Topübung. Koch nahm die Saarländerin von ihrer allgemeinen Kritik gezielt aus: „Pauline zeigt uns, wie es geht.“

Schon bei der zweiten WM-Qualifikation am 3. Oktober in Stuttgart sollen die zusätzlichen Anstrengungen am Balken auch bei Schäfers Teamkolleginnen erste Früchte tragen. Ein Dreiländerkampf am 10. Oktober in Dessau stellt dann die Generalprobe für die Welttitelkämpfe dar.

sid

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