Tops und Flops der 102. Tour de France

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Auch die 102. Tour de France bot viele Highlights. Foto: Kim Ludbrook

Tony Martins Jagd nach Gelb, das spektakuläre Finale in L'Alpe d'Huez oder die vielen Etappensiege der deutschen Radprofis: Die Tour de France 2015 hatte einiges zu bieten. Die unappetitlichen Anfeindungen gegen Spitzenreiter Froome gehörten zu den Schattenseiten.

Paris (dpa) - Die Verantwortlichen der 102. Tour de France wollten ein Spektakel - und sie bekamen es. Am vorletzten Tag kam es zum nervenaufreibenden Finale im Radsport-Mekka L'Alpe d'Huez - mit dem besseren Ende für Christopher Froome.

Im Mittelpunkt standen bei der Tour 2015 auch häufig die deutschen Radprofis, die mit fünf Etappensiegen bis Paris erneut überzeugten. Tour-Patron Froome musste sich neben den Attacken seiner Rivalen auch vieler Dopingfragen erwehren. Die Tops und Flops der Tour 2015 im Überblick:

TOPS:

TONY MARTIN: Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister war der Hauptdarsteller in der ersten Woche der 102. Tour de France. Seine vergebliche Jagd nach dem Gelben Trikot an den ersten drei Tagen nahm schon tragische Züge an. Auf der Kopfsteinpflaster-Etappe nach Cambrai schaffte er es mit einem Solosieg dann doch. Zwei Tage später endete seine Triumphfahrt in Gelb auf dem Asphalt in Le Havre. Mit einem Schlüsselbeinbruch war die Tour beendet. Er ging trotzdem mit einem Lächeln.

DEUTSCHE: Mit fünf Etappensiegen bis Paris knüpften die deutschen Radprofis an die starken Leistungen von 2013 (6 Erfolge) und 2014 (7/Rekord) an. André Greipel stieg mit drei Siegen zum König der Sprinter auf. Neben dem Martin-Erfolg in Cambrai gewann außerdem Simon Geschke die Bergankunft in Pra Loup. Dazu wurde Martin dreimal das Gelbe Trikot überreicht, Greipel fuhr mehrere Tage in Grün. Eine positive Überraschung war der dritte Platz von Tour-Neuling Emanuel Buchmann auf der zweiten Pyrenäen-Etappe. Die starken Leistungen von John Degenkolb wurden dagegen nicht mit einem Etappensieg belohnt.

CHRISTOPHER FROOME: Der Brite war bei der 102. Frankreich-Rundfahrt lange unbezwingbar, ehe es in den Alpen nochmal spannend wurde. Höhepunkt von Froomes Show war der Solo-Sieg in La Pierre-Saint-Martin mit 59 Sekunden Vorsprung. Die Dominanz bei diesem Erfolg erinnerte an Lance Armstrong und warf viele Dopingfragen auf. Bis zum drittletzten Tag prallten alle Attacken seiner Rivalen an dem Toursieger von 2013 ab. Der Vorsprung reichte aber.

NAIRO QUINTANA: Der Kolumbianer machte mit seiner Klettershow in den Alpen die Tour noch einmal spannend. Wer weiß, was passiert wäre, wenn das Ziel in L'Alpe d'Huez noch einige hundert Meter höher gelegen hätte. Verloren hat der Mann aus den Anden die Tour an der Nordseeküste, wo er 1:28 Minuten auf Froome einbüßte. Auch wenn es dieses Jahr noch nicht ganz reichte, dem im Vergleich zu Froome fünf Jahre jüngeren Quintana gehört die Zukunft.

PETER SAGAN: Der Slowake bot pures Entertainment auf dem Rad. Seine halsbrecherische Abfahrt nach Gap hatte höchsten Unterhaltungswert. Kaum ein Tag verging, an dem Sagan nicht in einer Fluchtgruppe vertreten war. Belohnt wurde er nicht. Fünfmal Zweiter, zweimal Dritter, dreimal Vierter, einmal Fünfter war seine bittere Bilanz. Das reichte wenigstens zum Grünen Trikot.

AFRIKANER: Mit MTN-Qhubeka nahm erstmals ein afrikanisches Team bei der Tour teil - und wusste auf Anhieb zu überzeugen. Daniel Teklehaimanot aus Eritrea trug sogar für einige Tage das Bergtrikot und sorgte in seiner Heimat für überfüllte Kinosäle. Höhepunkt war der Etappensieg für MTN durch Stephen Cummings in Mende.

FLOPS:

LANCE ARMSTRONG: Der lebenslang gesperrte Dopingsünder störte wieder einmal die Tour-Ruhe. Der ungebetene Gast aus Texas nahm für zwei Tage an einem Wohltätigkeitsrennen im Dunstkreis der Frankreich-Rundfahrt teil und zog die ganze Aufmerksamkeit auf sich, was er sichtlich genoss. Typisch Armstrong, dass er auch noch Dopingandeutungen Richtung Froome machte.

LAURENT JALABERT: Im französischen Fernsehen grüßt der Ex-Weltmeister täglich als Experte. Dass er Froomes Sieg in den Pyrenäen öffentlich in Zweifel stellte, hatte eine pikante Note. Denn Jalabert ist Ex-Doper, hatte jahrelang gelogen und war erst 2013 bei Nachkontrollen als EPO-Sünder aufgeflogen.

LUCA PAOLINI: Der 38-jährige Italiener sorgte für die bisher einzige positive Dopingkontrolle bei der 102. Tour - und eine merkwürdige obendrein. Der Fahrer vom russischen Katusha-Team wurde positiv auf Kokain getestet, was noch tagelang nachweisbar ist.

ASTANA: Schon vor der Tour sorgte die Skandalmannschaft von Alexander Winokurow für den ersten Eklat. Bei Lars Boom war ein zu niedriger Cortisol-Wert gemessen worden, doch entgegen der Regeln der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) ließ Astana den Niederländer starten. Es half nichts. Astana und Vorjahressieger Vincenzo Nibali enttäuschten weitgehend, der Italiener hatte nur beim Etappensieg in La Toussuire einen Lichtblick.

ALBERTO CONTADOR: Der zweimalige Toursieger war gekommen, um als erster Fahrer seit Marco Pantani 1998 das Double aus Giro und Tour zu gewinnen. Das Unternehmen misslang. In den Bergen blieb der Ex-Doper auffällig unauffällig. Wenn es darauf ankam, konnte er dem Tempo von Froome und Quintana nicht folgen.

ZUSCHAUER: Teile des Publikums präsentierten sich bei der Tour nicht als nette Gastgeber. Speziell Froome und sein Sky-Team mussten einen Spießrutenlauf über sich ergehen lassen. Froome wurde mit Urin beschüttet und angespuckt, sein Kollege Richie Porte wurde in die Rippen geboxt und der Sky-Teamwagen mit vollen Cola-Dosen beworfen.

Momente der Tour de France

Martin-Mitteilung zu Krankenhaus-Aufenthalt

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