Tournee mit Risiko: Vettel soll Langweiler verhindern

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Sebastian Vettel soll die Mercedes-Dominanz der letzten Jahre durchbrechen. Foto: Alejandro Garcia

Für die Formel 1 beginnt am 20. März eine Marathon-Tournee. Der neue Weltmeister wird erstmals in 21 Rennen ermittelt. Und wohl nur einer kann die Dominanz des Mercedes-Duos Lewis Hamilton und Nico Rosberg brechen.

Berlin (dpa) - In der längsten Saison ihrer Geschichte soll ein WM-Duell der Traditionsmarken Mercedes und Ferrari der Formel 1 den Weg aus der Dauerkrise weisen.

Nach zwei Jahren schier erdrückender Dominanz der Silberpfeile konzentrieren sich die Hoffnungen von Fans und Vermarktern vor allem auf Sebastian Vettel. Im zweiten Jahr bei Ferrari gilt der Hesse als wohl einziger Kandidat, der den Langweiler eines weiteren Mercedes-Zweikampfs zwischen Titelverteidiger Lewis Hamilton und Nico Rosberg verhindern könnte. "Wir sind nah dran. Ob es reicht, werden wir sehen. Wenn nicht, dann sind wir dafür gerüstet, die Lücke so schnell wie möglich zu schließen", sagte Vettel vor dem Saisonstart am 20. März in Melbourne.

21 Rennen lang die Spannung hochhalten, das ist die knallharte Aufgabe für die Mercedes-Jäger. Noch nie standen so viele Grand Prix im Kalender eines Formel-1-Jahres. Doch nach den Eindrücken der Testfahrten birgt der aufgeblähte Tourneeplan das Risiko vieler fader Wiederholungen. Erneut präsentierten Hamilton und Rosberg einen Dienstwagen, der mit seiner Sprintstärke und Zuverlässigkeit die Verfolger wie in den beiden Vorjahren zumeist zu Statisten degradieren könnte.

"Wir haben dieses Auto jetzt das dritte Jahr - und es ist noch einmal besser geworden" - dieser Satz von Hamilton muss für den Rest des Feldes wie die Androhung der nächsten Mercedes-Siegesserie klingen. 32 der jüngsten 38 Rennen hat einer der beiden Silberpfeil-Fahrer gewonnen. "Die Formel 1 ist so schlecht wie nie zuvor", motzte auch deshalb Geschäftsführer Bernie Ecclestone, den die Vorhersehbarkeit seines Produkts nervt. Und auch die kochende Rivalität zwischen Hamilton und Rosberg hat nur begrenzten Nervenkitzel, wenn am Ende doch immer der Brite mit dem Titel davonfährt.

"Ich hoffe, es wird nicht wieder eine reine Lewis-und-Nico-Show. Es wäre gut, wenn Ferrari die Show aufmischt und ein echter Wettbewerb entsteht", sagte sogar Hamilton. Sein deutscher Teamkollege dürfte etwas anders denken, kann Rosberg doch bei seinem dritten Anlauf auf den WM-Triumph kaum noch mehr Gegner gebrauchen. Für 2017 sind anders als in diesem Jahr einschneidende Regeländerungen geplant, es könnte daher Rosbergs letzte Chance im besten Auto sein.

Neben den Titelanwärtern Rosberg und Vettel gehen in dieser Saison zwei weitere Deutsche an den Start. Der Rheinländer Nico Hülkenberg, der für Force India fährt, ist längst ein vertrautes Gesicht. Der 28-Jährige gilt als solider Steuerkünstler, wartet aber noch immer auf seinen ersten Podestplatz. Für Jüngling Pascal Wehrlein, der sich als Champion des Deutschen Tourenwagen Masters empfahl, wäre dagegen bei Manor alles andere als ein Lehrjahr im hinteren Teil des Feldes eine Überraschung.

Anders als in der vergangenen Saison darf sich das deutsche Kontingent auch wieder in der Heimat vorstellen. Hockenheim ist Gastgeber des deutschen Grand Prix, der im Vorjahr wegen der Finanznot des Nürburgrings erstmals seit 1960 ausgefallen war.

Probleme mit dem Geld haben die Mächtigen in Aserbaidschan eher nicht, daher jagt die Formel 1 von nun an auch durch die Straßen von Baku. Kritik von Menschenrechtlern an seiner Geschäftspolitik hat Ecclestone noch nie gestört. Folter, Einschränkung der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Haftstrafen für Oppositionelle - die Vorwürfe gegen Aserbaidschan werden auch dem PS-Zirkus beim Gastspiel am 19. Juni unangenehme Fragen einbringen.

Doch nicht Moral, sondern Mammon treibt die Formel 1 an. Als lukrative Chance dürfte Ecclestone auch das Debüt des Haas-Teams bewerten. Schafft der von Ferrari unterstützte Rennstall des US-Unternehmers Gene Haas schnell den Anschluss, winkt der Rennserie endlich mehr Aufmerksamkeit auf dem bislang ziemlich schwierigen Nordamerika-Markt. Inmitten von Dauerzoff und sportlicher Monotonie ist der Formel 1 jede Erfolgsmeldung willkommen.

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