Turner vor Olympia in Rio

tz-Interview mit Nguyen: "Eine zweite Chance bekommst du nicht"

+
Marcel Nguyen trainiert hart für eine weitere Olympia-Medaille.

München - Am Freitag findet die große Eröffnungsfeier in Rio statt. Dann beginnen die Olympischen Spiele auch offiziell. Die tz sprach mit dem Turn-Star Marcel Nguyen.

Er grinste und grinste und grinste! 2012 in London gewann Marcel Nguyen vollkommen überraschend Doppel-Silber! Im Mehrkampf und an seinem Spezialgerät, dem Barren. Selbst der ruhige Hachinger konnte seine Freude nicht verstecken. Aber das ist eben sein Motto: In der Ruhe liegt die Kraft – auch die Dopingkontrolle, die das tz-Gespräch nach hinten schiebt, bringt den 28-Jährigen nicht raus.

Marcel, haben Sie sich inzwischen an die strengen Dopingregeln gewöhnt?

Marcel Nguyen: Ja, aber sich ständig abzumelden und den Aufenthaltsort anzugeben, ist nervig. Man vergisst es leicht, das ist mir auch schon passiert, deswegen sage ich meinen Umfeld immer, sie sollen mich daran erinnern. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, aber es sollte in allen Ländern gleich sein.

Wer Sie kennt, weiß, dass Sie des Öfteren andere Sportler treffen. Handballer Uwe Gensheimer, Tennisspielerin Angelique Kerber, Ringer Frank Stäbler...

Nguyen: Es ist interessant, sich auszutauschen und zu erfahren, wie es den anderen geht, ich nutze solche Möglichkeiten gerne. Ringen möchte ich mit Frankie aber nicht unbedingt…

Was machen Sie abseits der Turnhalle?

Nguyen: Schwimmen kann ich gar nicht, also ich überlebe, aber das war’s auch. Tennis, Golf, Fußball, Squash, Beachvolleyball – die Ballsportarten liegen mir mehr.

Wie sehen Sie Ihre Medaillenchancen?

Nguyen: Am Barren gehöre ich mit vielen anderen zum erweiterten Kreis. Im Mehrkampf, so ehrlich muss man sein, habe ich keine Chance mehr. Das Turnen hat sich enorm weiterentwickelt, in London gab es einen Turner mit einem Ausgangswert über sieben, mittlerweile sind es fünf. Außerdem bin ich am Boden und beim Sprung nicht mehr so stark wie damals, den Anschluss habe ich nach meinem Kreuzband­riss nicht mehr geschafft.

Nach EM-Bronze haben Sie Ihr Programm leicht verändert, warum?

Nguyen: Ich habe eine Felge auf einer Hand herausgenommen, man muss dieses Element eineinhalb oder zwei Sekunden halten, im Training klappt es oft, aber eben nicht immer. So ein Wackelelement ist nicht gut für den Kopf, ich habe es durch einen Doppelsalto auf die Oberarme aus dem Stütz ersetzt, auch wenn ich dadurch ein Zehntel im Ausgangswert verliere und nun bei 6,9 stehe. Dafür turne ich sauber – und im Finale könnte ich’s mir immer noch überlegen.

Wenn Sie Ihre Übung reibungslos durchbekommen...

Nguyen: ... dann passt es und dann habe ich Medaillenchancen. Aber im Turnen kann alles sehr schnell gehen, eine falsche Bewegung und du stehst unten. Das ist vielleicht der Unterschied zu vielen anderen Sportarten, wir müssen auf den Punkt die Leistung bringen. Ich habe 50 Elemente und alles muss auf den ersten Versuch passen, eine zweite Chance bekommt man nicht.

Wenn Sie an London zurückdenken, was fällt Ihnen ein?

Nguyen: Dass es eines der besten Dinge war, die in meinem Leben passiert sind. Deswegen freue ich mich auf Rio, auf die anderen Sportler und auf die Chance, noch einmal um Medaillen zu kämpfen.

Die Olympische Spiele starteten bereits am Mittwoch mit den ersten Spielen im Frauenfußball. Alle wichtigen Ereignisse im Ticker zum Nachlesen.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Boris Becker rechnet mit Novak Djokovic ab
Boris Becker rechnet mit Novak Djokovic ab
Dahlmeier siegt, Herrmann glänzt und Gössner erstarkt
Dahlmeier siegt, Herrmann glänzt und Gössner erstarkt
Boris Becker und Novak Djokovic trennen sich
Boris Becker und Novak Djokovic trennen sich
Formel-1-Weltmeister Rosberg genießt Abschiedstour
Formel-1-Weltmeister Rosberg genießt Abschiedstour

Kommentare