Interview mit Wolfgang Stach

Ultimate Warrior: Wrestling-Experte über dessen Tod

Ultimate Warrior tot
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Der Ultimate Warrior (links) bei seinem Auftritt in der WWE-Show "Monday Night Raw" am Montag, wenige Stunden vor seinem Tod. Rechts: Der Ultimate Warrior auf dem Höhepunkt seiner Wrestling-Karriere.

Der Tod des Ultimate Warrior schockt die Wrestling-Szene. Der große Wrestling-Experte Wolfgang Stach spricht im Interview über dessen WWE-Karriere und den unbekannten Privatmann.

Der Ultimate Warrior (54) ist tot! Diese Nachricht können Wrestling-Fans auf der ganzen Welt noch immer nicht wirklich fassen, seit sich am Dienstag die traurige Meldung wie ein Lauffeuer im Netz ausbreitete. Deutschlands renommierter Wrestling-Experte Wolfgang Stach (55) aus Düsseldorf (Herausgeber und Chefredakteur des Fachmagazins "Power Wrestling) kannte den Ultimate Warrior persönlich. Er holte die Legende im Jahr 1995 zu einem Auftritt nach Deutschland und erlebte auch den Privatmann Brian James Hellwig - so der Geburtsname der WWE-Legende.

Ultimate Warrior tot: Wrestling-Welt unter Schock

Im großen Interview blickt Wolfgang Stach zurück auf den Wrestler, den unbekannten Privatmann und die Karriere des Ultimate Warrior. Wolfgang Stach meint: In den Tagen und Stunden vor seinem Tod war dem Ultimate Warrior sein schlechter Gesundheitszustand deutlich anzumerken.  

Der plötzliche Tod des Ultimate Warrior ist aktuell auch DAS Top-Thema auf Deutschlands größtem Wrestling-Nachrichtenportal Power-Wrestling.

Im aktuellen "Power-Wrestling"-Magazin (05/2014, ab dem 25. April im Handel) finden Fans einen ausführlichen und persönlichen Nachruf des großen Wrestling-Experten Wolfgang Stach auf den Ultimate Warrior. In der aktuellen Ausgabe können Fans noch ein großes Warrior-Porträt lesen.

Ultimate Warrior: Darum faszinierte er die Fans

Herr Stach, in vielen Leserkommentaren unter Online-Artikeln zum Tod des Ultimate Warrior findet man Aussagen wie: "Er war mit Hulk Hogan und dem "Hitman" Bret Hart DER Wrestler meiner Kindheit". Was machte die Faszination des Ultimate Warrior aus?

Der Warrior war eine lebend gewordene Comicfigur. Mit seiner bunten Gesichtsbemalung, seinem extravaganten Outfit und vor allem auch seinem Ringcharakter mit schnellem Einlauf, Zappeln an den Ringseilen und der Einbeziehung der Fans war der Warrior der vielleicht schillerndste Wrestler aller Zeiten. Ringerisch sicherlich beschränkt, machte er dies aber durch seinen Auftritt und das Charisma wieder mehr als wett. Dazu beeindruckte er durch seine Größe und seinen perfekt definierten Bodybuildingkörper. Was aber das Wichtigste war: Der Warrior ragte selbst aus den vielen damals bei der WWE auftretenden Comic-Charakteren hervor und war unverwechselbar. Ein ähnliches Gimmick gab es weder vorher noch nachher. Deswegen war er auch unvergessen und selbst den jungen Fans ein Begriff.

Wann haben Sie den Ultimate Warrior zuletzt getroffen?

Das war 1999 auf der Beerdigung von Owen Hart, einem bei einem missglückten Stunt zu Tode gekommenen WWE-Wrestler, mit dem wir beide sehr eng befreundet waren. 1995 hatte ich den Warrior für vier Tage nach Deutschland zu einem Event geholt, und dort lernte ich den privaten Warrior kennen. Danach hatten wir noch öfter telefonischen und E-Mail-Kontakt.

Ultimate Warrior: So war er privat

Im Wrestling-Ring verkörperte der Ultimate Warrior den Charakter des aggressiven aber gutherzigen Kriegers. Das Privatleben der Wrestling-Legende blieb auch für viele Fans immer ein Geheimnis. Wie haben Sie denn den Privatmann Jim Hellwig erlebt?

Er kennt die WWE-Legenden: Wrestling-Experte Wolfgang Stach (links) mit dem 1999 verstorbenen Wrestler Owen Hart, mit dem ihn eine sehr enge Freundschaft verband. Hier klicken, um das Bild zu vergrößern.

Jim war entgegen seinem Gimmick eher ein sehr introvertierter Mann. Er mochte das teilweise ausschweifende Partyleben nach den Shows nicht und blieb für sich alleine auf dem Zimmer und las oder hörte Musik. Er trank keinen Alkohol, rauchte nicht und nahm auch keine Drogen, mit Ausnahme der für einen derartigen Körperbau unersetzlichen Anabolika. Aber auch diese nahm er nach Ende seiner aktiven Karriere nicht mehr ein, sondern trainierte für seine wenigen Wrestlingauftritte im Vorfeld sehr hart. Jim liebte seine Familie, hielt sie aus der Öffentlichkeit aber heraus. Es dauerte sehr lange, bis man mit ihm "warm" wurde, hatte man aber sein Vertrauen gewonnen, war er ein sehr guter Freund. Vor allem war er auch sehr ehrlich und konnte man sich blind auf sein Wort verlassen.

Welche Meinung hatten denn die anderen Wrestler und WWE-Boss Vince McMahon vom Ultimate Warrior?

Seine Introvertiertheit wurde von vielen Kollegen als Arroganz ausgelegt. So bestand er oftmals auf einer Einzel-Umkleidekabine, aber, wie gesagt, nur deswegen, weil er lieber für sich alleine blieb und die Streiche und vor allem auch Intrigen in der Umkleidekabine hasste. Das Verhältnis zu Vince McMahon war seit seinem Weggang von der WWE 1996 mehr als gespannt. Während die WWE ihm vorwarf, seinen Vertrag nicht erfüllt zu haben, meinte der Warrior, Vince haben seine Zusagen nicht eingehalten. Wenn dem Warrior eins wichtig war, dann, dass vertraglich fixierte Punkte strikt eingehalten wurden, was nach seinen Aussagen bei der WWE am Ende nicht der Fall war. Da der Warrior sein Geld nicht wie viele andere Kollegen verprasst, sondern es sicher und lukrativ angelegt hatte, war er finanziell nicht auf die WWE angewiesen und konnte dadurch seinen Weg gehen – was er auch tat.

Ultimate Warrior: Seine größten Matches

Was waren für Sie die größten Matches des Ultimate Warrior?

Unvergessen für immer wird das schon epische Match gegen Hulk Hogan 1990 bei WrestleMania 6 in Toronto bleiben. Es ist sicherlich eines der besten choreographierten Matches der WWE aller Zeiten, vielleicht sogar das Beste, und riss die knapp 70.000 Fans förmlich von den Sitzen.

Sein bestes Match hatte er aber ein Jahr später bei WrestleMania 7 gegen den "Macho King" Randy Savage in Los Angeles. Da der Verlierer gemäß der Regel die WWE verlassen musste, war die Stimmung sehr geladen und waren die Fans von der Choreographie des Matches hin und her gerissen. Am Ende siegte der Warrior, und Randy Savage musste (zumindest zeitweise) die WWE verlassen.

Nicht vergessen werden darf auch das Match gegen den Honky Tonk Man beim SummerSlam 1988 im Madison Square Garden. Der Mann mit der Gitarre hielt den Intercontinental-Championtitel mit etwas über einem Jahr länger als jeder andere WWE-Wrestler vor ihm, musste sich dem Warrior aber in genau 30 Sekunden geschlagen geben.

Sein letztes großes Match hatte der Ultimate Warrior im Jahr 1998 gegen Hulk Hogan. In den fast 16 Jahren seitdem ist er weitgehend aus dem Rampenlicht verschwunden. Was hat der Ultimate Warrior bzw. Jim Hellwig denn seitdem gemacht?

Der Warrior hatte noch vereinzelte Wrestlingkämpfe, so etwa 2008 in Barcelona, konzentrierte sich aber mehr auf viele andere Dinge. So gründete er die „Warrior’s University“, wo er seinen Fans beibringen wollte, ein „Warrior“ zu werden. Nachdem diese aber konzeptionslos geführt wurde, musste sie nach kurzer Zeit schließen. Zeitweise war er auch als sehr konservativer Redner politisch aktiv, aber auch das hielt nicht lange an. In den letzten Jahren konzentrierte sich Jim in erster Leben auf sein Privatleben und verschiedene Auftritte bei Wrestling Fan Conventions. Erst seit dem Friedensschluss mit der WWE vor etwa einem Jahr interessierte Jim sich wieder mehr für das Wrestling, obwohl er mit dem Wrestling von heute nicht mehr viel anfangen konnte.

Hatte die WWE nach der Aufnahme des Ultimate Warrior in die Hall of Fame und nach seinem bejubelten Auftritt bei "Monday Night Raw" Pläne für die Zukunft mit ihm?

Meines Wissens nach nicht. Es hätte sicherlich noch einige DVDs gegeben, die aber jetzt wohl erst recht veröffentlicht werden dürften. Auch wäre es ggf. zu einem Buchprojekt mit der WWE gekommen. Für Kämpfe wäre der Warrior aber nicht mehr in den Ring gestiegen, zumal seine körperliche Verfassung das auch nicht erlaubt hätte.

Ultimate Warrior: So krank wirkte er

Das Online-Portal tmz berichtet, dass der Ultimate Warrior plötzlich mit Herzbeschwerden auf offener Straße zusammenbrach. Gab es in den Tagen zuvor irgendwelche Anzeichen eines sich verschlechternden Gesundheitszustandes?

In New Orleans war klar zu sehen, dass der Warrior gesundheitlich nicht auf der Höhe war. Er ging sehr schlecht und schnaufte dabei stets sehr heftig. Auch zuckten seine Hände oftmals stark. Auch bei seinen Reden wirkte er sehr angeschlagen. Seine Rede bei Raw klang schon fast so, als ob er von seinem Tod was ahnte, denn er sagte wörtlich: „Jedermanns Herz schlägt eines Tages zum letzten Mal. Seine Lungen holen ihren letzten Atemzug. Und wenn das, was der Mann in seinem Leben getan hat, das ist, was das Blut durch die Körper der anderen fließen lässt, dann wird sein Wesen, sein Geist unsterblich sein.“

Interview: Franz Rohleder

Franz Rohleder

Franz Rohleder

E-Mail:franz.rohleder@merkur.de

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