Van der Vaart ungehalten - HSV-Rückfall in alte Zeiten

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HSV-Star Rafael van der Vaart war nach der Heimniederlage frustriert. Foto: Daniel Reinhardt

Hamburg (dpa) - Bei HSV-Kapitän Rafael van der Vaart lagen die Nerven blank. Der erschreckend schwache Hamburger Auftritt bei der 0:1-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart war ein Rückfall in schlimmste Krisenzeiten. Der Niederländer blaffte einen TV-Reporter an und wirkte fast schon verzweifelt.

Als einer der wenigen HSV-Profis stemmte er sich gegen die Niederlage, musste sich danach aber doch wieder unangenehme Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel, warum er nach seinem Fehlpass vor dem Gegentor nicht zurücklief und hinten mit aushalf oder warum er Georg Niedermeier in der zwölften Minute ohne Not einfach umrammte? "Wir haben alles versucht", sagte er, musste aber auch zugeben: "Ganz große Chancen haben wir nicht gehabt."

Dann kritisierte der Niederländer auch noch die Fans: "Die fangen schon nach 25 Minuten an zu pfeifen. Das kann ich nicht verstehen. Die singen, wir wollen euch kämpfen sehen. Gekämpft haben wir. Aber es war ein schlechter Tag."

Die größte Gelegenheit hatte er selbst - sein Freistoß klatschte allerdings nur gegen die Latte (55.). Nach seiner Fünften Gelben Karte fehlt van der Vaart jetzt auch noch zum Vorrundenabschluss bei Schalke 04. HSV-Coach Josef Zinnbauer nahm den 31-Jährigen in Schutz: "Vor zwei Wochen hieß es noch, er sei nicht aggressiv genug. Jetzt heißt es, er sei zu aggressiv." Van der Vaart habe versucht, das Spiel nach vorne zu treiben. Ohne Erfolg. Der HSV hat nach 16 Spieltagen weiter nur neun Treffer erzielt - lediglich drei Teams in der Bundesliga-Geschichte waren noch harmloser.

In den Katakomben der Hamburger Arena grinste Huub Stevens derweil in sich hinein. In seinem vierten Spiel hatte er gerade den VfB Stuttgart aus dem Tabellenkeller geführt und seinem altbekannten Hamburger SV einen richtigen Tiefschlag verpasst. "Ich hoffe, dass beide Vereine am Ende nicht auf einem Abstiegsplatz stehen, ich bin immer noch gerne in Hamburg", sagte der 61-Jährige nach dem 1:0 gegen nicht bundesligataugliche Gastgeber.

Und dabei mussten die Schwaben gar nicht viel machen. Der HSV begann stark, leistete sich dann aber gegen äußerst defensiv beginnende Gäste so viele Fehler, dass nichts mehr zusammenlief. Besonders Johan Djourou, sonst Stabilisator der Abwehr, war die Unsicherheit in Person. Und nach vorn ging gar nichts. Pierre-Michel Lasogga war wieder einmal ein Schatten seiner selbst und humpelte kurz vor der Pause mit einer Oberschenkelverletzung davon. Artjoms Rudnevs war bemüht, aber unglücklich.

Sogar 40 Minuten gegen zehn Mann nach der Notbremse von Georg Niedermeier fiel der HSV mehr über seine eigenen Füße, als dass er nach vorn gefährlich wurde. "Fraglich, ob die Offensive bundesligatauglich ist", sagte Experte Stefan Effenberg im TV-Kanal Sky.

Zinnbauer fehlte der "Punch in der Box". Aber: Selbst wenn der kam, konnte ihn keiner verwerten. Nur neun Tore sprechen eine eindeutige Sprache. Die HSV-Fans hoffen auf die Rückkehr von Maximilian Beister zur Rückrunde. Ein zusätzlicher Stürmer im Winter ist finanziell wohl nicht drin - es muss eher abgespeckt werden.

Während der HSV ängstlich zum Spiel nach Gelsenkirchen reist, wollen die Stuttgarter gegen Paderborn einen großen Schritt zur Stabilisierung machen. Nach dem Treffer durch Florian Klein (42.) hätten sie schon zur Pause viel höher führen müssen. "Das war ein wichtiges Erfolgserlebnis gegen einen direkten Konkurrenten. Aber so richtig Luft zum Aufatmen haben wir nicht. Nur wenn wir jetzt im letzten Hinrundenspiel auch drei Punkte holen, sieht es gut aus. Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen wäre noch einmal ein Erfolgserlebnis", sagte Daniel Schwaab.

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