IAAF-Experte tritt zurück

Harting: "Manche haben ja gar keine Moral"

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Diskus-Ass Robert Harting.

Bonn - Die ARD-Enthüllungen über ein mögliches Dopingsystem in Russland ziehen weiter Kreise. Als Konsequenz ist nun auch der langjährige Anti-Doping-Beauftragte der IAAF zurückgetreten. Diskus-Ass Robert Harting bekräftigt seine Kritik.

Die Enthüllungen über schwere Doping-Verfehlungen im russischen Sportsystem haben weitere Folgen und Konsequenzen. Nach Berichten der „L'Equipe“ und des „Guardian“ ist auch der Direktor der Anti-Doping-Abteilung im Leichtathletik-Weltverband (IAAF) im Zuge der Affäre zurückgetreten. Der Franzose Gabriel Dollé habe nach einer Befragung durch die Ethikkommission der IAAF sein Amt niedergelegt, meldeten beide Blätter am Freitag.

„Gabriel ist im Alter von 73 Jahren zurückgetreten - das normale Alter für den Ruhestand ist in Monaco 65“, heißt es in einer IAAF-Stellungnahme. „Wir haben keine Informationen darüber, ob Gabriel von der Ethikkommission befragt wurde.“ Zuvor hatte sich bereits Valentin Balachnitschew von seinem Posten als IAAF-Schatzmeister zurückgezogen, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Auch Papa Massata Diack, der Sohn von IAAF-Präsident Lamine Diack, lässt seine Tätigkeit als Marketingberater vorläufig ruhen.

"Manche haben ja gar keine Moral"

Unterdessen hat Diskus-Olympiasieger Robert Harting in der Debatte um Doping in Russland seine Kritik bekräftigt. Er habe einen „russischen Rivalen, der ist in den letzten anderthalb Jahren 20 Kilo schwerer geworden“, sagte der Berliner der Deutschen Presse-Agentur. Einen Namen nannte der 30-Jährige, der nach seiner Kreuzband-Operation zur Zeit eine Reha im bayerischen Donaustauf absolviert, nicht.

„Manche haben ja gar keine Moral. Wo willst du da im Anti-Doping-Kampf ansetzen, wenn die eigene Moral gar nicht gestaltet ist?“, fragte der dreifache Weltmeister. „Wenn sie das so machen müssen und ihre Gesundheit riskieren, dann sind sie schön blöd.“ Man merke, dass „diese Athleten wirklich zum Teil total entmündigt werden und destabilisiert in ihrer Autorität. Sie machen das, was die Trainer sagen, sie sind da regelrecht abhängig.“ Diese Dopingsünder sollten nach Hartings Überzeugung streng bestraft werden: „Solche Athleten sind der typische Fall zwischen lebenslang und vier Jahren.“

Die ARD hatte in der viel diskutierten Dokumentation „Geheimsache Doping“ am 3. Dezember über staatlich unterstütztes Doping in Russland und einen offenbar im Hintergrund wirkenden Betrugs- und Vertuschungsapparat berichtet.

Inzwischen fordert auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) eine schnelle und lückenlose Aufklärung. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sei „in der Pflicht, die Vorgänge selbst oder durch eine unabhängige Expertenkommission aufzuklären und - vor allen Dingen - die nötigen Konsequenzen zu ziehen“, teilte eine NADA-Sprecherin mit. WADA-Chef Craig Reedie und die IAAF hatten bereits Untersuchungen angekündigt.

Bekannt wurde am Freitag, dass die NADA einen Vertrag mit der schwedischen Doping-Kontrollfirma IDTM abgeschlossen hat. Das bestätigte die Bonner Agentur auf dpa-Anfrage. Eine russische Kontrolleurin des Unternehmens war in der ARD-Dokumentation gefilmt worden, wie sie eine Kontrolle bei der 800-Meter-Weltklasseläuferin Julia Stepanowa vorher bei der Athletin ankündigte. Nach den Regeln muss ein Doping-Test unangemeldet gemacht werden.

„Die ARD-Berichte haben wir selbstverständlich zur Kenntnis genommen und gemeinsam mit der Fachanwaltskanzlei, die das Vergabefahren betreut, IDTM bezüglich der Vorwürfe kontaktiert“, teilte die NADA in einer Stellungnahme mit. „IDTM hat auf das anwaltliche Schreiben umgehend reagiert und vollumfassend zu den Vorwürfen Stellung genommen.“ Daraufhin wurde der Vertrag mit IDTM am vergangenen Mittwoch unterschrieben. Danach wird die Firma vom 1. Januar bis 31. Dezember 2015 im NADA-Auftrag 1000 bis 2000 Trainingskontrollen und 1000 bis 2500 Proben aus Wettkampftests vornehmen.

Einen größeren Auftrag für die Doping-Kontrollen der NADA im nächsten Jahr erhielt das deutsche Unternehmen PWC, das bis zu 8000 Proben aus Trainings- und bis zu 2500 Proben aus Wettkampftests vornehmen wird.

dpa

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