VW-Chef Müller sieht "Erwachsenen-Fußball" beim VfL

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VW-Chef Matthias Müller und Barbara Rittner schauen sich das Spiel des VfL Wolfsburg an. Foto: regios24/Sebastian Priebe/dpa

Mit dem 2:0 gegen Eindhoven setzte nicht nur der VfL Wolfsburg in der Champions League ein wichtiges Zeichen. Auch der neue VW-Chef Müller gab ein Statement ab und kam zum ersten Mal ins Stadion - mit Fanschal. Das Zuschauerproblem soll gelöst werden.

Wolfsburg (dpa) - Ein perfekteres Timing für seinen ersten Besuch beim VfL Wolfsburg hätte es für den neuen Volkswagen-Chef Matthias Müller nicht geben können.

Mit VfL-Fanschal setzte Müller auf der Tribüne beim 2:0-Champions-League-Sieg gegen PSV Eindhoven ein vom Vizemeister und seinen Fans in unsicheren Zeiten sehnsüchtig erwartetes Zeichen. Darüber reden wollte VfL-Sportchef Klaus Allofs nach dem Sprung an die Tabellenspitze der Gruppe B vor Manchester United und ZSKA Moskau aber nicht. "Wir haben das verarbeiten und uns einige Tage dazu äußern müssen. Jetzt konzentrieren wir uns aber auf Fußball", meinte Allofs entschieden zur VW-Krise.

Müller bekam an der Seite von Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner eine willkommene Auszeit von der nervenaufreibenden Krise beim Autobauer. Die Folgen sowohl für den Konzern als auch die hundertprozentige VW-Tochter VfL sind noch nicht absehbar, bislang gibt es nur Absichtserklärungen in Richtung des Bundesligisten. "Man hat uns gesagt, dass alles für uns keine Auswirkungen hatte", berichtete etwa Torschütze Bas Dost (46. Minute) über einen Besuch von VfL-Aufsichtsratschef und VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz in der Kabine der Fußballer.

Gegen Eindhoven bekam Müller reichlich Argumente, den VW-Sparkurs im Zuge des Skandals um manipulierte Abgaswerte nicht allzu sehr auf den Werksclub - das Lieblingsspielzeug seines fußballverrückten Vorgängers Martin Winterkorn - auszuweiten. "Wir werden von Spiel zu Spiel besser", meinte Allofs und Coach Dieter Hecking urteilte: "Das war eine reife Leistung. Das war heute Erwachsenen-Fußball."

Das Tor zum Achtelfinale - dem Minimalziel der Wolfsburger - ist offen, die Ausgangslage als Spitzenreiter mit sechs Punkten aus drei Spielen glänzend. "Wenn wir in Eindhoven nicht verlieren, dann sind wir fast weiter", meinte der euphorisierte Torjäger Dost nach dem Sieg gegen seine Landsleute: "Wir sind einfach stark."

Beim nächsten Spiel in knapp zwei Wochen in Eindhoven erwartet auch Hecking "eine Reifeprüfung". Dort könnte bereits eine Vorentscheidung fallen und dem VW-Konzern eine weitere Bühne geboten werden, in der Krise auch für positive Assoziationen zu sorgen.

Offenbar gibt es mit Volkswagen auch einen Schulterschluss, um die Zuschauer-Problematik in den Griff zu bekommen. Auch gegen Eindhoven war das kleine Stadion nicht ausverkauft, gerade einmal 23 375 Zuschauer kamen. "Bei einem Fassungsvermögen von 26 000 ist das gut", bekräftigte Allofs allerdings. Der Sportchef war anders als nach dem ersten Gruppenspiel im September gegen ZSKA Moskau (1:0) vor gerade einmal etwas mehr als 20 000 Zuschauer darauf bedacht, das Thema nicht erneut aufkommen zu lassen. Nationalspieler Kruse deutete aber an, dass der geringe Fan-Zuspruch in der Mannschaft schon ein Thema ist: "Natürlich wäre es schöner, vor ausverkauftem Haus zu spielen, aber das müssen wir akzeptieren", sagte der Schütze zum 2:0 (57.).

"Da habe ich den Leuten unrecht getan", sagte Allofs hingegen zu seiner Kritik nach dem Moskau-Spiel: "Mir war nicht bewusst, welche Probleme mit einem Abendspiel um 20.45 Uhr verbunden sind". Als Hauptgründe für das Dilemma nannte er den öffentlichen Nahverkehr in der kleinen Stadt Wolfsburg mit nur 120 000 Einwohnern und die Spätschicht bei VW.

"Viele Leute kommen nach so einem späten Spiel einfach nicht mehr nach Hause", berichtete Allofs und deutete an, dass auch das Problem der Spätschicht angegangen werden könnte. Maßnahmen in diese Richtung verbieten sich wegen der Krise beim Konzern derzeit allerdings. "Wir sind einige Maßnahmen angegangen. Viele können noch keine Wirkung gezeigt haben", meinte Allofs.

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