Leichtathletikverband in Bedrängnis

WADA-Bericht: Korruption in der IAAF

WADA, IAAF
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Die WADA sieht die Korruption in der IAAF verankert.

Unterschleißheim - Der Leichtathletik-Weltverband dürfte durch den zweiten Report der unabhängigen Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur noch tiefer in die Krise stürzen.

Der Imageschaden für den Leichtathletik-Weltverband IAAF wird immer größer. Die unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erhebt nach Informationen der Nachrichtenagentur AP schwere Anschuldigungen gegen den Leichtathletik-Weltverband. "Die Korruption war in der Organisation verankert", zitiert AP vorab aus dem zweiten WADA-Report zum Doping- und Korruptionsskandal in der Welt-Leichtathletik, der am heutigen Donnerstag (15.00 Uhr) im Münchner Vorort Unterschleißheim präsentiert werden soll.

Dafür könne nicht "eine kleine Anzahl von Schurken" verantwortlich gemacht werden. "Es kann nicht als Handlung eines merkwürdigen Abtrünnigen, der auf eigene Faust gehandelt habe, ignoriert oder abgetan werden", heißt es in dem 89 Seiten langen WADA-Report. Zudem gibt es Hinweise, die IAAF hätte bereits seit 2009 von dem systematischen Doping in Russland gewusst, und Anschuldigungen, eine große Zahl von auffälligen Blutproben verheimlicht und nicht sanktioniert zu haben.

IAAF weist Anschuldigungen zurück

Die IAAF wies bereits am Montag in einem Bericht an die WADA die Anschuldigung der Vertuschung von Doping zurück und betonte, dass es kein "System der Korruption" im Weltverband gebe und die Vorwürfe nur "einzelne, früher mit der IAAF assoziierte Personen" betreffe.

Die WADA-Kommission kam nach ihren Ermittlungen zu einer anderen Schlussfolgerung. Es habe keine Möglichkeit für die IAAF-Councilmitglieder gegeben das Ausmaß des Dopings und die Nichtbeachtung von Regeln nicht wahrzunehmen, heißt es in dem AP-Bericht.

Sowohl der heutige Präsident Sebastian Coe (seit August 2015) als auch der deutsche Funktionär Helmut Digel und IOC-Mitglied Sergej Bubka waren viele Jahre in der Diack-Ära Vizepräsidenten. Der Brite Coe beteuerte im amerikanischen TV-Sender CNN erneut, dass die IAAF nichts vertuscht hätte. Er selbst habe wegen seines Jobs als Organisationschef der London-Spiele nicht alles wissen können, was in der IAAF gelaufen ist.

Der Weltverband IAAF ist in Misskredit geraten, weil der frühere Präsident Lamine Diack von der französischen Justiz wegen der Vertuschung von Doping-Fällen gegen Bezahlung angeklagt wurde. Damit soll ermöglicht worden sein, dass russische Athleten trotz positiver Doping-Tests bei den Olympischen Spielen 2012 in London und bei den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau an den Start gehen konnten.

Dubioser Deal mit Russland

Laut der AP-Informationen soll die Olympia-Teilnahme von Leichtathleten aus Russland, deren für den Athletenpass gesammelten Bluttests auf Doping schließen ließen, durch einen suspekten Deal geebnet worden sein. Bei einem Treffen in Moskau vor den London-Spielen, an dem laut WADA-Report Diacks Sohn Papa Massata und der frühere IAAF-Schatzmeister Walentin Balachnitschjow teilgenommen haben, wurde nicht nur der Preis für die TV-Rechte an der WM 2013 in Moskau von 6 Millionen Dollar ausgehandelt. Der Diack-Filius kehrte auch mit einem mit 25 Millionen Dollar dotierten Sponsorenvertrag von einer führenden russischen Bank zurück.

Die unabhängige WADA-Kommission unter Vorsitz von Richard Pound und mit Richard McLaren und dem deutschen Kriminalbeamten Günter Younger hatten bereits am 9. November 2015 schon einen Bericht ihrer Untersuchungen vorgelegt. Darin war nachgewiesen worden, dass es in der russischen Leichtathletik systematisches Doping und Sportbetrug gegeben hat. Die IAAF suspendierte daraufhin Russlands Verband.

dpa

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