Dopingprozess: Fuentes-Computer bleibt tabu

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Eufemiano Fuentes muss die Daten auf seinem PC nicht preisgeben.

Madrid - Im Prozess gegen Fuentes bleiben die Daten aus dessen Computer sowie zunächst auch die bei ihm sichergestellten Blutbeutel unter Verschluss. Die Richterin lehnte damit Anträge der Nebenkläger ab.

Noch vor seiner eigenen Aussage hat Dopingarzt Eufemiano Fuentes im Prozess um die „Operación Puerto“ einen ersten Erfolg erzielt. Wie Richterin Julia Patricia Santamaría am Dienstag entschied, werden Daten aus dem persönlichen Computer des Mediziners nicht preisgegeben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte als Nebenkläger einen Antrag gestellt, um herauszufinden, welche Sportler Fuentes' Dienste in Anspruch genommen haben.

Gegen die Herausgabe der bei der Razzia 2006 sichergestellten Blutbeutel sprach sich indes die Staatsanwaltschaft aus. Die Guardia Civil hatte bei dem Arzt mehr als 200 Beutel gefunden, die mit Codenamen beschriftet waren. Obwohl einige Beutel eindeutig Sportlern zugeordnet werden konnten, blieben Strafen bislang weitgehend aus. Die WADA will vor allem erfahren, ob neben den bislang bekannten Radprofis auch andere Sportler in die Affäre involviert waren.

Zu diesem Antrag vertagte die Richterin ihre Entscheidung. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Efe unter Berufung auf Justizkreise meldete, will sie darüber wahrscheinlich erst beim Urteilsspruch entscheiden, der nicht vor April erwartet wird.

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Die WADA hatte sich von den Daten aus dem 2006 sichergestellten Rechner Aufschlüsse über die Kundenkartei des Mediziners erhofft. Dem Antrag hatten sich auch der Weltradsportverband UCI und die oberste spanische Sportbehörde CSD angeschlossen. Laut Richterin Santamaría verletze dies aber die Privatsphäre von Fuentes. Wenn, dann hätte der Computer in der Phase der Ermittlungen durchsucht werden müssen, sagte sie. Der damalige Ermittlungsrichter Antonio Serrano hatte jedoch sämtliche Anträge über Jahre hinweg abgelehnt.

Dagegen erlaubte Richterin Santamaría, Ex-Profi Tyler Hamilton als Zeugen vorzuladen. Der Amerikaner hatte zuletzt detailliert über Dopingvergehen und seine Besuche bei Fuentes berichtet. Außerdem gab der langjährige Helfer von Lance Armstrong an, in der Praxis von Fuentes auch Fußballer und Tennisspieler gesehen zu haben.

Fuentes hatte einst selbst damit geprahlt, auch Spitzenathleten aus anderen Sportarten zu betreuen. Seine Aussage in dem Verfahren, bei dem es nicht explizit um Dopingvergehen - die 2006 noch nicht strafbar waren - sondern um die „Gefährdung der öffentlichen Gesundheit“ geht, stand am (heutigen) Dienstag an.

dpa

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