Vegane Ernährung und Umweltschutz

Wrestling-Star Bryan: "Ich war immer ein wenig anders"

+
Daniel Bryan in der Küche.

München - Daniel Bryan entspricht äußerlich dem Klischee, das einem professionellen Wrestler entgegengebracht wird. Doch das wirkt nur so. Die tz traf Bryan zum Interview in München.

Update vom 7. Oktober 2016: Jetzt ist es offiziell: Tim Wiese wird am 3. November sein Wrestling-Debüt geben. Wir haben alle Infos zum ersten Wrestling-Match von Tim Wiese bei der WWE in München.

Er ist 1,76 Meter groß und bringt 92 Kilogramm Kampfgewicht auf die Waage. Hinzu kommen ein Vollbart und ein – wenn nötig – finsterer Blick. Daniel Bryan entspricht äußerlich zu hundert Prozent dem Klischee, das einem professionellen Wrestler beinahe automatisch entgegengebracht wird. Dabei würden sicher die wenigsten erwarten, dass es sich bei dem WWE-Star nicht nur um den ehemaligen Champion im Schwergewicht handelt, sondern auch um einen ehemaligen Verganer. Für mehr als zwei Jahre verzichtete der US-Profi (Aberdeen/Washington) auf tierische Produkte. Wie das zusammenpasst? Und warum der 34-Jährige sich noch immer ausgesprochen umweltfreundlich verhält? Die tz traf Bryan zum Interview in München.

Herr Bryan, das letzte Jahr war nicht einfach für Sie. Zunächst mussten Sie aufgrund einer Nackenverletzung lange pausieren, bei Ihrem Comeback Anfang 2015 zogen Sie sich dann eine Gehirnerschütterung zu. Wie geht es Ihnen?

Voller Einsatz im Ring: Bryan ­begeistert die Wrestling-Fans weltweit.

Daniel Bryan: Mir geht es wirklich gut, danke! Meine Nackenverletzung habe ich ja seit längerer Zeit völlig auskuriert. Der Grund, warum ich momentan noch nicht wieder im Ring aktiv sein kann, ist meine Gehirnerschütterung. So etwas zieht sich leider immer. Auch, wenn es mir so gut geht, dass ich wieder trainieren kann, muss ich mit meinem nächsten Kampf auf das Okay der Ärzte warten… Wann das gegeben werden kann, lässt sich leider schwer vorhersagen.

Sie sind gerade für zwei Tage auf Promo-Tour für die WWE (Tele 5 überträgt WWE RAW, d. Red.) in Deutschland. 

Daniel Bryan: Richtig – und ich bin immer wieder gern hier. In Deutschland hat meine Karriere eigentlich erst so richtig begonnen… Achtung, Sie haben eine Wespe im Getränk!

(Bryan nimmt das Glas, fischt mit einem Messer das Insekt heraus, und lässt es wieder fliegen.)

Danke! Da haben Sie ein Tierleben gerettet.

Daniel Bryan: (lacht) Stimmt, man tut, was man kann!

Sie waren einige Jahre sogar Veganer. Wie kam’s?

Daniel Bryan:  Das hatte gesundheitliche Gründe. Ich hatte in einem Jahr sehr häufig grippale Infekte. Mein Arzt riet mir, meine Ernährung umzustellen, da der Körper tierische Produkte nicht so gut verwerten kann wie pflanzliche. Ich habe mich danach so gut gefühlt wie nie. In meiner veganen Zeit habe ich im Training meine Bestmarke an den Gewichten aufgestellt.

Und was haben die Kollegen gesagt?

Daniel Bryan im Gespräch mit tz-Reporterin Lena Meyer.

Daniel Bryan: (lacht) Dass eine vegane Ernährung für einen Profisportler, gerade für einen Wrestler, nicht unbedingt üblich ist, ist klar. Die meisten Kollegen, mit denen ich in der Zeit auf Tour war, hat das Ganze auch ziemlich genervt. Sie wollten zum Beispiel Steak oder Burger essen gehen und mussten sich dann nach einem anderen Restaurant umsehen, weil es dort für mich natürlich nichts gab. Hinzu kam, dass einer meiner Kollegen Gluten nicht vertragen hat. Mit uns beiden im Schlepptau hat die Restaurantsuche also nicht unbedingt Spaß gebracht (lacht). Aber ich war schon immer ein bisschen anders als der Rest. Insofern hat es niemanden gewundert (lacht).

Und warum essen Sie nun wieder Fleisch?

Daniel Bryan:  Eine vegane Ernährung erfordert viel Aufwand. Gerade auf Tour ist das schwierig. Hinzu kam, dass mein Körper eine Intoleranz gegen Soja entwickelt hat. Und da wurde es schwierig, die nötigen Proteine aufzunehmen, die ich brauchte. Nun esse ich zwar wieder Fleisch, aber immer noch sehr dosiert. Und ich achte natürlich darauf, wo es herkommt und dass die Tiere artgerecht gehalten wurden.

Auch sonst sind Sie sehr umweltbewusst. Sie kaufen beispielsweise kein Wasser in Plastikflaschen, oder?

Daniel Bryan:  Richtig, das mache ich schon seit einigen Jahren nicht mehr. Stattdessen habe ich immer eine Trinkflasche bei mir mit einem eingebauten Wasserfilter. Die ist wirklich praktisch! Ich kann sie überall auffüllen, das Wasser wird automatisch gereinigt. Das Beste: Ich produziere keinen Plastikmüll. Jeder sollte seinen Teil zum Umweltschutz beitragen, finde ich – auch, wenn er noch so klein ist. Es hilft auf jeden Fall!

Sie sind einer der bekanntesten WWE-Profis derzeit, haben auch in Deutschland eine riesige Fangemeinde. Für alle, die nicht so Wrestling-affin sind: Was macht die Faszination Ihres Sports aus?

Daniel Bryan:  Die Faszination für mich? Das ist ganz einfach! Es ist der einzige Sport, bei dem eine Interaktion zwischen Publikum und Athleten stattfindet. Es ist eine riesige Show, bei der die Zuschauer in gewisser Weise mit ihrem Applaus, Zwischenrufen und Reaktionen bestimmen können, wie am Ende der Kampf ausgeht. Vor meinen Auftritten im Ring sehe ich mir immer gern die Kämpfe meiner Kollegen an und schaue auf das Publikum. Es gefällt mir, die Begeisterung und die Faszination in den Augen der Zuschauer zu sehen. Und dann kommt ja immer noch der eine Aspekt hinzu, an den jeder beim Wrestling denkt. Nämlich: Ist das nun echt, oder nicht? Die meisten wissen natürlich die Antwort, aber so ganz sicher, sind sich wohl die wenigsten (lacht).

Interview: Lena Meyer

auch interessant

Meistgelesen

Boris Becker rechnet mit Novak Djokovic ab
Boris Becker rechnet mit Novak Djokovic ab
Boris Becker und Novak Djokovic trennen sich
Boris Becker und Novak Djokovic trennen sich
Formel-1-Weltmeister Rosberg genießt Abschiedstour
Formel-1-Weltmeister Rosberg genießt Abschiedstour
Boris Becker hat eine neue Aufgabe
Boris Becker hat eine neue Aufgabe

Kommentare